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Religionsforum
Atheismus vs. Religionen  

Der substanzielle  Dialog
 
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Dieses Thema hat 10 Antworten
und wurde 451 mal aufgerufen
 Polytheistische Urreligionen
Desperado ( gelöscht )
Beiträge:

14.02.2017 17:26
Red Jacket antworten


Red Jacket


Auf unfruchtbaren Boden gefallen und hinab gesunken auf den tiefen Grund des Ontario See ist die große Rede Sagoyewatha’s alias Red Jacket, Häuptling der Seneca und Mitglied des Wolfsklans, von Achtzehnzwanzig, in der er dem Presbyterianer Missionar Joseph Cram eine Absage erteilt, als dieser am Buffalo Creek die ich weiß nicht wievielte Missionsstation errichten will. „Der sie wach hält“ bedeutet sein indianischer Name, so wie das Geheul der Wölfe des Nachts die Seneca um den Schlaf bringt, und so wie Wölfe es zu tun pflegen, heult er Worte voller Kraft und Weisheit.

„Freund und Bruder! Höre unsere Rede.

Es gab eine Zeit, in der diese große Insel unseren Vorvätern gehörte. Ihr Land erstreckte sich von der aufgehenden bis zur untergehenden Sonne. Der große Geist hat es für die Indianer gemacht damit sie es nutzen. Er hat den Büffel, den Hirsch und andere Tiere als Nahrung geschaffen. Er schuf den Bären und den Wolf, und ihre Felle dienten uns als Kleidung. Er hat sie über das ganze Land verstreut und uns gelehrt, sie zu jagen. Er sorgte dafür, dass die Erde Mais hervorbringt, um Brot zu backen. All das hat er für seine roten Kinder getan, weil er sie liebte.

Aber ein schlimmer Tag brach für uns an. Der weiße Mann hat unser Land entdeckt. Die Kunde davon wurde über das Meer getragen und immer mehr kamen zu uns. Aber wir fürchteten sie nicht. Wir hielten sie für Freunde, sie nannten uns Brüder. Ihre Zahl wurde immer größer, sie wollten mehr Land, sie wollten unser Land. So wurden uns die Augen geöffnet, unser Geist wurde unruhig, es gab Krieg. Die Weißen waren stark und mächtig und haben Tausende getötet.

Einst waren unsere Länder groß und eure sehr klein, jetzt seid ihr ein großes Volk geworden, und wir haben kaum noch einen Platz, an dem wir unsere Decken ausbreiten können.

Bruder!

Du sagst, es gibt nur einen einzigen Weg, den großen Geist zu verehren und ihm zu dienen. Wenn es nur eine Religion gibt, warum seid ihr Weißen so häufig uneins darüber? Warum seid ihr nicht einig, wo ihr doch alle das Buch lesen könnt? Ich verstehe das alles nicht.

Auch wir haben eine Religion, die einst unseren Vorvätern gegeben wurde und von diesen an uns, ihre Kinder, überliefert wurde. Unsere Religion lehrt uns, dankbar für alle Gunst zu sein, die wir erhalten haben, einander zu lieben und Einigkeit zu bewahren. Wir streiten niemals über Religion.

Der große Geist hat uns alle erschaffen, und doch hat er einen großen Unterschied gemacht zwischen seinen weißen und roten Kindern, warum sollten wir daraus nicht schließen, dass er uns auch eine unterschiedliche Religion gab, die unserem Verständnis entspricht? Der große Geist handelt gerecht, er weiß, was das Beste ist für seine Kinder. Wir sind zufrieden.

Wir wollen eure Religion nicht zerstören oder sie euch wegnehmen, wir wollen uns nur an unserer eigenen erfreuen.“

Offenbar zu viel verlangt.

Der Animismus ist die Mutter aller Religionen. Die Idee einer beseelten, meist mütterlichen Natur und der Gedanke an einen großen Geist, der alle Lebewesen und Dinge, die da sind, lebendig macht und beseelt, hat keine Mühe, alle späteren Gottesgedanken in sich aufzunehmen wie die alte Erde neuen Regen. Sei es nun die christliche Lehre, die mit den Missionaren übers Meer geschifft kam, die der Wüstenvölker des siebenarmigen Leuchters oder des Halbmondes, oder die des ochsenreitenden Bettelweisen, der in sich ruhenden orangefarbenen Mönche und der Hüter der heiligen Kühe am heiligen Strom, von deren geheimnisvollen Welten mir der alte Chinese recht farbenfroh und anschaulich erzählt hat, all diese neueren Betrachtungsweisen sind letztendlich aus dem Animismus hervorgegangen.

Undank ist der Welten Lohn, kaum waren die Erneuerer dem fruchtbaren Boden ihrer Urgroßeltern entwachsen, verkündeten sie lauthals, wir brauchen euch und euren Aberglauben nicht mehr, die mütterliche Erde ist eine große Ackerfläche, ihr Gestein ist toter Baustein, sämtliche Natur und allesamt Rohstoffe sind keine guten Geister sondern zum Ausbeuten und Plündern da, Luft ist nichts als leerer Windhauch und Wasser ohne eigenes Leben, ja selbst die Geschwister Tiere haben keine Seele, für einen aufrechten Christenmenschen nicht einmal die Indianer.

Anfangs hatten die animistischen Stämme des Nordostens keinerlei Probleme mit der neuen Glaubenslehre, die ihnen zum Beispiel die Herrnhuter Missionare übers große Wasser herüberbrachten. Toleranten Wesens und aufgeschlossenen Sinnes, wie er ihnen eigen ist, war die Bibel in ihren Augen tatsächlich ein von Gott geschenktes Buch für seine weißen Kinder, die es ja offensichtlich lesen konnten, folgerichtig sollten diese versuchen, es nachzuleben und daran festzuhalten, wenn es ihnen von Gott befohlen sei und für sie bestimmt.

Den Indianern und Kindern des Waldes aber hat Gott ihre Jagdgründe und Zeremonien gegeben.

„Wir haben gehört, dass eure Religion in einem Buch aufgeschrieben ist. Wenn dieses Buch für uns ebenso bestimmt wäre wie für euch, warum hat der große Geist es uns nicht gegeben, und warum hat er die Kenntnis dieses Buches nicht schon unseren Vorvätern gegeben und sie gelehrt, es richtig zu verstehen?“

Bald mussten die Stämme erkennen, dass ein friedvolles Nebeneinander verschiedener Glaubensauffassungen eine recht einseitige Angelegenheit darstellte und von den andersgläubigen Weißen durchaus nicht so vorgesehen war, ja deren eigentlichem Vorhaben entgegenstand und sich mit ihrem aufdringlichen Ansinnen als unvereinbar erwies, wie Red Jacket weiter recht nüchtern feststellt, wenn er ein paar durchaus berechtigte Zweifel anmeldet.

„Bruder, du sagst, man hat dich gesandt, um uns zu lehren, wie man den großen Geist nach seinen Wünschen verehren soll, und wenn wir die Religion des weißen Mannes nicht übernehmen, wären wir für alle Zeiten unglücklich. Du sagst, dass du recht hast und wir verloren sind. Wie sollen wir wissen, ob das wahr ist? Wir wissen nur, was du uns darüber sagst, wie sollen wir wissen, wann wir euch glauben sollen, wo wir so oft von den Weißen betrogen worden sind?“

Die Schlussfolgerung zumindest einer radikalen Minderheit war die, dass Indianer und Weiße nicht desselben Ursprungs sein können und getrennt voneinander erschaffen worden sein müssen, und da sie ihre Religion zunehmend von der des weißen Mannes bedroht und verfolgt sahen, reagierten sie ihrerseits mit der Warnung, dessen Sitten und Gebräuche zu übernehmen und sich gemäß seiner Religion zu verhalten, weil dieses den Zorn ihres Schöpfers auf sie ziehen und sie der Vernichtung preisgeben würde.

„Der große Geist hat uns alle erschaffen, aber er hat zwischen seinen weißen und roten Kindern einen großen Unterschied gemacht; er hat uns eine andere Hautfarbe und andere Gebräuche gegeben; euch hat er besondere Kunstfertigkeiten gegeben, für die er unsere Augen nicht geöffnet hat; wir wissen, dass dies die Wahrheit ist.“

Der fortschreitenden Zersetzung und Unterwanderung durch die vermeintlichen Nachbarn begegneten wiederum noch Weitsichtigere mit wachsendem Misstrauen, der erzürnte Schöpfer würde ihnen ihr Land wegnehmen, ihre Freiheit und ihre Gewohnheiten, auch ihr Gold und ihr Silber, je mehr sie sich deren Gepflogenheiten anpassen würden, wie etwa der des Whiskeytrinkens, das eine Erfindung der Weißen sei, ebenso die eingeführten Wucherzinsen, die sie als ein Übel brandmarkten, das es in ihrer Welt nicht gegeben habe und welches ursprünglich bei ihrem Volk nicht bekannt gewesen sei, sondern von den Weißen zu ihnen gebracht worden.

„Du sagst, du bist nicht gekommen, um unser Land und unser Geld zu nehmen, sondern um unseren Geist zu erleuchten. Ich will dir aber sagen, dass ich bei euren Versammlungen gewesen bin und gesehen habe, wie dabei Geld gesammelt wurde, ich weiß nicht, wofür dieses Geld bestimmt war, aber ich vermute, es war für euren Priester. Und sollten wir uns eurer Denkweise anschließen, vielleicht verlangst du dann Geld von uns. Ihr habt unser Land bekommen, aber ihr seid nicht zufrieden, ihr wollt uns eure Religion aufzwingen.“

Die Habgier ist in der Tat eine ansteckende Seuche und todbringende Krankheit schlimmer als die Pocken, weil sie nicht den Leib, sondern die Seele frisst. Und dennoch - wie gutgläubig und selbstkritisch scheint dieses Aufbegehren doch angesichts der kompromisslosen Gewalt, mit der den Algonquin im Laufe wachsender Zuwanderung Lebensweise, Lebensraum und Leben geraubt wurde.

„Deine Vorväter überquerten das große Wasser und landeten auf dieser Insel“, wie der Seneca und begnadete Redner sich erinnert, „ihre Zahl war klein. Sie fanden Freunde und keine Feinde. Sie erzählten uns, dass sie aus Furcht vor bösen Menschen aus ihrem Land geflüchtet und hierher gekommen wären. Wir hatten Mitleid mit ihnen, gewährten ihnen ihre Bitte, und sie ließen sich unter uns nieder. Wir gaben ihnen Mais und Fleisch, sie gaben uns Gift dafür.“

Als nach den katholischen Spaniern und ihrer Schreckensherrschaft die Glaubensflüchtlinge reformierter Freikirchen in den Osten geströmt kamen, hofften die geplagten Algonquinvölker naiv und gutgläubig, dass die Neuankömmlinge als Verfolgte mehr Verständnis aufbringen würden für Not und Belange der Ureinwohner als ihre katholischen Vorgänger, sehen sich jedoch nicht nur bitterlich enttäuscht sondern eines Besseren belehrt, deren Fanatismus in Glaubensfragen erscheint mitunter sogar noch unversöhnlicher.

„Endlich wurde ihre Zahl immer größer, sie wollten mehr Land, sie wollten unser Land. So wurden uns die Augen geöffnet und unser Geist wurde unruhig. Es gab Kriege. Indianer wurden bezahlt, um gegen Indianer zu kämpfen, und viele unserer Leute wurden getötet. Sie brachten uns harte Getränke, sie waren stark und mächtig und haben Tausende getötet.“

Ein weiteres Mal wird Martin Luthers eigentliches Ansinnen ins Gegenteil verkehrt und der große Reformator bitterlich betrogen, von Puritanern, Calvinisten, Methodisten, Baptisten - oder wie die Glaubenskrieger alle heißen mögen - missbraucht, mir fehlt da wirklich der nötige Überblick. Der rote Heide jedenfalls bleibt selbst noch als Bekehrter ein primitiver Untermensch, muss mitnichten als Nächster betrachtet und deshalb auch nicht so behandelt werden, wie die Bibel es ursprünglich lehrt, zumindest in ihrem jüngsten Abschnitt, wozu in drei Teufels Namen hat der kämpferische Magister sie wohl übersetzt?

„Bruder, wir haben gehört, dass du vor den weißen Leuten in dieser Gegend predigst. Diese Leute sind unsere Nachbarn, wir kennen sie. Wir werden eine kleine Weile abwarten und sehen, welche Wirkung deine Predigten auf sie haben. Wenn wir feststellen, dass sie ihnen gut tun, sie ehrlich machen und weniger geneigt, die Indianer zu betrügen, dann werden wir noch einmal bedenken, was du uns gesagt hast. Der große Geist möge dich auf deiner Reise beschützen und du sicher zu deinen Freunden heimkehren.“

Wie aber soll eine Predigt einen weißen Menschen bessern, der sich von Gott daselbst als sein Abbild geschaffen fühlt, als auserwähltes Volk und dem roten Wilden überlegene Rasse?


Buchauszug: Ga'an Desperado - Der Federhut (Suchprogramm, auch unter "Wanderer")

Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 16.671

14.02.2017 17:54
#2 Red Jacket antworten

Das ist das Problem des Monotheismus. Er ist - im Gegensatz zu der Naturreligion der amerikanischen Ureinwohner - eine Gesetzesreligion. Wer auf ihrer Seite ist, hat - recht! Die Juden sind "das auserwählte Volk", die Christen müssen "in alle Welt hinausgehen", um von ihrer Religion zu künden - und sie diktieren! Und die Moslems... na, die haben das säkulare Fegefeuer der Aufklärung noch nicht erlebt, und ich glaube auch nicht, dass der Islam sowas überstehen könnte wie damals das Christentum.

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"Ich bin vom Glauben zum Wissen konvertiert!" (Hamed Abdel-Samad)

Desperado ( gelöscht )
Beiträge:

15.02.2017 08:24
#3 RE: Red Jacket antworten

Hallo Gysi,

die Krux mit den Schriftreligionen. Lass mich Dir mit einem weiterem Buchauszug antworten, ist das Einfachste.


Der Mohammedaner

„Allah ist groß“, sagte mal ein tiefgläubiger Turkey zu mir.

„Hm“, sag ich, „ungefähr einen Meter achtzig, das war am Anfang unsrer Zeitrechnung hochgewachsen“.

Hat dem Mann nicht besonders geschmeckt, meine lakonische Antwort, Gott ist nur Einer, will er betont wissen, mag ja sein, geb ich ihm zu bedenken, aber einer mit vielen Gesichtern, um es mal so zu sagen.

Alles, was ich über die Mohammedaner weiß, hat mir der Pilgrim erzählt, ansonsten sind sie bei Amerikanern in etwa gleichbedeutend mit Korsaren, sprich überaus grausamen arabischen Piraten, die unzählige Schiffe der Europäer kaperten, deren Besatzungen entweder niedermachten oder in die Sklaverei verschleppten, und auch vor amerikanischen Handelsschiffen nicht Halt machten, weil, wie einer ihrer abgedrehten Sultanos einem sprachlosen Jefferson auf Nachfrage erklärte, das so in ihrem Koran geschrieben stehe, in dem Allah ihnen den ausdrücklichen Befehl erteilt habe, alle Ungläubigen zu bekriegen, töten oder zu Sklaven zu machen. Die konsternierten Amerikaner, denen derlei abartige Geisteshaltung selbstredend völlig fremd war, gaben in der Folge Unsummen aus, um europäische und amerikanische Sklaven freizukaufen, was ihnen von vielen Historikern bis heute aufs Heftigste als überflüssiges Einlenken vorgeworfen wird. Obwohl es den blutjungen Vereinigten Staaten nebenher gelang, durch einige wagemutige Seemanöver einzelner Draufgänger und deren Belagerung nordafrikanisch orientalischer Hafenstädte die Korsaren wenigstens von ihren Schiffen fernzuhalten für alle Zeit, sind diese Zeitgenossen der festen Überzeugung, die gesamte Flotte hätte damals ihre militärischen Vorstöße massiv fortsetzen und erweitern müssen, um die stete Bedrohung durch die islamischen Kalifate ein für alle Mal und gänzlich aus der Welt zu schaffen, was die europäischen Kaiser vormals verabsäumt hätten, Goldenes Zeitalter her und Kreuzzüge hin. Dazu kann ich nichts sagen, weil mir diese völlig fremde Welt irgendwo jenseits der alten offen gestanden am Sattelbogen vorbeigeht, ich weiß nur, dass ich auf so einen herrschsüchtigen und überheblichen Gott getrost und gerne verzichten kann und auf seine Gläubigen nicht minder, auf alle Fälle mal auf deren geistliche Oberhäupter und Führer von Allahs Gnaden, da könnte ja Jeder kommen, wer hat sich diesen Unsinn nur wieder ausgedacht?

Im Haus des Pilgrims kommt es denn auch zu der denkwürdigen Begegnung mit einem dieser Anhänger Mohammeds, weil der Jerusalem-Reisende regelmäßig von Männern ihres Glaubens heimgesucht wird, da sie ihn als gelehrten und aufgeschlossenen Mann schätzen und ehren, was er ohne Zweifel ist. Der Gute versucht demnach auch ständig zu vermitteln zwischen seinen doch recht unterschiedlichen Gästen, es geht insbesondere um den christlichen Sonntag, den jüdischen Sabbat und ums moslemische Freitagsgebet, „na ja“, mein ich, „am besten alle drei hintereinander, ruhen kann man nie genug“, der Mohammed Jünger ist da nämlich ein wenig empfindlich, was die schnurstracks aus dem Himmelreich empfangenen Botschaften des Propheten betrifft, vor allem, als ich einfließen lasse, dass „der Gabriel schon mal einen Text ablässt, wenn ihm danach ist, und weil er sich eben gerne reden hört wie alle seiner Gattung, achtet er da nicht immer so genau drauf, ob und wie sich das Alles stimmig zusammenfügt im Sinne des großen Häuptlings, als dessen Botschafter er unterwegs ist. Ein großer Engelsfürst mag er ja sein, aber grade deshalb geht’s ihm manchmal auch ein bisschen wie seinem ehemaligen Kumpel Luzifer, er hält sich vielleicht nicht gerade für den Herrgott, aber immerhin für nur ein paar Zentimeter drunter, dem kann auch schon mal der Gaul durchgehen, wenn er richtig in Fahrt gekommen ist, dann wird er zum Haudrauf wie der Michael mit seinem Flammenschwert, wenn's zur Sache geht, sind sich der Friedenshäuptling und der Kriegshäuptling erstaunlich einig“.

Da wurde der Streiter für Allah gleich richtig zornig und ungehalten, woher ich als Ungläubiger mir das Recht nähme, hier schamlos zu lästern, es sei eine Beleidigung für seine Ohren, sich derlei ungehörige Rede anhören zu müssen, poltert der seltsame Vogel los, aber das tu ich doch gar nicht, mein ich verblüfft, der Gabriel ist schon okay, alles in allem eher so der sanftmütige Typ, das sei doch nicht böse gemeint oder respektlos und er möchte bitte mal wieder runterkommen. Vielleicht habe den Engelfürsten die Sache mit der Kreuzigung auch ein wenig überfordert, ist er doch mehr so der Überbringer froher Botschaften wie Geburt und dergleichen, und da hat er sich gedacht, da gründe ich einfach eine eigene Religion, in der ich meine Patrouillen in keinen Ölberggarten beordern muss, um den mit der Todesangst Ringenden zu stärken, dem ich als Säugling das Leben gerettet habe. Am Liebsten mag er nichts mehr davon hören und wünscht sich, das Alles hätte nie stattgefunden.

"Bei den schnaubend rennenden Rossen mit Hufen funkenschlagend, bei den morgens Einstürmenden, die Staubwolken aufwirbeln und in der Schar Mitte dringen, auch die Häuptlinge der Präriestämme lieben ihre Völker und führen sie mit Weisheit“, versuche ich den Eiferer zu beschwichtigen, „sie haben die besten Pferde und mehrere Frauen, ihr Wort ist wegweisend und hat Gewicht, außerdem sind sie große Kämpfer vor dem Herrn genau wie der eure, und wenn die Medizinmänner und -frauen der indianischen Wüstenvölker lesen hätten können und schreiben, hätten sie locker einen Koran hinbekommen, so ein heiliges Buch eben, wo drin steht, was der Große Geist, um ihn mal in diesem Namen zusammenzufassen, ihnen da alles gesagt hat und an Weisung erteilt, da wäre im Nu ein Verhaltenskodex zusammen, allemal umfassend genug, um eine Weltreligion stiften zu können damit. Die Araber und Muselmanen, ihr Muslims eben hattet ganz einfach den Vorteil, die Schrift schon erfunden zu haben, so wie die Juden und die Christen auch, sind ja auch alle eng verwandt miteinander, aber wenn du erst mal ein Buch hast, kannst du dann immer sagen, hier steht's schwarz auf weiß geschrieben und Amen.

Das hatten die Indianer einfach nicht nötig, bevor der weiße Mann kam mit seiner Bibel, die wussten auch so bestens Bescheid und waren dadurch sehr viel beweglicher in Glaubensfragen, weil noch kein toter Buchstabe in Stein gemeißelt hatte, was für sie lebendig ist von Anbeginn an, stetig am Wachsen und dabei, sich unaufhörlich zu verändern. Ich will jetzt gar nicht abstreiten, dass auch niedergeschriebene Worte lebendig sein können, aber jeder kann sie so verstehen, wie es ihm grade passt und letztlich damit anstellen, was seinem Wollen entgegen kommt und ihm gefällt. Was mit dem gesprochenen Wort nicht so einfach ist, weil da derjenige, der es spricht, lebendig vor einem steht und nicht mit Einspruch und Erwiderung spart, wenn's denn geboten ist, weil er sich verständlicher Weise richtig verstanden wissen will. Und diese Freiheit hat das geschriebene Wort nun mal nicht mehr, es ist der Willkür und dem Gutdünken der Menschen ohnmächtig ausgeliefert, bei genauer Betrachtung macht jeder damit, was er will und alle haben selbstredend Recht.“

Was nun wiederum dem Pilgrim nicht besonders zu munden scheint, der da zu den Bibelfesten gehört, und flugs habe ich einen Christen und einen Muslim gegen mich, das nenn ich mal eine Verbrüderung, nun, man tut, was man kann.

„Bei den Mexicanos hab ich mal gesehen“, fahre ich unbekümmert fort, „wie einer dieser armen Ochsen an der Brunnenwinde, die daran festgezurrt immerzu im Kreis laufen, von irgendwas erschreckt wurde und einen Luftsprung hinlegte, der ihn prompt in den Brunnen beförderte. Da hing er nun an der Stange, bis zur Hälfte im Wasser, brüllte um sein armseliges Leben und gab einen ziemlich kläglichen Anblick ab. Die Männer - das Missgeschick geschah an einem heiligen Sonntag - schickten ihre Frauen und Kinder allein in die Kirche und holten das hilflose Vieh mit vereinten Kräften da raus, und wenn schon nicht aus Tierliebe, dann deshalb, weil sie es brauchten, und die frommen Bohnenbauern hatten keinerlei Gewissensbisse, am Tag des Herrn zu schuften und schwitzen wie ein Ochse.

So lange ich denken kann, hab ich mich an den Feldern der Pima und Hopi bedient, und keiner von ihnen störte sich je daran, kaum aber hatten die Weißen sie aus ihrem Land vertrieben und ihre eigenen Felder hingeklatscht, musste ich höllisch aufpassen, nicht für ein paar Maiskolben abgeknallt zu werden, das mit dem brüderlichen Teilen scheint irgendwie nicht so recht durchgedrungen zu sein zu den christlichen Plantagenbesitzern. Sonntags nun um die Zeit ihrer Gottesdienste ist von den bewaffneten Wachposten so gut wie nichts zu sehen, wann bitte also soll ich meinen Hunger sonst stillen, wenn nicht genau um diese Stunde? Well, ich könnte Schränke füllen mit den wunderschönen Klamotten, die mir diese Heiden von Indianern geschenkt haben aus purer Freigiebigkeit, aber frag mal einen gottesfürchtigen Farmer, ob er eine abgetragene Jacke für dich übrig hat, die er nicht mehr braucht... ich meine, es ist leicht zu sagen, den besseren Glauben zu haben und den einzig richtigen, aber wenn ich nicht danach lebe, sollte ich besser den Schnabel halten und Gott aus dem Spiel lassen.“

Dazu fällt den Beiden offenbar nichts Rechtes ein, so betreten wie sie dreinschauen.

„In den Reservationen“, füg ich noch hinten dran, „würden die Leute Jesus zu Füßen liegen für ein paar Brote und Fische, dazu bräuchte es nicht einmal eine wunderbare Vermehrung, und ob er nun Eins achtzig war, weiß niemand, weil's keiner aufgeschrieben hat, war ihnen wohl nicht wichtig genug, aber Hunger hat er gekannt und Durst, eiskalte Nächte und stechende Hitze, alles, was ein Mensch eben so kennt und worauf er liebend gern verzichten würde, und genau das ist es, was ihn groß macht. Was will ich auch mit einem Gott, der derlei nur vom Hörensagen kennt und verständnislos dabei zusieht, weil er's nicht am eigenen Leibe erfahren hat? Der kann meinetwegen gern in seinem Himmel bleiben und hat mir nichts zu sagen, was gäb's da auch groß aufzuschreiben außer 'Ich bin allmächtig und ihr seid arme Würstchen, also macht gefälligst, was ich euch sage', da kann ich getrost drauf verzichten. Mitreden kann er erst, seit da etwas mächtig in seinen Eingeweiden rumort hat und ihn den Drang hat verspüren lassen, aus Steinen Brot zu machen. Seit er weiß, dass der Mensch zwar nicht vom Brot allein lebt, aber sein tägliches braucht, um überhaupt an was anderes denken und sich mit was anderem beschäftigen zu können. Und wenn ich heute Hunger habe, wird der bis morgen bestimmt nicht kleiner, Buchstaben machen einen nun mal nicht satt und das Einhalten von Geboten genau so wenig. Jesus hat das begriffen.“

„Weil du's ansprichst, Desperado“, meint der Pilgrim nach einer kleinen Pause, „was darf ich euch anbieten?“

Na also, geht doch.



Liebe Grüße
Desperado

Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 16.671

15.02.2017 09:41
#4 Red Jacket antworten

Zitat von Desperado
die Krux mit den Schriftreligionen. Lass mich Dir mit einem weiterem Buchauszug antworten, ist das Einfachste.

Nein, das ist nicht "das Einfachste"! Jedenfalls nicht für mich, dem Mitdiskutanten! Ich bitte dich darum, mir einfach normal und nicht so ausladend zu antworten. Das hier ist doch keine Leseveranstaltung, in der du der Autor bist und ich der Zuhörer bin.

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Desperado ( gelöscht )
Beiträge:

15.02.2017 13:41
#5 RE: Red Jacket antworten

Naja, in der Geschichte ist aber alles gesagt, was ich von meiner Seite her zu sagen habe dazu: "Der Buchstabe tötet, der Geist ist es, der lebendig macht". Um es mal in biblische Worte zu kleiden. Das wirkliche Leben eben, und nicht die starre Beachtung von irgend Abstraktum und verpflichtender Exegese beliebiger Zitate und Verse und Stellen aus alten Büchern. Die Sachzwänge und Selbstverständlichkeiten, die sich aus der Bewältigung des Alltags ergeben, und meinetwegen gerne mit "heiligen" Büchern in Verbindung gebracht werden dürfen, aber eben nicht zwingend. Und vor allem nicht andersrum! So ist obiger Auszug gemeint. Und nunmehr "ausgelegt". Wie schon erwähnt, ich bin ein fauler Strick, weshalb ich gerne auf bereits Geschriebenes und Gespeichertes zurückgreife, das mir spontan einfällt zu einer bestimmten Rubrik oder Antwort darauf. In Zukunft werde ich den unmittelbaren Diskussionsstil selbstverständlich berücksichtigen und davon Abstand nehmen. Wenn ich zu müde oder beschäftigt bin - zum Beispiel mit lesen hier drin - eigens etwas auszuformulieren, sag ich erst mal Garnichts und antworte, wenn ich Zeit und Muse habe dazu. Ist ja kein Problem. Ich wollte wirklich niemanden überfahren damit. Wozu auch? Auf Manches komme ich gar nicht, bevor mich nicht jemand drauf hinweist. Ich bin brandneu hier und kenne die gängigen Umgangsformen deshalb nicht. Pardon.

Gysi Offline

Atheist


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15.02.2017 14:02
#6 Red Jacket antworten

Zitat von Desperado
Wie schon erwähnt, ich bin ein fauler Strick,

Ja, ich auch. Und weil wir alle so grottenelend faul und träge sind, müssen wir uns schon gegenseitig entgegenkommen...

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Desperado ( gelöscht )
Beiträge:

15.02.2017 17:21
#7 RE: Red Jacket antworten

Das wär auch der Fall, wenn wir fleißig wären. Und ich wollte wirklich nicht mit der Tür ins Haus fallen.

Ich hab mir nur anderswo schon die Finger bis auf die Knöchel getippt über das leidige Thema, meine Eisenhand-Prothese klappert offenbar ein wenig aufdringlich, threadfüllend betete ich den Leuten vor, dass tolerierte Intoleranz legitimierte Intoleranz bedeutet, dass es blanke Idiotie ist, einer Religion Religionsfreiheit zu gewähren, deren erklärtes Ziel die vollständige Abschaffung derselben ist, dass die Förderung der Ausbreitung islamischer Religionsideologie einer Zersetzung und Infiltrierung unserer freiheitlichen Demokratie gleichkommen muss bis zu deren Aufhebung, dass diese Systematik "friedlicher" Vorgehensweise allmählicher aber zielstrebiger Okkupation "ungläubiger" Nationen schwarz auf weiß nachzulesen ist im Koran... aber die Leute sind sich da keinerlei Schuld bewusst. Im Gegenteil, der Schuldige ist der, der die Dinge beim Namen nennt. Worin ich wiederum den Beweis erkenne, wie erschreckend weit die Islamisierung in den Köpfen bereits fortgeschritten ist. Ihre kruden und gleichsam fanatischen Nichtargumente kommen mir vor wie das Resultat unvergleichlich effektiver Gehirnwäsche kollektiver Dimension. Das selbstständige Denken wurde durch Plattitüden und Parolen ersetzt, die immun sind gegen jede noch so profunde Beweiskraft und sämtlichen Belegen zwingender Logik trotzen. Zeitlebens habe ich dergleichen nicht erlebt, kenne es nur von meiner Elterngeneration. Schöne neue Welt, sonst fällt mir nichts mehr ein dazu.

Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 16.671

15.02.2017 18:09
#8 Red Jacket antworten

Zitat von Desperado
Und ich wollte wirklich nicht mit der Tür ins Haus fallen.

Na, ist ja schon gut. Du gehörst erfreulicherweise nicht zu den Trotzköpfen, die auf ihr kritisiertes Kommunikationsformat bestehen...

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Desperado ( gelöscht )
Beiträge:

15.02.2017 18:48
#9 RE: Red Jacket antworten

Nein, tu ich nicht - und hatte auch nicht vor, hier alles zu zu texten. In meinem Buch ist Vieles zu finden über indianische Mythologie und ihre Glaubenswelten, wen's interessiert, der kann sich ja auf die Suche machen. Ist faszinierend, ungelogen.

Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 16.671

15.02.2017 18:58
#10 Red Jacket antworten

Du kannst ja unter "Externe Infos" unten im Perso-Bereich Werbung dafür machen.

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Desperado ( gelöscht )
Beiträge:

16.02.2017 08:24
#11 RE: Red Jacket antworten

Naja, Werbung... Buchtipp gefällt mir besser. Danke!

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