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Dieses Thema hat 58 Antworten
und wurde 2.329 mal aufgerufen
 Philosophie und Wissenschaft
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Reklov Offline




Beiträge: 5.923

10.10.2016 11:28
#51 RE: Leere aus wissenschaftlicher Sicht Antworten

Zitat
Außerdem gehe ich vor der Existenz der Ewigkeit aus. Und in diesem Ewigen ist auch alles Endliche ewig.

Gysi,

... das ist immerhin ein tröstlicher Gedanke, der da in Dir Platz genommen hat, Platz finden konnte.

Gruß von Reklov

Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 19.049

10.10.2016 17:16
#52 Leere aus wissenschaftlicher Sicht Antworten

Zitat von Reklov
.. das ist immerhin ein tröstlicher Gedanke, der da in Dir Platz genommen hat, Platz finden konnte.

Und das mit dem Instrument der (für MENSCHEN überschaubaren) Logik. Was so alles geht.

_____________________________________________
"Ich bin vom Glauben zum Wissen konvertiert!" (Hamed Abdel-Samad)

Perquestavolta ( gelöscht )
Beiträge:

10.10.2016 22:11
#53 RE: Leere aus wissenschaftlicher Sicht Antworten

Zitat von Wu im Beitrag #50


Was du als Demokratie beschreibst, klingt mir eher nach Sozialdarwinismus als nach Demokratie.


Warum eher? Der Solzialdarwinismus ist die esoterische Interpretation der Evolutionstheorie und ich bin kein Esoteriker, sondern Realist.
Demokratie ist keine Heile Welt, sondern eine Art gegenseitiges "in-Schach-halten" vieler rivalisierender "Menschen-WolfsRudel). In einer funktionierenden Demokratie geht es zu wie in einem gut durchwachsenen Mischwald. Sozialdarwinismus ist etwas anderes. Im Sozialdarwinismus geht es um die Hierarchie von WERTvorstellungen und deren Über-IDEALISIERUNG, wie auch die Idealisierung des Perfektionismus.

Der Sozialdarwinist versteht die Evolutionstheorie als Plan mit einem "heheren" Ziel. Deswegen sind Esoterikforen voll mit Zozialdarwinisten.. Rechtsradikalität und Esoterik sind im höchstem Maße mit einander verwandt. Zwar muss nicht jeder Esoteriker ein Rechter sein, aber Ausnahmen bestätigen auch hier nur die Regel!


Zitat von Wu im Beitrag #50

Das Gesellschaftssystem scheint mir eh nur so eine äußere Hülle zu sein. Für die Art meines Lebens spielt es nur eine beschränkte Rolle, solange es in gemäßigten Bahnen verläuft.
Also bist du in Wirklichkeit nur ein Opportunist!

Zitat von Wu im Beitrag #50

Für ein gutes Leben ist mir Meditation wichtiger als Kampf.

Dann solltest du vielleicht mal probieren, ob du es alleine mehrere Wochen schaffst, allein und nur auf Dich gestellt, in einer abgelegenen Wildnis zu überleben.

Zitat von Wu im Beitrag #50

Ich arbeite mit Behinderten. Klar ist es da auch wichtig, klare Grenzen zu setzen und manchmal auch hart durchzugreifen.

Wenn du nur in einem Tierheim arbeiten würdest, müsstest du auch immer wieder klare Grenzen setzen und öfter mal hart durchgreifen.. Wenn du in einem Produktions- oder Dienstleistungsunternehmen arbeiten würdest, wäre es genau so.


Zitat von Wu im Beitrag #50

Es gibt ja auch in der Arbeit miteinander (unter Kollegen) verschiedene Modelle. In der Diakonie werden z.B. oft Kollektive auseinandergerissen, wenn sie zu harmonisch miteinander arbeiten. Dadurch wird dann viel Energie im "Kampf" des Personals gebunden. Wir haben dagegen ein recht harmonisch funktionierendes Team, und die Kraft kann in die Arbeit mit den Bewohnern gesteckt werden.
Genau das ist Demokratie. Unterschiedliche Interessensziele vieler Gruppierungen -(Rudel/Teams), die sich alle gegenseitig in Schach halten und so dafür sorgen, dass das notwendige Gleichgewichtsverhältnis zwischen Gut und Böse immer schön in der Balance bleibt. Die Guten sind auch nicht immer die Besten!! Deswegen funktionieren "monistische" Idealgesellschaften auch nie! Faulheit, Trägheit, Opportunismus.. Idealisierung des Perfektionismus ..


[quote="Wu"|p3203003
Zitat von Wu im Beitrag #50

Letztlich verbraucht ein Gegeneinander viel Energie und Ressourcen.
Im Gegenteil! Überlebenskampf, Rivalität und Ausgleichsstrategien sind der Motor unserer
Kreativität und Produktivität. Alle unsere technologisch und zivilisatorisch wichtigsten Errungenschaften, sind das Ergebnis von Konfliktbewältigunsmaßnahmen.
Wenn wir verstanden haben, dass wir keine Guten, sondern im besten aller Fälle nur bequeme Opportunisten sind, dann werden wir wirklich in eine höher Bewusstseinsebene aufsteigen. Wenn wir aufhören den Perfektionismus zu idealisieren und uns einzureden, einreden zu lassen, dass wir das geplante Ergebnis eines hereren Gottes-Zieles sind (narzisstische Befindlichkeit) und statt dessen, akzeptieren, dass wir nur Glück hatten, dann werden wir uns in unserer Würde als Menschen begreifen, die wir für dieses Glück auch Verantwortung über das übernehmen müssen, was man Leben im allgemeinen nennt und das weit über jede Idealisierung des Humanismus hinaus geht.


Zitat von Wu im Beitrag #50

Zum zweitem zu dem alten Hut "Religion ist Opium für das Volk (oder Opium des Volkes). Das mag zu Marxes zeiten (obwohl der Spruch ja von einem englischen Pfarrer stammt) ja stimmen, aber heutzutage ist das Opium des Volkes Crystal Meth, Helene Fischer, Computerspiele, Selfies und Pegida.
Volksdrogen sind schon seit den Anfängen der Menschheit immer das beste Geschäftsmodell überhaupt. Früher gab es nur Religion, oder 6 Tage hart Arbeiten.

Zitat von Wu im Beitrag #50

Meditation ist für mich das Gegenteil von Opium, nämlich das sich aussetzen mit der puren Wirklichkeit.


Ich erwähnte das mit der abgelegenen Wildnis schon.. Ich habe Meditation und Wildnis getestet... Sonst würde ich hier nicht in diesem Ton reden.

Meditation/Esoterik/narzisstisches Selbstverliebtsein.. ausblendende von rationalen Fakten.. Oder? Religion und Esoterik als Fortsetzung der Rangordnungskämpfe auf den Hirschglände und bei den Hammelzäunen auf der Weide--

seneca Offline

religiöser Atheist


Beiträge: 706

27.10.2016 10:08
#54 RE: Leere aus wissenschaftlicher Sicht Antworten

Leere aus wissenschaftlicher Sicht ist das Vakuumen. Interessanter ist die Leere aus philosophischer Sicht.

Vor einiger Zeit kam mir die Erkenntnis in den Sinn. Dieser thread gibt mir die Gelegenheit, sie bekannt zu geben. Die LEERE ist (für mich) einer der zentralen philosophischen Begriffe. Thomas von Aquin beschäftige sich mit der Frage, weshalb etwas ist und nicht vielmer nichts ist (oder so). Er beschäftigte sich bekanntlich mit Gott, mit der Bibel, aber v.a. mit Aristoteles.

Die Leere ist eigentlich das Nichts, aber ich finde den Begriff Leere verständlicher. Das Hauptwerk von Jean-Paul Sartre heisst "Das Sein und das Nichts" (L'ètre et le Néant). Es steht noch ungelesen in meinem Bücherschrank. Ich werde es demnächst lesen, wenn ich Zeit habe. Ich denke, man muss den nicht sagendenden Ausdruck Nichts durch LEERE übersetzen. Der Gegensatz zur Leere ist das Sein, womit wir bei der Ontologie wären.

Die condition humaine (ebenfalls ein zentraler philosophischer Begriff für mich) ist, dass der Mensch ständig von der Leere bedroht ist. Er wird ungefragt in eine für ihn unbekannte Welt geworfen, die er (begrifflich) in sich aufnehmen muss. Deshalb ist der Mensch in der Kindheit so offen, alles ist für ihn neu, und die Jahre vergehen langsam, weil es viele Eindrücke gibt (Schopenhauer). Zudem muss sichder Mensch im Leben selber er-finden, verwirklichen, zu dem was er ist oder sein soll. Das ist Existenzialismus pur, das hat aber Nietzsche schon gesagt. In der Kindheit/Jugend ist der Mensch mehr erkennend und schaffend - im Alter mehr betrachtend und reflektierend (dies nur ganz kurz aus Schopenhauer: Vom Unterschiede der Lebensalter).

Der Charakter, die Wesensart des Menschen ist nach Schopenhauer unveränderlich. Er stehe seit ca. dem 7 Jahr fest. Das habe ich immer angezweifelt bis ich bei ihm gelesen habe: Nur das Temperament verändert sich mit dem Älterwerden. Das scheint mir einleuchtend. Abgesehen davon, kann es aber Wesensveränderungen im Alter oder durch Krankheit geben (Imbezillität = Demenz).

Als (metaphysischen) Begriff möchte ich statt Gott den Daimon/Genius einführen, mit dem ich mich schon lange geistig beschäftige. Der Mensch ist nach Schopenhauer bekanntlich ein animal metaphysicum und es kommen ihm immer solche Dinge in den Sinn. Der Daimon/Genius ist der persönliche Schutz-Geist (wenn man so will) des Menschen, der ihn ein Leben lang begleitet und mit seinem Tod untergeht. Auf lateinisch heisst er Genius, womit dem Wortsinn nach ursprünglich die Zeugungskraft des Mannes gemeint ist. Das Wort Genie (Schöpfungskraft) geht auch darauf zurück. Für Sokrates ist der Daimon das Gewissen, er hält ihn von bestimmten Taten ab. Der Daimon/Genius ist aber vielmehr als das. Er ist der innere Wesenskern des Menschen, der Person, ebenso das Zentrum für Kraft und Mut. Auch Frauen haben einen Daimon/Genia. Vielleicht noch mehr als die Männer. Manchmal ist er stärker, manchmal schwächer ausgeprägt. Man könnte auch Seele (anima oder animus) sagen, aber der Begriff Seele ist m.E. falsch, d.h. religiös, besetzt und missverständlich. Der grosse Irrtum , den die Theistem meines Erachtens haben, ist, dass sie ihren persönlichen Daimon/Genius mit Gott verwechseln. Gott, falls es ihn gibt, ist aber nicht erkennbar.
Möchte noch erwähnen, dass meine Ideen, die ich aus verschiedenen Quellen, die ich nicht alle angeben kann, übernommen habe, philosophische Spekulationen und demzufolge unwissenschaftlich sind. Jede/r mag sich selber seine Gedanken dazu machen.

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RELIGION IST HEILBAR! (Buch von J. Hochstrasser, Ex-Priester) Die einzige Entschuldigung Gottes ist, dass er nicht existiert (Stendhal).
Denken ist eine Anstrengung; Glaube ein Komfort (Ludwig Marcuse).
Philosophie ist, über die Welt und das Leben der Menschen nachzudenken (Schopenhauer).
Ich würde nur an einen Gott glauben, der zu tanzen verstünde (Nietzsche, Zarathustra).

Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 19.049

28.10.2016 09:25
#55 Leere aus wissenschaftlicher Sicht Antworten

Zitat von Seneca
Der grosse Irrtum , den die Theistem meines Erachtens haben, ist, dass sie ihren persönlichen Daimon/Genius mit Gott verwechseln.

So ist es. Gott ist die Liebe, die Gerechtigkeit - alles was der Mensch braucht und was ihm guttut. Nach unserem Bilde. Er spricht über unsere Träume... Schon auffällig, wie identisch dieser Gott mit dem menschlichen Willen ist... Gott ist das schizophrenierte Unterbewusstsein. Sehr unlogisch wird der Gläubige, wenn er den Sieg seines Fußballvereins von Gott erfleht. Ist dieser Gott denn nicht auch der Erfüllungsgehilfe der gegnerischen Mannschaft?

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"Ich bin vom Glauben zum Wissen konvertiert!" (Hamed Abdel-Samad)

Direktkontakt Offline



Beiträge: 842

28.10.2016 13:33
#56 RE: Leere aus wissenschaftlicher Sicht Antworten

Liebt Gott alle "Fußballvereine", die seinen Beistand erflehen?

Die Tabellenplatz ändert sich dann ggf. so wohl nicht.
Selbst nach dem berüchtigten Elfmeterschießen müsste es dann immer noch ein 0:0 in Ewigkeit bleiben.

Die Soldaten der deutschen Wehrmacht vertrauten in Stalingrad dem aufgeprägten Schriftzug "Gott mit uns" auf ihren Koppelschlössern.
Inwieweit die im kommunistischen Verständnis von "Religion" erzogenen Rotarmisten noch dem griechisch-orthodoxen Gott vertrauten, ist mir nicht bekannt.
Wie die historische Schlacht ausging, können wir in den mehr oder weniger objektiven Geschichtsbüchern nachlesen.

seneca Offline

religiöser Atheist


Beiträge: 706

28.10.2016 17:48
#57 RE: Leere aus wissenschaftlicher Sicht Antworten



Die Soldaten in der von A.H. adhoc ernannten "Festung Stalingrad" vertrauten nicht auf das "Gott mit uns" (das ist eher eine Aufforderung) auf dem Gurtschloss sondern fanden Trost in der Madonna von Stalingrad, (eine Art Muttergotthei)t, die ein Soldat mit Kohle gezeichnet hatte. Schon die "alten" Agypter hatten Isis und Osiris.
Dies zeigt, dass man mit einer abstrakten Gottesvorstellung (jede/r hat wenn überhaupt eine andere) wenig bis nichss anfangen kann. Deshalb ist für mich das "Heidentum" z.B. der Hinduismus viel nachvollziehbarer, wenn auch das Narrativ äusserst kompliziert sehr widersprüchlich ist, z.B. zur Göttin Kali, die für verschiedene Prinzipien steht.
Die vielen Bilder der Madonna und von Kali zeigen: jede/r der will, kann einen Gott oder eine Göttin zeichnen oder malen, und jede/r Theist hat sein eigenes Gottesbild in sich.

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Ich würde nur an einen Gott glauben, der zu tanzen verstünde (Nietzsche, Zarathustra).

Perquestavolta ( gelöscht )
Beiträge:

28.10.2016 21:30
#58 RE: Leere aus wissenschaftlicher Sicht Antworten

Zitat von seneca im Beitrag #57
Theist hat sein eigenes Gottesbild in sich.



So sehe ich das auch. Der Theist erschafft sich Gott im Sinne seiner Interessen, seiner Wünsche und seiner zu erwartenden Vorteile. Götter brauchen zudem immer projizierte Gegenspieler die böse sein "müssen". Deswegen ist das Ergebnis jeder Religion letztendlich immer Leidenschaft, Hass und Gegenhass. Gott ist die leidenschaftlich Liebe des Egozentrikers. Liebe ist aber Verantwortung in der Erkenntnis um die eigen Würde als Mensch vor dem Menschen selbst und nicht von der Idealisierung einer unsichtbaren allem übergeordenten Allmacht; Liebe ist der Wille, den Feind immer zuerst als Menschen und nicht als Rivalen oder Gegner einzuschätzen. Liebe bleibt realistisch und vermeidet Idealisierungen, denn Idealisierungen bedürfen immer der Selbsttäuschung durch ignorieren von Fakten, welche ästhetisch nicht ins schöne Bild der Idealisierung passen.

Perquestavolta ( gelöscht )
Beiträge:

28.10.2016 21:43
#59 RE: Leere aus wissenschaftlicher Sicht Antworten

Und für alle Theisten:

Götter und ihrer Eigenschaften, sind eine Vereinbarung zwischen Menschen. Wer behauptet, dass die Gesetze eines solch ver-ein-barten Gottes immer über dem Mensch stehen, sollte mal zuerst mal darüber nachdenken, dass die Gesetze Gottes auch vom Menschen selbst erdacht worden sein können und in unserer heutige Zeit niemand mehr wegen vorehelichem Sex gesteinigt werden muss..

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