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Atheismus vs. Religionen  


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Dieses Thema hat 32 Antworten
und wurde 1.511 mal aufgerufen
 Philosophie und Wissenschaft
Seiten 1 | 2
Reisender Offline



Beiträge: 4.058

27.05.2016 15:24
Voltaire und die Religion antworten

Zu seiner Zeit war Voltaire der wohl bekannteste Mann Europas,
er speiste an der Tafel von Königen, weil er, wie Friedrich von Preußen sagte,
zwar kein König durch Geburt, aber ein König durch den Geist ist.
Nitzsche hielt ihn für den größten Geist der Menschheit, und die Geschichte
gab ihn den Namen "Vater der Aufklärung".

Er versuchte, die organisierten Religionen als dumpfen Aberglauben zu entlarven.
Er sagte, dass jeder vernünftige Mensch die christliche Sekte mit Abscheu und Widerwillen betrachten müsste.
Voltaires Kampf gegen das Christentum (und Islam)ist aber keineswegs der Ausfluss einer irreligiösen Gesinnung
oder gar eines Atheismus. Diesen bezeichnete er sogar als gegen die Interessen der Menschen gerichtet und als ein
Monstrum.
Gott ist das notwendige Wesen, die in der Natur verbreitete Intelligenz, der große Geist im großen All.
Weiter freilich kann die Erkenntnis Gottes nicht kommen.
Und wieder treffen wir auf Spinozas Gott, dem die Größten Geister der Menschheit, ein Voltaire,
ein Nitzsche, ein Einstein anhingen.

Reklov Offline




Beiträge: 4.852

27.05.2016 16:05
#2 RE: Voltaire und die Religion antworten

Zitat
Und wieder treffen wir auf Spinozas Gott, dem die Größten Geister der Menschheit, ein Voltaire,
ein Nitzsche, ein Einstein anhingen.

Reisender,

... dürfte man in diese Namensliste auch Gysi einfügen?

Gruß von Reklov

Reklov Offline




Beiträge: 4.852

27.05.2016 16:13
#3 RE: Voltaire und die Religion antworten

Zitat
Zu seiner Zeit war Voltaire der wohl bekannteste Mann Europas,
er speiste an der Tafel von Königen, weil er, wie Friedrich von Preußen sagte,
zwar kein König durch Geburt, aber ein König durch den Geist ist.

Reisender,

... Voltaire und der Alte Fritz verkrachten sich aber, nach anfänglicher Freundschaft, wegen unterschiedlicher Ansichten, so stark,
dass der franz. Philosoph Preußens Hof verließ.

Gruß von Reklov

Reisender Offline



Beiträge: 4.058

27.05.2016 16:35
#4 RE: Voltaire und die Religion antworten

Zitat von Reklov im Beitrag #3

Zitat
Zu seiner Zeit war Voltaire der wohl bekannteste Mann Europas,
er speiste an der Tafel von Königen, weil er, wie Friedrich von Preußen sagte,
zwar kein König durch Geburt, aber ein König durch den Geist ist.
Reisender,

... Voltaire und der Alte Fritz verkrachten sich aber, nach anfänglicher Freundschaft, wegen unterschiedlicher Ansichten, so stark,
dass der franz. Philosoph Preußens Hof verließ.

Gruß von Reklov



Ich weiß Reklov, das kommt eben in der besten Familie vor.
Friedrich war selbst ein philosophischer Kopf und stimmte dem sehr selbstbewußten Voltaire
wohl nicht immer zu, oder das Berliner Essen hat ihn nicht geschmeckt.

Reisender Offline



Beiträge: 4.058

27.05.2016 16:40
#5 RE: Voltaire und die Religion antworten

Zitat von Reklov im Beitrag #2

Zitat
Und wieder treffen wir auf Spinozas Gott, dem die Größten Geister der Menschheit, ein Voltaire,
ein Nitzsche, ein Einstein anhingen.
Reisender,

... dürfte man in diese Namensliste auch Gysi einfügen?

Gruß von Reklov



Ach ich weiß nicht, an königlicher Tafel speist er wohl nicht,
eher an einer Frittenbude.

Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 17.191

27.05.2016 17:41
#6 Voltaire und die Religion antworten

Zitat von Reisender
Ach ich weiß nicht, an königlicher Tafel speist er wohl nicht,
eher an einer Frittenbude.

Da, wo wir uns treffen. Reklov auch, oder?

_____________________________________________
"Ich bin vom Glauben zum Wissen konvertiert!" (Hamed Abdel-Samad)

Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 17.191

27.05.2016 17:49
#7 Voltaire und die Religion antworten

Zitat von Reisender
Voltaires Kampf gegen das Christentum (und Islam)ist aber keineswegs der Ausfluss einer irreligiösen Gesinnung oder gar eines Atheismus.

Und wieder müssen die Gläubigen versuchen, die großen Geister in ihr Boot zu bekommen. Was immer Voltaire über "Gott" gesagt hat oder wie er ihn definierte (nach Spinozas Verständnis, oder wie Einstein?), das Wichtigste ist die Meinungsfreiheit, die er so radikal proklamierte, wie es ein Zitat von ihm im Fußfeld dieses Forums belegt!

Es kommt auf die DEFINITION des Gottesbegriffs an. Und auch Nietzsche als religiös zu bezeichnen, ist wirklich eine Frechheit! Pure propagandistische Positionsverschmierung!

Aber zerrt ruhig, um euch mit fremden Federn zu schmücken. Besser wäre es, sich mit treffenden ARGUMENTEN zu schmücken.

_____________________________________________
"Ich bin vom Glauben zum Wissen konvertiert!" (Hamed Abdel-Samad)

Lukrez Offline




Beiträge: 5.551

27.05.2016 18:16
#8 RE: Voltaire und die Religion antworten

Voltaire war Deist.
Der Deismus postuliert eine völlige Trennung von Gott und der Welt.
Auch Lukrez sagte: Die Götter haben ihre eigene Sphäre und haben mit dem leben der Menschen oder mit dieser Welt absolut nichts zu schaffen.

Eigentlich kann man Deismus sogar als eine spezielle Form des Atheismus sehen.
Man wollte den Gottesbegriff noch irgendwie retten und ansonsten Gott vollkommen aus dieser Welt verbannen.
Für Deisten gibt es keine Offenbarung, keine Wunder oder sonstiges göttliches Wirken in dieser Welt.

Habe mich zwar nicht näher mit Spinoza beschäftigt, aber Spinoza war wohl kein Deist, sondern ein Pantheist.
Das sind zwei vollkommen unterschiedliche Auffassungen!

Pantheismus (Spinoza): Gleichsetzung von Gott und Natur.
Deismus: Das genaue Gegenteil! Natur und Gott sind vollkommen getrennt und üben keine gegenseitigen Einflüsse aus.

__________________________________________________
Wenn du es nicht wagst, den Sinnen zu trauen, stürzen die Pfeiler des Lebens ein.
De nihilo nihil. Aus Nichts wird nichts.
Zu soviel Unheil hat schon die Religion die Menschen verleitet.
(Lukrez)

Reisender Offline



Beiträge: 4.058

28.05.2016 09:41
#9 RE: Voltaire und die Religion antworten

Zitat von Gysi im Beitrag #7

Zitat von Reisender
Voltaires Kampf gegen das Christentum (und Islam)ist aber keineswegs der Ausfluss einer irreligiösen Gesinnung oder gar eines Atheismus.
Und wieder müssen die Gläubigen versuchen, die großen Geister in ihr Boot zu bekommen. Was immer Voltaire über "Gott" gesagt hat oder wie er ihn definierte (nach Spinozas Verständnis, oder wie Einstein?), das Wichtigste ist die Meinungsfreiheit, die er so radikal proklamierte, wie es ein Zitat von ihm im Fußfeld dieses Forums belegt!

Es kommt auf die DEFINITION des Gottesbegriffs an. Und auch Nietzsche als religiös zu bezeichnen, ist wirklich eine Frechheit! Pure propagandistische Positionsverschmierung!

Aber zerrt ruhig, um euch mit fremden Federn zu schmücken. Besser wäre es, sich mit treffenden ARGUMENTEN zu schmücken.



http://www.aphorismen.de/suche?f_autor=3...re&f_thema=Gott

Ich glaube, Du entwickelst Deinen Atheismusbegriff vollständig aus der Sicht der Kirche.
Da ist jeder Atheist der das Dogma ablehnt und die organisierte Religion als Aberglauben bezeichnet.

Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 17.191

28.05.2016 09:47
#10 Voltaire und die Religion antworten

Ich hatte Voltaire als Islam- und Christentum-Kritiker bisher in der Tat anders wahrgenommen - als ein Atheist! Der war er nicht, okay. Muss und kann ich mit leben.

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"Ich bin vom Glauben zum Wissen konvertiert!" (Hamed Abdel-Samad)

Reklov Offline




Beiträge: 4.852

28.05.2016 10:17
#11 RE: Voltaire und die Religion antworten

Zitat
Und auch Nietzsche als religiös zu bezeichnen, ist wirklich eine Frechheit! Pure propagandistische Positionsverschmierung!

Gysi,

die bekannte Aussage von Nietzsche "Gott ist tot" war eine Gesellschaftskritik, mit der angeprangert werden sollte, dass das Christentum sich schon seit Jahrhunderten von Gott entfernt hatte - mit Lüge, Mord und Totschlag. - Dies wollte, laut einem Nietzsche-Kenner, der Philosoph damit ausdrücken.
Wer die Werke von Nietzsche kennt, weiß auch, dass er, wie viele andere "Kollegen" auch darauf aus war, zunächst mal zu provozieren, denn so etwas löst ja dann auch die bekannten Diskussionen aus.
In späteren Jahren begann der lange Leidensweg des Denkers, denn ausgerechnet sein Geist verwirrte sich zunehmends. (Bedauernswert und schade!)

Gruß von Reklov

Reklov Offline




Beiträge: 4.852

28.05.2016 10:18
#12 RE: Voltaire und die Religion antworten

Zitat
Ich hatte Voltaire als Islam- und Christentum-Kritiker bisher in der Tat anders wahrgenommen - als ein Atheist! Der war er nicht, okay. Muss und kann ich mit leben.

Gysi,

... irren ist menschlich! - Auch Spinoza war kein Atheist!

Gruß von Reklov

Reisender Offline



Beiträge: 4.058

28.05.2016 10:36
#13 RE: Voltaire und die Religion antworten

Man müßte einfach einen allgemeinen Konsens finden für den Begriff des Atheismus.
Absoluter Atheismus ist für mich nahezu identisch mit philosophischen Materialismus,
danach ist Bewusstsein (Geist) eine zelluläre Funktion der Materie.
Als Agnostiker kann ich das natürlich nicht ausschließen, aber ich glaube daran genau so wenig
wie an alle menschlichen Projektionen über Gott.
Ich glaube, dass der Urgrund unseres Seins für uns unbegreiflich und unerkennbar ist,
da er Raum und Zeit übersteigt.

Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 17.191

28.05.2016 10:45
#14 Voltaire und die Religion antworten

Zitat von Reisender
Man müßte einfach einen allgemeinen Konsens finden für den Begriff des Atheismus.

Man müsste vor allen eine gemeinsame Definition des Gottesbegriffs haben, um zu verstehen, dass ich Spinoza - zumindest nach meinem Verständnis - eher für einen Atheisten halte. Er nannte sich selber nicht so, ich weiß. Aber was im 17. Jahrhundert von Spinoza "Gott" genannt wurde, ist nach zumindest meiner Begriffsdefinition Gottes eben nicht ein Gott! Aber Meister Reklov hält an den Worten fest, die ihm gefallen...

Es geht um die Begriffsdefinitionen. Deshalb fragte ich auch danach, ob Voltaire überhaupt mit einer solchen (Definition des Gottesbegriffs) arbeitete.

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"Ich bin vom Glauben zum Wissen konvertiert!" (Hamed Abdel-Samad)

Reisender Offline



Beiträge: 4.058

28.05.2016 10:51
#15 RE: Voltaire und die Religion antworten

Zitat von Reklov im Beitrag #12

Zitat
Ich hatte Voltaire als Islam- und Christentum-Kritiker bisher in der Tat anders wahrgenommen - als ein Atheist! Der war er nicht, okay. Muss und kann ich mit leben.
Gysi,

... irren ist menschlich! - Auch Spinoza war kein Atheist!

Gruß von Reklov



Nitzsche wohl auch nicht.
[b]
Dem unbekannten Gotte

[/b]
Noch einmal, eh ich weiterziehe
und meine Blicke vorwärts sende,
heb ich vereinsamt meine Hände
zu dir empor, zu dem ich fliehe,
dem ich in tiefster Herzenstiefe
Altäre feierlich geweiht,
daß allezeit
mich deine Stimme wieder riefe.

Darauf erglüht tief eingeschrieben
das Wort: Dem unbekannten Gotte.
Sein bin ich, ob ich in der Frevler Rotte
auch bis zur Stunde bin geblieben:
Sein bin ich - und fühl die Schlingen,
die mich im Kampf darniederziehn
und, mag ich fliehn,
mich doch zu seinem Dienste zwingen.

Ich will dich kennen, Unbekannter,
du tief in meine Seele Greifender,
mein Leben wie ein Sturm Durchschweifender,
du Unfaßbarer, mir Verwandter!
Ich will dich kennen, selbst dir dienen.

Friedrich Nietzsche, 1864

Reisender Offline



Beiträge: 4.058

28.05.2016 10:55
#16 RE: Voltaire und die Religion antworten

Zitat von Gysi im Beitrag #14

Zitat von Reisender
Man müßte einfach einen allgemeinen Konsens finden für den Begriff des Atheismus.
Man müsste vor allen eine gemeinsame Definition des Gottesbegriffs haben, um zu verstehen, dass ich Spinoza - zumindest nach meinem Verständnis - eher für einen Atheisten halte. Er nannte sich selber nicht so, ich weiß. Aber was im 17. Jahrhundert von Spinoza "Gott" genannt wurde, ist nach zumindest meiner Begriffsdefinition Gottes eben nicht ein Gott! Aber Meister Reklov hält an den Worten fest, die ihm gefallen...

Es geht um die Begriffsdefinitionen. Deshalb fragte ich auch danach, ob Voltaire überhaupt mit einer solchen (Definition des Gottesbegriffs) arbeitete.



Jede Gottesdefinition ist eine menschliche Projektion aus Raum und Zeit und damit wohl Aberglaube,
genau dies bekämpft Voltaire ja.

Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 17.191

28.05.2016 11:30
#17 Voltaire und die Religion antworten

Zitat von Reisender
ede Gottesdefinition ist eine menschliche Projektion aus Raum und Zeit und damit wohl Aberglaube,
genau dies bekämpft Voltaire ja.

Wo sagt Voltaire das?

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"Ich bin vom Glauben zum Wissen konvertiert!" (Hamed Abdel-Samad)

Reisender Offline



Beiträge: 4.058

28.05.2016 11:58
#18 RE: Voltaire und die Religion antworten

......Wir besitzen also keine angemessene Vorstellung von der Gottheit, wir bewegen uns mühsam von einer
Vermutung zur nächsten, von einer Wahrscheinlichkeit zur anderen und gelangen nicht wirklich zu Gewissheiten.
Doch immerhin; der Philosoph, der Gott anerkennt, hat eine Fülle von Wahrscheinlichkeiten für sich, die der Gewissheit
gleich kommt. denn die Philosophie lehrt uns, dass die Welt von einem unbegreiflichen, ewigen und durch sich selbst
bestehenden Wesen eingerichtet sein muss. (Voltaire)

SOL demiurg Offline




Beiträge: 733

28.05.2016 12:22
#19 RE: Voltaire und die Religion antworten

Zitat von Reisender im Beitrag #13
danach ist Bewusstsein (Geist) eine zelluläre Funktion der Materie.
Ich glaube, dass der Urgrund unseres Seins für uns unbegreiflich und unerkennbar ist,
da er Raum und Zeit übersteigt.


Hallo Reisender
da hast du etwas angesprochen was mir ins Auge gefallen ist, und was ich versuche näher zu bringen.

Die zelluläre Funktion der Materie, unser aller "Bausteine"(Gysi!), beinhaltet im "übertragenden" Sinne unser Bewusstsein, oder das was wir als Bewusst-Sein definieren.
Da der Streitpunkt aber genau darin liegt, ob dieser Mikrokosmos "bewusstes Leben" beinhaltet, und der makrokosmische Mensch sich diesem "überlegen" sieht, im Sinne von drüber stehen und auch im Sinne von darüber nachdenken "können", wird er den "Zellen" diese bewusste Funktion (fast) immer "streitig" machen. Aber auch nur, weil es aus menschlicher Sicht betrachtet wird und "von Beginn an" nicht als bewusst wahrgenommen wird und auch wahrgenommen werden kann.

Dies ist natürlich, im ersten Moment, unbegreiflich, weil nicht wirklich nachvollziehbar, aber "unerkennbar" ist es nicht.

Bei dieser Suche wird auch immer auf "GOTT" bezogen, also es wird immer "zum Höchsten" gegriffen, welches aber (leider) für uns unbegreiflich bleiben wird.

Sich aber auf raum- und zeitlos "auszuruhen", bringt die Erkenntnis darüber nicht weiter. Diese Begriffe sagen nicht viel aus wenn man nicht gewillt ist solche mit "Gedanken und Träume" zu verbinden und diese "Lossagung" dem Bewusst-Sein der Funktion, den Zellen, der Materie - den Evolutionsweg - abspricht.

Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 17.191

28.05.2016 12:37
#20 Voltaire und die Religion antworten

Zitat von Reisender
.....Wir besitzen also keine angemessene Vorstellung von der Gottheit, wir bewegen uns mühsam von einer Vermutung zur nächsten, von einer Wahrscheinlichkeit zur anderen und gelangen nicht wirklich zu Gewissheiten.

Damit bekämpft Voltaire nicht die Gottesdefinition, er vermisst sie! Stellt aber Gott trotzdem nicht infrage. Es ist wie bei Spinoza: Die (seelen- und willenlose) Substanz ist auch gleich Gott! Wie Spinoza lehnt er das Christentum und (den Islam) ab. Wie Spinoza ist er damit Deist. Gott ist nach den Deisten etwas, was nicht persönlich ist, nicht fassbar, nicht wirkend, nicht erfahrbar - aber irgendwie muss doch irgendwas die Existenz angestoßen haben! Und dieses Etwas nennen sie "Gott". Aber - wo wir immer mit Begriffen arbeiten, brauchen wir Begriffsdefinitionen! Spinoza hatte seine "Substanz" definiert. Aber von Voltaire kenne ich (noch?) keine solche.

Zitat von Friedrich Nietzsche, ECCE HOMO
„Ich kenne den Atheismus durchaus nicht als Ergebnis, noch weniger als Ereignis, er versteht sich bei mir aus Instinkt.“

Noch was zu Nietzsche. Nietzsche bezeichnete sich selber als einen "Instinkt-Atheisten". Er hatte den Atheismus nie begründet, er setzte ihn einfach voraus. Woher du dieses Gedicht von ihm hast, weiß ich nicht. Ich weiß nur, dass die Nietzsche-Kenner, die ich kenne, allesamt Nietzsche als einen Atheisten bezeichnen.

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"Ich bin vom Glauben zum Wissen konvertiert!" (Hamed Abdel-Samad)

SOL demiurg Offline




Beiträge: 733

28.05.2016 13:09
#21 RE: Voltaire und die Religion antworten

Zitat von Gysi im Beitrag #20
Damit bekämpft Voltaire nicht die Gottesdefinition, er vermisst sie! Stellt aber Gott trotzdem nicht infrage. Es ist wie bei Spinoza: Die (seelen- und willenlose) Substanz ist auch gleich Gott!

Seelen und Willelos, sind ja Begriffe, die vom Menschen definiert wurde und so auch nur dessen Berechtigung finden. Die abrahamitischen Religionen(Gläubigen) heben "ihren" Gott aber als menschliche Sinnbetrachtung ins Leben.
Warum sollte aber "Gott" sich um die Belange eines "jammernden" Menschen kümmern, dessen eniziges Ziel es scheint selbst wie "sein" Gott zu sein? Da er ihn nicht versteht, wird er immer menschliche Züge hineindeuten oder aber ihm "alles" absprechen!

Es fehlt aber der Gedanke dazwischen, also das was Voltair "vermisst"! Willenlos kann ja "Gott" nicht sein, denn erst durch den Willen des Lebens wurde ja alles möglich. Ebenso dem Seelenlosen, auch das ist nicht richtig, denn aller Leben liegt eine "Lebensenergie" inne, die wahrgenommen werden kann - durch erkennen (können)!

Ich finde aber, das unsere Sinne durch (menschliche) Definitionen überreizt wurden und diese sich bis in die Jetztzeit immer mehr häufen.

Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 17.191

28.05.2016 13:35
#22 Voltaire und die Religion antworten

Zitat von SOL demiurg
Willenlos kann ja "Gott" nicht sein, denn erst durch den Willen des Lebens wurde ja alles möglich.

Also ist Gott der Schöpfer allen Lebens! Da gibt es immer noch einen "missing link" (ich meine nicht den zweischen Mensch und Affe! Sondern -) zwischen den kosmischen Kräften und der Evolution, und - schwupp! - wird dieser Platz des Unwissens von den Gläubigen für Gott beansprucht! Gott lebt in der Dunkelheit der Unkenntnis. Da wo das Licht der Erkenntnis auch immer hinkam - da ist Gott verschwunden! Du kannst darauf vertrauen, dass, wenn dieser "missing link" eines Tages gefunden wird, die Menschheit auch diesmal nicht in das Antlitz Gottes schaut - sondern auf irgendwelche materielle Stoffe und physikalische Umstände als die Grundvoraussetzungen für das Leben...

Zitat
Ich finde aber, das unsere Sinne durch (menschliche) Definitionen überreizt wurden und diese sich bis in die Jetztzeit immer mehr häufen.

Nee, wir überreizen unser Bemühen um Verständnis für unsere Mitmenschen, indem wir die Notwendigkeit gemeinsam abgestimmter Begriffsinhalte verhöhnen! Wir können nicht über Jahre und Jahrzehnte und Jahrhunderte (über die Generationen) Unsinn reden! Daran wird man in der Tat verrückt! Mit klarer Rede (und klaren Begriffsinhalten) ist die Kommunikation aber ein GENUSS!

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"Ich bin vom Glauben zum Wissen konvertiert!" (Hamed Abdel-Samad)

SOL demiurg Offline




Beiträge: 733

28.05.2016 15:17
#23 RE: Voltaire und die Religion antworten

Zitat von Gysi im Beitrag #22
Gott lebt in der Dunkelheit der Unkenntnis. Du kannst darauf vertrauen, dass, wenn dieser "missing link" eines Tages gefunden wird, die Menschheit auch diesmal nicht in das Antlitz Gottes schaut - sondern auf irgendwelche materielle Stoffe und physikalische Umstände als die Grundvoraussetzungen für das Leben...


Rose, oh reiner Widerspruch, Lust,
Niemandes Schlaf zu sein unter soviel Lidern.


Zitat von Gysi im Beitrag #20
Und dieses Etwas nennen sie "Gott". Aber - wo wir immer mit Begriffen arbeiten, brauchen wir Begriffsdefinitionen!


Der Mensch wertet das Leben ab, er macht es wertlos durch seine eigene Willkür.
Wieso sollte "Etwas", was außerhalb menschlicher Vorstellungskraft ist, durch menschlichen Regeln verstanden werden können?

Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 17.191

28.05.2016 17:24
#24 Voltaire und die Religion antworten

Zitat von SOL demiurg
Rose, oh reiner Widerspruch, Lust,
Niemandes Schlaf zu sein unter soviel Lidern.

Du verstehst das Allegorische nicht. Und wie die erste biologische Zelle auf der Erde entstanden ist, wissen wir in der Tat noch nicht.

Zitat
Wieso sollte "Etwas", was außerhalb menschlicher Vorstellungskraft ist, durch menschlichen Regeln verstanden werden können?

Du kannst es "Gott" nennen. Das ist aber falsch. Denn "Gott" ist nicht definiert als etwas, was wir nicht verstehen, sondern als ein Wesen, das allmächtig ist, die Menschen auf dem Schirm hat, sie belohnt oder bestraft für das, was sie auf Erden tun oder für deren Verhalten zu ihm. Das, was wir nicht verstehen, begreifen, einordnen können, ist etwas, was wir nicht verstehen, begreifen und einorden können! Ist das wirklich sooo schweeeer zu verstehen???

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Perquestavolta Offline



Beiträge: 4.236

28.05.2016 19:15
#25 RE: Voltaire und die Religion antworten

Zitat von SOL demiurg im Beitrag #23


Der Mensch wertet das Leben ab, er macht es wertlos durch seine eigene Willkür.

Der Mensch ist über Jahrhunterttausende hinweg immer selbst Spielball des Unvorhersehbaren gewesen, welches mit dem Leben, wie mit allem tut was es will. Die Behauptung dass der Mensch das Leben durch eigene Willkür abwerte und wertlos mache, ist schon von daher einfach nur Nonsens, weil auch die Menscheitsgeschte eine ganz andere Realität zeigt.
Wo immer des Menschen Willkür das Leben am brutalsten abwertet, ist fast immer der Glaube an das Wirken höherer Mächte mit im Spiel. "Kreuzritter, Inquisition, Holocaust, gewaltsame Konvertierung und von Heiden und Ungläubigen zum "wahren Gottesglauben". Die Selbstmord-Märtyrer des Islam handeln nicht willkürlich, sondern in der Überzeugung, dass sie ihr Leben für die Durchsetzung einer "höheren Gerechtigkeit" auf Erden Opfern, in dem sie all jene Menschen töten, die sich dieser höhere Gerechtigkeit nicht unterwerfen...



Zitat von SOL demiurg im Beitrag #23

Wieso sollte "Etwas", was außerhalb menschlicher Vorstellungskraft ist, durch menschlichen Regeln verstanden werden können?


Diese Logik ist nichts weiter als sophistische Dummheit und zeigt auch ganz deutlich worin der Fehler dieser überaus lächerlichen und selbstkritiklosen Logik besteht.


Drehen wir dazu deine Frage mal um! Woher sollte der Mensch überhaupt eine Ahnung von etwas haben, das es außerhalb und jenseits seiner Vorstellungskraft gibt, wenn das was es da geben soll, nicht er es nicht zuerst nach den Regeln seiner (fehlenden) Vorstellungskraft mit Eigenschaften bemisst?

Daraus leitet sich dann auch schon die viel einfachere Frage ab, wie man dann überhaupt noch auf etwas schließen kann, das außerhalb dieser menschlichen Vorstellungskraft als "ETWAS" Reales existiert, wenn dieses nicht zuerst nach "menschlichen" Regeln erdacht wurde?

Diese menschlichen Regeln nach denen dieses "ETWAS" erdacht wurde/wird, sind ebenso primitiv einfach wie naiv egozentrisch und für unsere Zeit auch noch narzisstisch überheblich.
Nur weil wir uns nicht "vorstellen" können, dass etwas sein kann, was nicht geschaffen wurde, stellen wir uns einen "Schöpfer" vor, der mit unseren Regeln nicht verstanden werden kann.... aber natürlich all jene Eigenschaften hat, wie immer und ewig, allmächtig und allwissend, allgütig und die reine Liebe selbst sein muss.

Und der eigentliche und einzige Grund, warum er nach menschlichen Regeln nicht verstanden werden kann, ist der, dass wir in dem was wir Schöpfung nennen, nirgends etwas von diesen Eigenschaften wirklich vorfinden.. Denn tatsächlich ist alles Schöne in der Natur nur unsere eigene geschmackliche Bewertung und nicht selten steckt dahinter auch noch eine tückische Falle..

Wer glaubt der muss auch zweifeln können.
Wer im Glauben nicht zweifelt, ist entweder ein Kind oder ein Idiot.

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"Ich bin völlig anderer Meinung als Sie. Aber ich werde mein Leben dafür einsetzen,
dass Sie sie sagen dürfen!" (Voltaire)

"Habe den Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!" (Immanuel Kant)

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