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Religionsforum
Atheismus vs. Religionen  


Der substanzielle  Dialog 

Für (echten) Säkularismus und freie Religionskritik!


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Dieses Thema hat 4 Antworten
und wurde 530 mal aufgerufen
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Desperado ( gelöscht )
Beiträge:

16.02.2017 07:45
Buchtipp: Der Federhut Antworten

Das endlose Meer breitet sich vor meinem inneren Auge aus, ich kann es rauschen hören und riechen, ein gewaltiger Riese schreitet durch seine Wogen wie durch einen seichten Tümpel. Das Wasser ist vollkommen klar, man kann bis auf den welligen Grund hinunter sehen, doch nirgendwo ist auch nur eine Spur von Leben zu entdecken. Der Gigant beugt sich hinunter, greift in den Grund, lässt eine handvoll Schlamm und Sand durch seine Finger rieseln und tropfen und gähnt dabei herzhaft und ausgiebig.

Für einen Augenblick habe ich das Gefühl, im Körper des Riesen zu stecken, hoch wie ein Berg blicke ich hinunter auf die Schaumkronen der Wellenkämme, fast wird mir schwindelig, das Gefühl von überschauender Macht und himmelhoch ragender Größe ist berauschend und betäubend zugleich, dann wieder werde ich zum neugierigen kleinen Beobachter. Endlich beginnt der Mächtige aus der wabernden Masse einen Klumpen zu kneten und wirft ihn platschend ins Wasser zurück, und siehe da, der Batzen schwimmt, breitet sich aus und wird zu einer stattlichen Insel.

So geht das eine geraume Weile, jeder Begriff von Zeit ist mir völlig abhanden gekommen.

Ein nicht minder riesenhafter Kojote kommt angeschwommen, die Nase japsend über den Wasserspiegel gestreckt paddelt er daher mit strampelnden Vorderläufen und angelegten Ohren, bis er den Rand einer der Inseln erreicht, seine Pfoten über deren Ufer schiebt und sich aufrichtet zu menschenähnlicher Gestalt, während Wasserfälle aus seinem Fell strömen und Rinnen bilden auf der weichen Oberfläche des neugeborenen Festlandes. Das scheint dem Riesen zu gefallen, er vertieft die Rillen und zieht mit seinem Zeigefinger Ströme und Flüsse durch die Masse, andernorts steckt er seine geballte Faust hinein, bis Wasser sich gesammelt hat in der Vertiefung und bildet große Seen, aus den hoch gestülpten Rändern formt er Gebirgsstöcke und Kämme, bis eine kahle, aber abwechslungsreich harmonische und übersichtlich geordnete Landschaft darauf entstanden ist.

Zufrieden betrachtet der Meister sein Werk und wendet sich der nächsten Insel zu, kaum aber hat er dem Kojoten den Rücken zugewandt, der sein Schaffen mit heraushängender Zunge und aufmerksam funkelnden Augen beobachtet hat, klatscht dieser mit seinen Pfoten grob in das kunstvolle Modell, kratzt tiefe Risse und Furchen in die Ebenen, spaltet Gipfel und Gebirge, zieht tiefe unüberwindliche Gräben durch die Täler und bohrt mit seiner feuchten Nase klaffende Abgründe in die Senken, reißt große Brocken aus den sanften Ufern oder schiebt zerklüftete Wälle davor, schüttelt ausgiebig sein triefendes Fell über das Ganze, bringt Flüsse, Bäche und Seen zum Überlaufen, unterspült feingeschwungene Hügelkämme zu erstarrten Meereswogen und lässt Berge zu unförmigen Klumpen zusammensinken. Dann begutachtet der Meister sein Werk mutwilliger Zerstörung und ist seinerseits sichtlich zufrieden.

Zeitlos ewig geht das so, es gibt keine Zeit mehr.

Der Riese hat seine letzte Insel zu Ende gebracht. Als er sich ächzend streckt und umdreht, um sein Gesamtwerk in Ruhe zu genießen, sieht er zu seinem Schrecken die Überarbeitungen und Nachbesserungen des Kojoten, fasst sich an den Kopf, reißt die Augen auf und bläht die Backen. Doch je länger er das Ganze studiert, desto besser scheint es ihm zu gefallen, zuletzt zuckt er mit den Schultern und beginnt gedankenverloren Nacken und Hals des Kojoten zu kraulen, der sich schuldbewusst zu ihm aufschauend an seine Seite geschmiegt hat.

Ga'an Desperado - Der Federhut

Bei BookRix. Im Suchprogramm leicht zu finden.

http://www.bookrix.de/_ebook-ga-039-an-d...do-der-federhut

Auch als Vierteiler: Wüstensohn; Wanderer; Krieger; Ältester; ebenso im Suchprogramm.

Obgleich nicht als einziger Schwerpunkt ziehen sich Mythologie und Glaubenswelten der Indianer Nordamerikas und der "Zusammenprall" mit dem Christentum der europäischen Einwanderer durchs ganze Buch.

Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 19.029

16.02.2017 09:02
#2 Buchtipp: Der Federhut Antworten

Das Buch ist also von dir, das ist ja auch nicht uninteressant. Man kann es in jeder Buchhandlung kaufen? Wie teuer? Das Thema ist aber schon mal sehr interessant!

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"Ich bin vom Glauben zum Wissen konvertiert!" (Hamed Abdel-Samad)

Desperado ( gelöscht )
Beiträge:

16.02.2017 09:26
#3 RE: Buchtipp: Der Federhut Antworten

Buchhandlung? Träumen ist erlaubt.

Nein, ich habe eine ganze Schublade voll mit Verlagsangeboten und nicht unterschriebenen Verträgen, die zum Teil horrenden Eigenbeteiligungskosten... Doch weil ich insgesamt fünf Jahre dran geschrieben habe, ist mir mein Buch zu wertvoll geworden, um es auf dem Flohmarkt zu verhökern. Weshalb ich es zum kostenlosen Runterladen in ein dafür geeignetes Forum gestellt habe. In der Internet-freien Vorzeit, die den weitaus größten Teil meines Lebens ausmacht, wäre mir nicht einmal das möglich gewesen. So gesehen bin ich recht zufrieden mit dem "Kompromiss".

Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 19.029

16.02.2017 09:32
#4 RE: Buchtipp: Der Federhut Antworten

Also, ich hab mein "Der selbstbestimmte Mensch" (unten im Fußfeld verlinkt) einfach in eine Hompage reingebracht. Ein Forums-Format bei Xobor - kostet nix und geht auch. Das Entscheidende ist ja die Werbung - oder besser: die Info über die Existenz deiner Schrift. Ich werde mich mal näher da reinfuchsen.

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"Ich bin vom Glauben zum Wissen konvertiert!" (Hamed Abdel-Samad)

Desperado ( gelöscht )
Beiträge:

17.02.2017 09:01
#5 RE: Buchtipp: Der Federhut Antworten

Kleine Fährte...


„Über den Wäldern und hinter den Bergen, im Innern meines Herzens und jenseits der Sterne ist etwas, was mir unbegreiflich ist.“ Sagte mal der Sioux Ya-me zu mir, ich kann ihm nur beipflichten.

Viele Indianer wollen nichts mehr wissen vom Gott der Christen, und ich kann es ihnen wirklich nicht verübeln. Ich versuch auch gar nicht erst, ihnen klarzumachen, dass die Verbrechen des weißen Mannes mit seinem Gott nicht das Geringste zu tun haben, auch wenn er diese in seinem Namen begeht, ja dass er ihn schmählich verrät, indem er das tut. Andrerseits sehe ich keinen rechten Grund, weshalb ich mich für Gott ins Zeug legen soll. Wenn die Leute jeden dahergelaufenen Banditen einen Desperado nennen, weil sie blöd sind und falsch informiert, steh ich dem wehrlos gegenüber und muss er mir gefallen lassen, als die Spanier Abertausende von Indios massakrierten in seinem Namen unter dem Vorwand, einen heiligen Auftrag zu erfüllen, sie zu foltern, quälen und schinden zur Rettung ihrer Seelen nach der Losung „der Zweck heiligt die Mittel“, hätte Gott sich das nicht gefallen lassen müssen und etwas dagegen unternehmen können, da er das aber offensichtlich nicht für nötig hielt, soll er jetzt ruhig mal sehen, wie er die Kastanien aus dem Feuer bekommt. Ich misch mich da auch nicht ein, er weiß schließlich selbst am Besten, was er sich zumuten kann und will. Wenn es nur ein Bruchteil dessen ist, was er den Indianern zugemutet hat, dürfte das allemal reichen, den Rufmord der Christenmänner gelassen hinzunehmen.

„Zu diesen, von ihrem Schöpfer mit so reichen Gaben ausgestatteten Schafen kamen nun die Spanier. Sobald sie ihrer ansichtig wurden, fuhren sie wie reißende Wölfe unter sie, und in den vierzig Jahren, die sie unter den Indianern weilten, haben sie nichts anderes getan, als diese Schäflein zu erwürgen, zu zerreißen, in Angst zu versetzen, zu schinden, zu martern und auf allerlei gewalttätige Weise auszurotten.“

Die Kathedralen von Cholula und San Cristobal de las Casas sind Wunderwerke der sakralen Baukunst, daran besteht nicht der geringste Zweifel, ihre ornamentale Pracht kann jedoch nicht über das wirkliche Erbe hinwegtäuschen, das die Spanier in Wahrheit in Mexiko hinterlassen haben. Bereits rund sechzig Jahre nach der Entdeckung der Neuen Welt konstatierte Pedro de Cieza de Leon nüchtern: „Wo immer Christen vorbeigezogen sind, erobernd, entdeckend, scheint es, als sei ein Feuer durchgeschritten und hätte alles verzehrt“, doch keiner bringt es besser auf den Punkt als der ehemalige Plantagenbesitzer und zum Dominikanermönch bekehrte Bartolomé de Las Casas in seinem schonungslosen Fazit über seine missionarische Tätigkeit, das der „Vater der Indios“ gegen Ende seines Lebens zieht.

„Ich hinterlasse in diesem Westindien Jesus Christus, unsern Gott nicht einmal, sondern tausendfach gegeißelt und gepeinigt, geschlagen und gekreuzigt, wie es durch die Spanier geschieht, die jene Völker niederwerfen und zerstören. Ich glaube, dass Gott um dieser ruchlosen, rasenden und schändlichen Taten willen, die auf so ungerechte, tyrannische und barbarische Weise unter den Indianern und gegen sie begangen wurden, seinen bebenden Zorn über Spanien hereinbrechen lassen wird; denn ganz Spanien hat mehr oder minder an den blutigen Reichtümern des Raubes und der widerrechtlichen Aneignung, an so vielen Gräueln und an so viel Vernichtung teilgehabt. In den siebzig Jahren, seit das skandalöse Berauben, Töten, Auslöschen jener Völker begonnen, hat man bis heute weder erkannt noch angemahnt, dass so viele Massaker und schließlich so umfassende Verheerungen und Entvölkerungen Sünde und schwerste Ungerechtigkeiten gewesen sind.“

Auf diese überwältigende Weise also kam es aus dem Süden über die heidnischen Indianervölker des Südwestens hereingebrochen, das Christentum im katholischen Kleide, die Frage, ob es im protestantischen Rock weniger überzeugend daherkommen würde, in dem es keine hundert Jahre später aus dem Nordosten Einzug hielt, war eindeutig beantwortet, noch ehe sie gestellt werden konnte.

„Bevor wir an diesem Tag vor Anker gingen, hielt man es für angebracht, eine Vereinigung zu bilden und eine Vereinbarung einzugehen, nämlich uns zu einem einzigen Körper zusammenzuschließen und der Regierung und den Leitern zu unterstellen, deren Einrichtung und Wahl wir unter allgemeiner Zustimmung vereinbaren wollten, und uns an das zu machen, was Wort für Wort hier folgt.“

Die Mayflower befindet sich nach entbehrungsreicher Überfahrt auf hoher See und segelt vor der Küste der Neuen Welt, als die Pilgerväter sich bemüßigt sehen, noch an Bord einen Vertrag zu schließen, der den Presbyterianern eine eigene Regierung garantiert, ehe die von der englischen Krone verfolgten Kongregationalisten amerikanischen Boden betreten.

„Im Namen Gottes, Amen. Wir haben zur Ehre Gottes und zur Ausbreitung des christlichen Glaubens eine Fahrt unternommen, um die erste Kolonie in den nördlichen Teilen von Virginia zu gründen. Und wir kommen hiermit feierlich und wechselseitig, vor Gottes Angesicht und voreinander, überein und vereinigen uns selbst zu einem bürgerlichen politischen Körper; zur besseren Ordnung unter uns und zu Schutz und Förderung der obengenannten Absichten; und kraft dieses wollen wir von Zeit zu Zeit verordnen, errichten und einrichten rechte und billige Gesetze, Verfügungen, Erlasse, Einrichtungen und Ämter, wie es uns am zuträglichsten und zweckmäßigsten für das allgemeine Wohl der Kolonie erscheint.“

Klingt auf den ersten Blick ganz brauchbar, doch von Anfang an sollten die alttestamentarisch bibelfesten Puritaner unmissverständlich deutlich machen, was genau sie denn da meinen mit zuträglicher Zweckmäßigkeit bezüglich der hinderlich im Wege stehenden „Kanaaniter und Edomiter“ sprich Indianer, die es von den Auserwählten bei der Eroberung Kanaans, das infolge eines unwesentlichen Irrtums in Virginia umbenannt wurde, mit Feuer und Schwert sprich Stumpf und Stiel auszurotten gilt, was ja nur recht und billig ist für das allgemeine Wohl ihrer Kolonie. Es gibt nur ein paar wenige unter ihren Köpfen und in ihren Reihen, die es verdienen, Christen genannt zu werden, nämlich John Eliot und die Familie der Mayhews, die sich den ansässigen Pequot immerhin mit Bekehrungsversuchen annähern und sich tatsächlich die Mühe machen, die Bibel in die Sprache der Algonquin zu übersetzen.

William Penn hat inzwischen das von George Fox in England gegründete Quäkertum übers große Wasser ins nach ihm benannte Pennsylvania gebracht, dessen hehres Ziel nichts Geringeres ist als eine friedvolle und tolerante Gesellschaft, da der gütige Gott nach Vorstellung der „Zitterer“ in allen Menschen ein „inneres Licht“ entzünden könne, zumindest bei den Puritanern scheint der Allmächtige bei der Verwirklichung dieses Ideals vor eine unlösbare Aufgabe gestellt zu sein. Die von Eliot gegründeten „betenden Städte“, neben der erfolgreichen Christianisierung zugleich Stätten der Bildung, die den in ihrer Existenz bedrohten Stämmen - um den Preis des Bruches mit ihrer Tradition - wenigstens ein vorläufiges Überleben gewährleistet hatten, werden im King Philip's Krieg Opfer der landhungrigen Puritaner, die der Gründlichkeit halber zusammen mit den Aufständischen auch gleich noch die missionierten „betenden“ Pequot niedermetzeln oder einfach elendiglich verhungern lassen.

„Je mehr Wilde, desto besser die Gegend, je mehr Christen, desto schlimmer die Gegend“ bemerkte seinerzeit Thomas Morton, ebenfalls einer der legendären Pilgerväter, der Freundschaft pflegte mit den benachbarten Massachusetts, sie zu Festen in seine Kolonie einlud und sich so den Hass der übrigen Pilger zuzog. Unter der Anklage, eine „Schule des Atheismus“ zu betreiben, wurde er schließlich auf Anordnung des Gouverneurs aus Plymouth deportiert.

„Einmal sagte mir mein Vater“, erzählte mir mal ein Apache, „ich solle zu einem Berg laufen. Ich bin drei Tage lang durch die Wüste gelaufen. Mein Mund war trocken und ausgedörrt und die Zunge war von Durst geschwollen. Da stieß ich auf eine Quelle frischen Wassers, das über Felsen in den Bergen herabsprudelte. Ich wollte mich in die Quelle stürzen und das Wasser trinken, nur damit mein Mund schnellstens das Gefühl des Durstes verliere. Aber ich habe es nicht getan. Ich habe mich daneben hingelegt. Ich berührte mit den Lippen das Wasser und spürte seine Kühle. Dann nahm ich einen kleinen Schluck Wasser, fühlte es in meinem Mund und in meinem Denken plätschern, und mein Geist empfand die Süße. Ich habe die Zeit nicht nachgemessen. Wie lange war ich wohl dort? Ich weiß es nicht, vielleicht eine ganze Jahreszeit, vielleicht einen Augenblick - vielleicht zehn Jahreszeiten? Aber ich habe die Zeit nicht nachgemessen, dies wird immer in meinem Geist sein. Und ich dachte mir, ein Mann könne auch neben dieser Quelle geboren sein und hier neben dieser Quelle sein Leben fristen, und sein Geist würde doch niemals das wissen, was meiner jetzt weiß. Vielleicht würde er seinen Geist dies niemals fühlen lassen, auch wenn er hundert Jahre neben dieser Quelle lebte.“

Ein Tropfen Ewigkeit ist unendlich viel mehr als aller Fluss und Strom vergänglichen Lebens.


http://www.bookrix.de/_ebook-ga-039-an-desperado-Aeltester

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"Ich bin völlig anderer Meinung als Sie. Aber ich werde mein Leben dafür einsetzen,
dass Sie sie sagen dürfen!" (Voltaire)

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=> "Die Ewigkeit gibt es ohne Gott!"

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