Sie sind vermutlich noch nicht im Forum angemeldet - Klicken Sie hier um sich kostenlos anzumelden Impressum 
Religionsforum
Atheismus vs. Religionen  


Der substanzielle  Dialog 

Für (echten) Säkularismus und freie Religionskritik!


Mach mit!


Sie können sich hier anmelden
Dieses Thema hat 32 Antworten
und wurde 1.823 mal aufgerufen
 Philosophie und Wissenschaft
Seiten 1 | 2
Perquestavolta ( gelöscht )
Beiträge:

28.05.2016 21:40
#26 RE: Voltaire und die Religion Antworten

Zitat von Reklov im Beitrag #12

Zitat
Ich hatte Voltaire als Islam- und Christentum-Kritiker bisher in der Tat anders wahrgenommen - als ein Atheist! Der war er nicht, okay. Muss und kann ich mit leben.
Gysi,

... irren ist menschlich! - Auch Spinoza war kein Atheist!




Falsch Reklov! Für die damaligen Zeitgenossen war Spinoza eindeutig ein Atheist. So wie auch für die Römer zu ihrer Zeit, die Christen Atheisten waren.

Außerdem war Spinozas Gottesvorstellung eindeutig pantheistisch. https://de.wikipedia.org/wiki/Pantheismus-
Pantheismus ist eine methaphysische "Glaubens/Wahrheitsmodel", welches die Natur selbst als "Göttlich" interpretiert.

Reisender Offline



Beiträge: 4.058

29.05.2016 09:53
#27 RE: Voltaire und die Religion Antworten

Die Aufgabe der Philosophie wie Wittgenstein sie versteht, ist dafür zu sorgen, dass das Denken den Fallen entgeht,
die ihm die Sprache stellt.
Die Philosophie ist also nicht Erörterung von letztlich doch unlösbaren Problemen, sie ist in Wirklichkeit
rein deskriptiv, nämlich Beschreibung des Gebrauchs von Wörtern.
Damit hätte die traditionelle Philosophie ausgespielt, was bei Wittgenstein heraufzieht ist ihr Untergang,
denn man kann von keinem Wort eine eindeutige philosophische Definition geben.

Perquestavolta ( gelöscht )
Beiträge:

29.05.2016 12:30
#28 RE: Voltaire und die Religion Antworten

Zitat von Reisender im Beitrag #27
Die Aufgabe der Philosophie wie Wittgenstein sie versteht, ist dafür zu sorgen, dass das Denken den Fallen entgeht,
die ihm die Sprache stellt.
Die Philosophie ist also nicht Erörterung von letztlich doch unlösbaren Problemen, sie ist in Wirklichkeit
rein deskriptiv, nämlich Beschreibung des Gebrauchs von Wörtern.
Damit hätte die traditionelle Philosophie ausgespielt, was bei Wittgenstein heraufzieht ist ihr Untergang,
denn man kann von keinem Wort eine eindeutige philosophische Definition geben.


Ja, das könnte die Realität sein.

Die Natur besteht aus Strukturen und Mustern für deren gemeinsame Wiedererkennen in Zusammenhängen, WIR Wörter/Begriff benutzen. Und diese Wörter und Begriff sind nichts weiter als akustische Zeichen und Vereinbarungen zwischen uns Menschen um uns gegenseitig und einander gute, schlechte und nützlicher Erfahrungen bewusst zu machen. Informationsfluss ist Geist.. Philosophie ist eine Methode aus Informationen Wahrheitsmodelle zu erstellen.. Weswegen philosophische Wahrheitsmodelle immer nur soviel wahr sind, als die Informationen aus denen sie erstellt wurden, faktisch nachprüfbar sind. Deswegen ist jede Philosophie, die sich wertender Interpretationen bedient, nicht zur Beschreibung und Erklärung der Realität anwendbar und kann sich immer nur auf die jeweilige Befindlichkeit und Ansprüche des Philosophen selbst beziehen.

Reklov Offline




Beiträge: 5.274

30.05.2016 11:55
#29 RE: Voltaire und die Religion Antworten

Zitat
Falsch Reklov! Für die damaligen Zeitgenossen war Spinoza eindeutig ein Atheist. So wie auch für die Römer zu ihrer Zeit, die Christen Atheisten waren.

Perquestavolta,

... wer es nötig hat, seinen Satz bereits mit einer Beurteilung von richtig und falsch zu beginnen, spielt sich hier in eine Richter-Rolle, die ihm überhaupt nicht zusteht!
Die Christenverfolgung begann zunächst in Judäa, denn die ersten Christen waren Judenchristen! Hier, wie auch später im Römischen Einflussbereich wurde der "neue Glaube" vor allem deswegen verfolgt, weil er die Gleichstellung eines jeden Menschen vor dem "einen Gott" predigte. Das war in einer, viele Götter anbetenden Kultur nicht nur neu, sondern revolutionär!!! Dies passte verständlicherweise weder der jüd. Priester-Elite, noch anderen Priesterkasten und schon gar nicht den röm. Kaisern, welche sich ja selbst als "Gottkaiser" verehren ließen.

Es ging hier also überhaupt nicht um den Begriff "Atheist", denn ein Anhänger des Monotheismus kann ja kein Atheist sein, sondern um den hochexplosiven politischen Sprengstoff, welchen die christliche Botschaft in sich barg!
Denn - man darf dabei nicht übersehen, dass seinerzeit 2/3 der Bevölkerung aus rechtlosen Sklaven bestand. Unter diesen Kreisen, aber auch in der sog. Oberschicht, konnte sich die Botschaft des NT in die Köpfe und Herzen vieler Menschen setzen - als Trost- und Hoffnungsspender.
Wer will nun das psychologische Element des Christentums mit seinen Füßen treten, auch wenn der spätere Missbrauch der christl. Lehre sich bis zu den brutalsten Erscheinungen und Aktivitäten austobte. - Die Lehre an sich kann dafür nicht verantwortlich gemacht werden, sondern die Machtgierigen, welche stets an der Spitze von geldbringenden Organisationen zu finden sind. Ihnen folgte dann auch stets das Heer der Gedankenlosen, welche sich für die Machtpläne der Kirche und auch ihre eigenen vermeintlichen Vorteile einspannen ließen.

Gruß von Reklov

Reklov Offline




Beiträge: 5.274

30.05.2016 12:18
#30 RE: Voltaire und die Religion Antworten

Zitat
Friedrich war selbst ein philosophischer Kopf und stimmte dem sehr selbstbewußten Voltaire
wohl nicht immer zu, oder das Berliner Essen hat ihn nicht geschmeckt.

Reisender,

Friedrich "der Große" war nicht nur Denker, Freimaurer, Flötenspieler und erfolgreicher Reformer, sondern auch jemand, der Preußens Heer "trainierte" und dieses stehende große Heer auch für seine Machtstrategien in vielen Kriegen "verheizte". Die vielen Toten an den Fronten gehen auf Friedrichs Konto!
Schon in der Jugend hatte Friedrich von seinem Vater Grausames zu erdulden. (Details sind ja, z.B. über die Hinrichtung seines Freundes, H. Kattes, nachzulesen!) Der Regent, dem man eine Neigung zur Männerliebe nachsagte, blieb zeitlebens unverheiratet. Laut Voltaire und Casanova hatte er passiven Sex mit Pagen und Kadetten. Eine satirische Darstellung des englischen Malers William Hogarth hat den Preußenkönig bereits 1744 als homosexuell geoutet. Im hohen Alter streichelte er nur noch seine Hunde im Hof von Sanssouci während sich das Personal über den senilen Greis lustig machte, wie eine Chronik berichtet.

Gruß von Reklov

seneca Offline

religiöser Atheist


Beiträge: 670

30.05.2016 12:48
#31 RE: Voltaire und die Religion Antworten

Voltaire war gewissermassen der intellektuelle Superstar der Aufklärung und publizierte enorm viel. Er hielt sich in England auf und kam in Kontakt mit dem Gedankegut von Locke, dessen Erkenntnistheorie (Sensualismus) er übernahm. Er war immerhin drei Jahren (1750-53) am Hof Friedrich des II., der bekanntlich gerne französisch parlierte.

Voltaire war v.a. ein scharfer Kritiker der Kirche ("ecrasez l’nfame!"). Den hardcore Atheismus eines Lamettrie (l’homme machine) oder des von mir geschätzten D’Holbach (le sysème de la nature) lehnte er aber ab. Er verfocht den Standpunkt derjenigen, die weder Anhänger einer Offenbarungsreligion noch Atheisten sein wollten. Der zentrale Begriff des Deismus, den er vertrat, hiess Naturreligion. Aus der Existenz der verschiedenen Religionen in der Geschichte galten Sinn und Vernunft der Religion an sich als erwiesen und der Glaube an Gott und Unsterblichkeit der Seele für das Leben in der Gesellschaft daher als unverzichtbar.
Alle über das allgemein sittliche „Naturgesetz“ hinausgehende Religionslehren, wie Erbsünde, ewige Verdammnis usw. lehnte er als Entartung der Naturreligion ab und bekämpfte es z.T. mit Spott.
Wie Newton wertete er die Anziehungskraft (Gravitationskraft) als Nachweis der den Kosmos durchwaltenden Gesetzlichkeit, welche ohne die Annahme eines „Weltbaumeisters“ nicht vorstellbar schien ("Uhrmachergott" = Deismus). Er wandte sich, wie gesagt, gegen den Atheismus der Aufklärer u.a. mit dem Spruch: „Wenn Gott nicht existierte, müsste er erfunden werden.“ Aus dem "Klasseninteresse" (s. Quelle), das der Idee des Polizistengottes (aus praktischen Gründen) zugrunde lag, hat Voltaire keinen Hehl gemacht. Trotzdem hat sein ganzes Schaffen der Idee des Atheismus Auftrieb stark gegeben u.a. dadurch dass er Teile des Werkes des atheistischen Landpfarrers Jean Meslier herausgegeben hat.

Quelle:
Philosophenlexikon, Autorenkollektiv, 3. Auflage, Dietz Berlin 1984
(printed in the GDR). Dahinter stehen die Mitarbeiter der Sektion marxistisch-leninistischen Philosophie der Schiller-Universität Jena und ausl. Autoren anderer, spez. Sozialistischer Staaten.
Für am Atheismus Interessierte ist das Lexikon (antiquarisch im Internet für einige Euro erhältlich) wertvoll. Es werden alle möglichen Philosophen, Theologen, Wissenschaftler des Altertums, des MA und der Neuzeit gründlich behandelt, v.a. ihr Standpunkt zu Metaphysik und Religion, insbesondere natürlich die Atheisten wie Lamettrie und D'Holbach, aber auch enfants terrlible wie Stirner und sogar islamische Philosophen wie Averroes (Ibn Ruschd) und Avicenna (Ibn Sina).

__________________________________________________
RELIGION IST HEILBAR! (Buch von J. Hochstrasser, Ex-Priester)
Denken ist eine Anstrengung; Glauben ein Komfort (Ludwig Marcuse).
Das Leben ist eine mißliche Sache; ich habe mir vorgesetzt, es damit hinzubringen, über dasselbe nachzudenken (Schopenhauer). - Ich würde nur an einen Gott glauben, der zu tanzen verstünde (Nietzsche, Zarathustra).

Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 17.940

30.05.2016 13:44
#32 Voltaire und die Religion Antworten

DANKE erst mal für deine unermüdliche Arbeit, die uns allen hilft!

Zitat von Seneca
Aus der Existenz der verschiedenen Religionen in der Geschichte galten Sinn und Vernunft der Religion an sich als erwiesen und der Glaube an Gott und Unsterblichkeit der Seele für das Leben in der Gesellschaft daher als unverzichtbar.
Alle über das allgemein sittliche „Naturgesetz“ hinausgehende Religionslehren, wie Erbsünde, ewige Verdammnis usw. lehnte er als Entartung der Naturreligion ab und bekämpfte es z.T. mit Spott.

GLAUBT Voltaire an die Unsterblichkeit der Seelen - oder begründet er sie? Damit ist er aber kein Monist, wie Spinoza. Oder doch?

_____________________________________________
"Ich bin vom Glauben zum Wissen konvertiert!" (Hamed Abdel-Samad)

Reisender Offline



Beiträge: 4.058

30.05.2016 13:55
#33 RE: Voltaire und die Religion Antworten

Zitat von Gysi im Beitrag #32
DANKE erst mal für deine unermüdliche Arbeit, die uns allen hilft!

Zitat von Seneca
Aus der Existenz der verschiedenen Religionen in der Geschichte galten Sinn und Vernunft der Religion an sich als erwiesen und der Glaube an Gott und Unsterblichkeit der Seele für das Leben in der Gesellschaft daher als unverzichtbar.
Alle über das allgemein sittliche „Naturgesetz“ hinausgehende Religionslehren, wie Erbsünde, ewige Verdammnis usw. lehnte er als Entartung der Naturreligion ab und bekämpfte es z.T. mit Spott.
GLAUBT Voltaire an die Unsterblichkeit der Seelen - oder begründet er sie? Damit ist er aber kein Monist, wie Spinoza. Oder doch?




Voltaire war einer der bedeutendsten Kirchenkritiker des 18. Jahrhunderts. Dies brachte ihm früh die Missbilligung der katholischen Kirche ein, die ihn als Atheisten brandmarkte und seine Schriften verbot.

Der Erbauer einer Kapelle in Ferney mit der Inschrift Deo erexit Voltaire, 1761 („Für Gott erbaut von Voltaire“) wehrte sich jedoch stets gegen den Vorwurf des Atheismus. Bei aller Distanz zu den überkommenen Religionen vertrat er eine Haltung, die der deistischen Position verwandt war, das heißt einen toleranten und undogmatischen und von archaischen Vorstellungen befreiten Monotheismus. So folgerte er aus der Gesetzmäßigkeit des Kosmos die Existenz einer höchsten Intelligenz (Traité de métaphysique, 1735) und betonte die moralische Nützlichkeit des Glaubens an Gott: „Wenn Gott nicht existierte, müsste man ihn erfinden“ (in Épitre à l’auteur du livre des trois imposteurs, 1770). Ohne jeden dogmatischen Anspruch bejahte Voltaire auch die Unsterblichkeit der Seele und die Freiheit des Willens.

Seiten 1 | 2
 Sprung  
________________________________________

"Ich bin völlig anderer Meinung als Sie. Aber ich werde mein Leben dafür einsetzen,
dass Sie sie sagen dürfen!" (Voltaire)

"Habe den Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!" (Immanuel Kant)

________________________________________

=> "Die Ewigkeit gibt es ohne Gott!"

... Platz für Verlinkungsaustausche ...

VORSICHT! Vertrauensunwürdige Werbung!

Xobor Erstelle ein eigenes Forum mit Xobor
Datenschutz