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Religionsforum
Atheismus vs. Religionen  


Der substanzielle  Dialog 

Für (echten) Säkularismus und freie Religionskritik!

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Dieses Thema hat 11 Antworten
und wurde 433 mal aufgerufen
 Lagerhalle
Desperado ( gelöscht )
Beiträge:

17.02.2017 07:39
Kein Glauben? antworten


Kein Glauben?


„Der weiße Mann geht in sein Kirchengebäude und redet über Jesus, der Indianer aber geht in sein Tipi und redet mit Jesus.“

So bringt es Quanah Parker auf den Punkt. Wenn man sich's mal so überlegt... die einen sagen so, die andern so und wieder andere wieder anders, alle berufen sich dabei auf ein und denselben Gott, und bei denen, die sich auf Jesus berufen, ist es um keinen Deut besser. Nun gut, die Mennoniten können nicht mit den Baptisten, weil diese das Verbot, auf irgendwas einen Schwur zu leisten, missachten und den Militärdienst nicht ablehnen, was ich nun ganz gut nachvollziehen kann. Mir ist nichts bekannt, dass in den Evangelien irgendwas vom brüderlichen Umgang mit Waffen geschrieben steht, auch seh ich keinen rechten Grund, auf eine Verfassung zu schwören, in der es heißt „zur Bekräftigung dieser Erklärung, in festem Vertrauen auf den Schutz der göttlichen Vorsehung, verpfänden wir uns gegenseitig unser Leben, unser Gut und unsere heilige Ehre“, weil mein Leben samt Ehre verpfändet ist und keinen Pfifferling mehr wert in dem Augenblick, in dem ich mir die Erfüllung der „gegenseitigen Pflicht“ vor Augen führe „christliche Milde, Liebe und Barmherzigkeit aneinander zu üben“ hinsichtlich der indianischen Mitmenschen, die da ganz offenkundig nicht zu diesem Einander gehören zu scheinen, aber was sich da sonst an Gründen tummelt in den Reihen der Christen, die eine Trennung zwingend und eine Vereinigung unmöglich, ja „ewigen“ Zank erforderlich machen, übersteigt offen gestanden meinen bescheidenen Horizont.

Um das geistige Schlachtfeld um eine weitere feindliche Truppeneinheit zu bereichern, gibt’s nun auch noch Diejenigen, die sagen, dass Gott eine bloße Erfindung der Menschen sei, sicher, die gab's wohl immer schon, aber neuerdings haben sie einen großen Gelehrten und Philosophen in der alten Welt auf ihrer Seite, einen gewissen Ludwig Feuerbach, der ihrer rein gedanklichen Erfindung mit dem nötigen Erguss an hochtrabenden Wortgebilden einen wissenschaftlichen Anstrich verpasst. Sind zwar auch nur reine Vermutungen, was der Mann so von sich gibt, was auch sonst, klingen aber immerhin sehr schlüssig und überzeugend. „Der Wunsch ist der Ursprung, ist das Wesen selbst der Religion“, der Vater des Gedankens gewissermaßen, tja, bleibt nur die Frage offen, welcher Wunsch sich hinter dem seinen verbirgt. Der Mann wünscht sich ganz offensichtlich, dass es keinen Gott gibt, warum auch immer, das darf er ja auch gerne meinetwegen, wenn er denn meint, damit glücklich zu werden, nur leider und wie bei Seinesgleichen üblich will er die Welt und nichts darunter erleuchten mit seiner befreienden Lehre, weshalb ihm das aber nun alle andern gleichtun sollen, diese Antwort bleibt er schuldig, muss er ja auch, weil's keine gibt. Wenn ich mir andrerseits so bewusst mache, was schon alles begangen wurde an namenlosen Verbrechen im Namen Gottes und mit dem Anspruch der Erfüllung seines heiligen Auftrags, kann ich mir gut denken, dass Gott selbst Leute wie diesen gebildeten Kopf erfunden hat, weniger, um die Menschen sich selbst zu überlassen, wie sie's zweifelsohne verdienen, sondern vielmehr, um nicht mehr mit ihren Abscheulichkeiten in Verbindung gebracht werden zu können, die sie mit oder ohne ihn begehen ohne Unterlass. Da kann sich der Allerhöchste dann immerhin auf den gescheiten Firebrook berufen und zu seiner Verteidigung anführen: „Leute, ich hab nichts zu tun mit alledem, mich gibt es doch gar nicht, ich bin nur eine Erfindung, ihr selbst habt mich erfunden“. Nur fürchte ich, dass Gott sich vor seinen Menschenkindern weder wird verteidigen müssen noch für irgendwas rechtfertigen, außer vielleicht dafür, dass er sie in die Welt gesetzt sprich erschaffen hat. Das war ein schwerwiegender und verhängnisvoller Fehler, ohne jeden Zweifel.

Hier endlich
sind wir frei; hier baute der Allmächtige nicht;
hier wird sein Neid uns nicht verjagen.
Es herrscht sich unbedrängt, und mir will scheinen,
zu herrschen ist ein wertes Ziel, sei's in der Hölle:
Lieber Herrscher doch im Schwefelpfuhl
als auf den Knien im Himmel.

Mancher nennt alles crap, was mit Glauben zu tun hat, und ob er's nun tut, weil er ein schlechtes Gewissen hat, schlauer sein will als alle andern oder einfach nur zu faul ist, über seinen Tellerrand hinauszusehen, um seinen muffigen Hirnkasten mal ein wenig durchzulüften und seinen engstirnigen Horizont zu erweitern, sei dahingestellt. Wieso bitte soll denn irgendetwas besser werden, weil es keinen Glauben mehr gibt? Wenn der Mensch keinen Gott mehr hat, auf den er sich berufen kann, um seine Verbrechen zu rechtfertigen, dann sucht er sich eben irgend etwas anderes, das ist der einzige Unterschied, das Ergebnis bleibt dasselbe. Besser wird mit Sicherheit nichts, wenn er an keinen Gott mehr glauben will, soviel steht fest, weil der Mensch dadurch kein besserer wird.

Und ist ihm irgendwie geholfen, wenn er keinen Glauben mehr hat? Es ist doch so, dass grundsätzlich alles, was sich erklären lässt, beweisen und belegen, letzten Endes nicht der Rede wert ist, man kann es erforschen, studieren und lehren, vieles davon mag ganz hilfreich sein, anderes weniger, wenn aber die Totenglocke bimmelt, macht es keinen Unterschied, was man sich so an Fertigkeit und Wissen angeeignet hat im Laufe seines Lebens, mit dem letzten Atemzug ist es verweht und dahin. Bei genauer Betrachtung könnte man all die Wissenschaften bloße Ablenkungsmanöver nennen, um der Sinnlosigkeit des Daseins durch rege Tätigkeit und Schaffenskraft zu entkommen mithilfe des vorbildlichen Bestrebens, für seine Mitmenschen alles immer noch besser zu machen als es ist, was ohnehin selten genug gelingt, vor allem wenn man's mit dem vergleicht, was für den Rest der Welt schlechter wird dadurch. Und weil sich die Frage, wofür das Ganze eigentlich gut sein und wohin es führen soll, nicht mehr stellt im Augenblick unmittelbaren Erfolges sichtbaren Ergebnisses, muss ein solcher eben andauernd wiederholt werden, damit der Mensch die quälenden Zweifel gar nicht erst aufkommen zu lassen braucht, ob das alles überhaupt einen Sinn hat und seine Angst vor dem Tod darüber vergessen kann. Nicht dass ich grundsätzlich etwas gegen Fortschritt hätte, wozu auch, um seiner selbst Willen aber gerät er zur Idiotie, denn wenn man's mal schonungslos betrachtet, steckt der unentwegt fortschreitende Fortschrittgläubige nur seinen Kopf in den Sand, ist ständig auf der Flucht nach vorn und drückt sich auf jede denkbare Weise vor der bedrohlichen Wirklichkeit seiner eigenen Sterblichkeit, ja der Sterblichkeit an sich.

Klar, das Leben will gelebt sein und jede Kaulquappe zum Frosch werden, grundsätzlich ist es mal schön, das kann man schon an den spielenden Welpen der Präriehunde sehen, aber auch sie werden ihre unbekümmerte Sorglosigkeit verlieren und vom sogenannten Ernst des Lebens eingeholt werden, spätestens wenn der Adler sich eins der Übermütigen holt, um seine immer hungrigen Nestlinge damit zu füttern, und auch hier verlassen oft nicht alle Küken den Horst, weil eins davon elendiglich umgekommen ist, noch bevor es flügge werden konnte. Fanda ist darüber bestürzt und empört, und auch mir gefällt das alles nicht, auch wenn ich weiß, dass es nach den Gesetzen der Natur nicht anders geht, es gefällt mir einfach nicht. Und ich frage mich, wieso in drei Teufels Namen ich nicht das verdammte Recht haben soll, diesen ständigen und unermüdlichen Überlebenskampf rundum als ziemlich unschön und unerträglich grausam zu erleben? Weil er an sich nichts taugt, Gleichgewicht her oder hin, und alles in allem eine üble Angelegenheit ist, die man hätte besser machen können, weiß zwar nicht wie, aber dass es möglich wäre, das weiß ich, weil bei Gott bekanntlich alles möglich ist. Und dass die ganze Schöpfung angeblich mit dem Sündenfall des Menschen gefallen ist, macht es um nichts leichter und verständlicher, weil die armen Viecher nun wirklich nichts für die Vermessenheit der sogenannten Krone der Schöpfung können. Es ist schlicht und einfach viel zuviel Leid in der Welt, auch ohne dasjenige, das durch die Verbrechen der Menschen verursacht wird, um sie gut nennen zu können, klar, das Leid an sich ist nicht böse, aber allemal bescheuert und entsetzlich genug, um es böse erscheinen zu lassen.

Und was, so frag ich mich, hat nun der Mensch davon, wenn er dieses Jammertal zum Einzigen macht, was es da je gab und gibt und geben wird? Da kann er sich ebenso gut gleich die Kugel geben, das würde ihm so Einiges ersparen, aber weil er vor dem Tod noch mehr Angst hat als vor dem Leid, belügt und betrügt er sich lieber und sagt sich wider die bessere Einsicht seiner andauernden schmerzvollen Erfahrungen, dass das Leben schön ist und unbedingt lebenswert. Auch seine Kinder belügt er auf diese Weise, so lang es irgendwie geht, und dann wundert er sich, wenn sie sich irgendwann betrogen fühlen und rebellisch werden, weil alles völlig anders ist und überhaupt gar nicht so wunderschön, wie ihnen von denen eingeredet worden ist, die es doch eigentlich besser wissen müssten. Klar, sollen sie stattdessen zu ihren Kleinen sagen, noch bevor sie laufen können, hört mal zu, Kinder, das Leben ist kein Honiglecken, sondern eine bekackte Plackerei, ich sag euch was, wenn mir das jemand davor gesagt hätte, ich weiß gar nicht, ob... wäre immerhin ehrlich, aber eben auch unerträglich grausam. Wenigstens für die Kindheit sollte es sich lohnen, geboren worden zu sein, wenn es schon sonst nichts gibt, und weil so ein hilfloses Kind nun mal jemanden braucht, der es versorgt und drauf aufpasst, muss es eben auch Erwachsene geben. So läuft es um und um im immer selben Kreis herum und trotzdem nicht rund, sondern kantig und verflucht holprig über steinige Wege und durch Dornengestrüpp. Keine Ahnung, was daran gut sein soll, diesen flüchtigen und tränenvollen Wimpernschlag zum gänzlichen und einzigen Dasein erklären zu wollen und alles, was darüber hinausgeht, zum bloßen Wunschdenken hinunter zu würdigen, davon wird der Mensch ganz bestimmt nicht glücklicher, um keinen Deut gütiger und erst recht nicht frei... Seht her, ich habe mich von Gott befreit und zum Sklaven meiner selbst gemacht! Fürwahr eine Meisterleistung, wie sie nur der Mensch zu vollbringen imstande ist. Glaubt er denn wirklich, dass seine Idiotie genügt, um die Welt zu einem besseren Ort zu machen? Sieht ganz danach aus.

Doch was kümmert's einen Desperado?


Buchauszug

Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 16.986

28.02.2017 17:06
#2  Kein Glauben? antworten

Desperado hat faszinierende (und einem selbst bekannte) Gedankenstränge. Aber ich muss in meinem Hochmut gestehen, dass ich manche Antworten auf seine Fragen habe.

1. Der Sinn des Lebens ist es, seine biologisch diktierten Triebe zu befriedigen: Atmen, Essen Trinken, Sex, Fortpflanzung, Forschung, Bildung, Arbeit (Produktion), Fortschritt

2. Das Leben ist eine Kette von Leiden. Aber auch von Schönem. Und der Fortschritt (z.B. Medizin, Psychoanalyse, politische Arbeits-, Vermögens- und Machtverteilung) ist die - scheinbar endlose - Kette des Kampfes gegen diese Leiden. Am Ende steht immer der Tod, richtig. Ein (real) gelebtes Leben macht den Menschen dafür aber mehr bereit. Und mit diesem scheinbar absoluten persönlichen Weltuntergangsdatum ist sogar für einen Atheisten nicht unbedingt das letzte Wort gesprochen. Das sage ich, und in den Augen vieler wird das mein persönlicher Fluchtweg in eine irreale Verklärung sein...

3. Wir brauchen keinen Gott. Wir brauchen die Realität. Irrealität pumpt in dein Inneres eine dicke Blase der Lüge auf, die mit dem natürlichen Reflex des Misstrauens nicht korrespondieren darf, und sowas schafft Verdrängung in das Unterbewusste, sowas macht krank! Der Abschied von Gott, die Hinwendung zur Wirklichkeit, ist ein wirksames Antitoxikum gegen die Krankheit Religion! So sehe ich das, und diese Sichtweise habe ich aus meiner - für mich nicht unbedeutenden... - Erfahrung gewonnen. Wer als Irrealer in die Schwerkraftsphäre des Planeten Realität gelangt, hat seine kosmische Heimat gefunden.


PS.: Deine Schreibe ist erfrischend spontan, lebensnah und daher angenehm! Der Background deiner Sachkenntnis ist auch nicht verkehrt. Manches müsste man nachschlagen, aber egal.

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"Ich bin vom Glauben zum Wissen konvertiert!" (Hamed Abdel-Samad)

Desperado ( gelöscht )
Beiträge:

28.02.2017 17:32
#3 RE: Kein Glauben? antworten

Danke für den Zuspruch!

Tja, was würde der Desperado darauf erwidern? "Öhm... kann man so sehen, klar. Sorry, aber was meintest du jetzt genau? Antiwas? Schlangengift?"

Damals stand der Atheismus grade mal in den Kinderschuhen. Dass er sich überhaupt damit beschäftigt, hat seinen Grund darin, dass er viel herumkommt. Und irgendwo von Irgendwem etwas drüber gehört und aufgefangen hat. In einer Zeitung in einem Saloon etwas davon gelesen. So diese Richtung.

Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 16.986

28.02.2017 17:35
#4 Kein Glauben? antworten

Ich hab mal 'ne Frage. Eine blöde vermutlich, egal: War Desperado eine historische Figur? Ich hielt sie immer für eine Filmfigur. Und was ist dein Desperado? Wo lebt er? Welches Umfeld hatte er?

Was für ein Format ist dein Text? Ein Roman ist es wohl doch nicht.

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"Ich bin vom Glauben zum Wissen konvertiert!" (Hamed Abdel-Samad)

Desperado ( gelöscht )
Beiträge:

28.02.2017 17:43
#5 RE: Kein Glauben? antworten

Bevor ich hier jetzt weit aushole... hatte ich ja schon eingestellt irgendwo:

https://www.bookrix.de/_ebook-ga-039-an-...do-der-federhut

... sein Umfeld, also seine Heimat ist die Wüste. Er könnte eine historische Gestalt gewesen sein, aber nichts Genaues weiß man nicht. Dieser Eintrag ist im vierten Band "Ältester" zu finden, der andere ebenso. Als Vierteiler gibt es den Federhut nämlich auch. Hauptsächlich des Umfangs wegen. Diesbezüglich könnte man tatsächlich von einem Roman sprechen... brauchst nur den Namen des Autors anklicken, dann landest du im Profil, da sind sie alle drin.

Moment, fiel mir grade zu Deiner grundsätzlichen Frage noch ein:

Vorwort

„Manchmal betrachtet man ein Ding und erkennt nur, dass es undurchsichtig ist. Und diese Undurchsichtigkeit ist sein Wesen, seine wahre Natur. So ging es mir mit der Maske. Der Mann darunter war bloße Bewegung, und er hatte kein Gesicht, und sein Name war der Name der Maske selbst. Hätte ich sie angehoben, hätte es nichts und niemanden zu sehen gegeben.“

Weiß der Kiowa N. Scott Momaday zu berichten, durch die Fügung eines unergründlichen Geschickes ist es nunmehr meiner Wenigkeit zugefallen, dem Manne beizupflichten.

Am 12. August des Jahres 1907 übergab mir, im Zuge einer meiner ausgedehnten Reisen, ein hochbetagter Navajogreis, der sich mir als „sprechender Gott“ vorstellte, in einer kärglichen Siedlung im Norden der Painted Desert, einem kargen Landstriche südlich des Grand Canyon, durch den sich der Flusslauf des Little Colorado schlängelt, ein zusammengerolltes Bündel aus weichen Lederblättern, jeweils beidseitig wohl mittels einer zugespitzten Vogelfeder beschriftet mit - wie ich feststellen konnte - einer unbekannten indianischen Farbmischung, unserer Tusche nicht unähnlich.

Über den Urheber der mannigfaltigen Aufzeichnungen weigerte sich der hochbetagte Mann beharrlich etwas preiszugeben, da, wie er sagte, jener mit der Welt der Geister in Verbindung gestanden hätte, über die zu reden in der religiösen Tradition seines Volkes mit einem Tabu belegt sei. Auch der Taufname des zweifelsohne weißen Verfassers war dem verschlossenen Manne nicht zu entlocken, der, wie er sagte, zu seinen Lebtagen allen Zeitgenossen nur unter seinem eigentümlichen Beinamen „Desperado“ bekannt gewesen sei und zu keiner Zeit, an die der Greis sich erinnern könne, jemals mit einem anderen angesprochen worden wäre als mit diesem.

Zu meinem größten Bedauern fand ich die Aufzeichnungen beim Studieren in zum Teil unleserlichem und völlig ungeordnetem Zustande, zuallermeist ohne Zeitangaben und jedweder Chronologie entbehrend, so dass es mich lange Monate mühseliger Arbeit kostete, dieselben auszusortieren und in einigermaßen stimmigem Zusammenhange miteinander zu verknüpfen.

Wenngleich ich die zeitliche Abfolge der festgehaltenen Erinnerungen, Betrachtungen, fantastischen Geschichten, Anekdoten und Augenzeugenberichte nicht in dem Maße zufriedenstellend wiederherzustellen vermochte, das ich mir selbst erwünschte, findet dieses Ergebnis, ohne mein Unvermögen dahinter kaschieren zu wollen, in der Hauptsache seine Ursache in der Beschaffenheit des Schriftstückes daselbst begründet; am wenigsten Kopfzerbrechen bereitete mir indes die geographische Zuordnung eines losen Reiseberichtes, in ähnlichem Maße wurde mir die zeitliche Aneinanderreihung verschiedener Erlebnisberichte anhand inzwischen historisch nachgewiesener Vorkommnisse erleichtert.

Ungeachtet des wiederholten und sprunghaften Wechsels von Zeit, Ort und Geschehen inmitten der Erzählung erschließen sich viele Geschehnisse länger zurückliegender Vergangenheit (aus Sicht des Verfassers) einzig über die Kenntnis bisweilen sehr viel später darauf stattfindender Ereignisse, was, wie ansonsten in einem Buche üblich, umgekehrt jedoch um nichts minder der Fall ist, so dass sich, will man den Versuch unternehmen, das Festgehaltene als Ganzes zu überschauen, ein Zeitkreis ergibt, der in sich geschlossen ohne erkennbaren Anfang und ohne verbindliches Ende einen sich stetig drehenden Erzählfluss bildet, in den einzusteigen sich jede beliebige Passage als nicht mehr und nicht weniger geeignet herauskristallisierte.

Ich wählte schließlich die vorzufindende Gestalt, nachdem ich mir eingestehen habe müssen, dass eine weitere Veränderung, Umgestaltung und Zusammenstellung zwar eine andersartige Form des Gesamten ergäbe, diesem dadurch jedoch kein besseres Verständnis verliehen wäre oder sich ein anderslautender Sinn daraus ergeben würde, eingedenk der nicht wegzuleugnenden Tatsache, dass manches zu Leder Gebrachte sich, eingehender und wiederholter Versuche einer Entschlüsselung zum Trotz, jedwedigem herkömmlichen und allgemeingültigen Ansatze von Verständlichkeit, geschweige denn Verständlichmachung verschließet.

So darf mir zuletzt der hoffentlich nicht unbegründete Wunsch erhalten bleiben, meine Bemühungen möchten nicht vergebens gewesen sein und das Dokument möge Wohlwollen und Gefallen finden in dieser seiner unvollkommenen Gestalt beim Verfasser daselbst, denjenigen, seinen offen bekundeten Willen befolgend, Desperado zu nennen ich mich verpflichtet fühle.

New York, July 3rd, 1909
W.H. Goofaround


Mehr weiß ich auch nicht.

Desperado ( gelöscht )
Beiträge:

28.02.2017 18:18
#6 RE: Kein Glauben? antworten

Hab doch noch was gefunden...

Vielleicht kommen mir die Greenhorns auch nur deshalb so grün vor, weil sie aus einer anderen Zeit und Welt kommen, weil ihre Eltern erst gestern mit den Prärieschonern ins Lang gezogen kamen, während meine Vorfahren schon seit Hunderten von Jahren im Lande lebten, ob ich darauf stolz sein soll, ist wieder eine ganz andere Frage, aber als ihr Nachfahre beobachte ich die rasenden Veränderungen im Südwesten mit den Augen eines Alteingesessenen, der sich von der neuen Zeit überrollt fühlt und um eine bessere alte weiß.

Meine Ma hatte sich als Magisterin die Mühe jahrelanger Ahnenforschung gemacht und war dabei bis ins sechzehnte Jahrhundert hinunter getaucht, als die ersten Spanier in den Norden vordrangen und texanischen Boden betraten auf ihrer Suche nach den „sieben goldenen Städten von Cibola“, da der Name für die Pueblodörfer Neumexikos und Arizonas ihre Gier nach dem Edelmetall weckte, in Wahrheit aber höchstwahrscheinlich darauf zurückzuführen ist, dass die Dächer derselben im Abendrot golden leuchten. Jedenfalls war mein Ur und noch ein paar Urgroßvater Iberer und Soldat der Konquistadoren noch dazu, davon ist zwar nicht mehr viel übrig geblieben, als im Laufe der Zeit die Franzosen und Engländer nebst anderen Europäern dazukamen und die Vermischung unter den Zuwanderern den Zusammenhalt derselben stärkte. Nun gut, der Großvater väterlicherseits wäre locker als Mexikaner durchgegangen, eine meiner Schwestern hat noch was Spanisches, dunkles Haar und ebensolche Augen, das hat sich auch bei ihren Töchtern zum Teil fortgesetzt, der Rest der Sippschaft aber trägt eher die üblichen Erkennungszeichen des Mitteleuropäers. Das „Keltische“ habe sich durchgesetzt, wie mir mal ein Geschichtsforscher erklärte, die Kelten hätten damals die Römer verschluckt und würden heute die Spanier schnupfen, der keltische Typ behaupte sich, einmal eingemengt, über kurz oder lang auch in den heißesten Regionen, warum das so ist, könne niemand sagen. Nun, vermutlich kosten helle Haut und blondes Haar die stets zweckmäßige Natur einfach weniger Aufwand, wie dem auch sei und dessen ungeachtet lässt sich nicht von der Hand weisen, dass ich verglichen mit den Neusiedlern ohne Umschweife als wenn auch gut durchmischter so doch Einheimischer bezeichnet werden könnte.

Bemerkenswert ist es allemal, dass mein iberischer Stammvater, dessen spanische Wurzeln für immer im Dunkel bleiben werden, ganz offensichtlich ja sozusagen erwiesener Maßen zur Truppe der spanischen Seefahrer Narvaez und Vaca gehörte, mit einem de davor und Vornamen versteht sich, die ich vergessen habe, die seinerzeit die Küste Floridas entlang segelten und bei ihren Landgängen auf tiefes Misstrauen der ansässigen Stämme trafen, da diese bereits durch den offenkundig wahnsinnigen Vorgänger Cortéz, der es bis Kalifornien geschafft hatte und auf dem Weg dorthin das Land in Blut ertränkt, mehr als gewarnt waren. Es kam denn auch alsbald zu schweren Auseinandersetzungen mit denselben, aber anstatt zurück auf ihr Schiff zu flüchten, drangen die neu- und goldgierigen Spanier tiefer und tiefer ins Landesinnere ein, hinein in eine planzenwuchernde Wildnis, wie sie nie davor eine gesehen. In dieser undurchdringlichen und vollkommen unbekannten Landschaft nun machten die kriegerischen und ob ihrer Ortskundigkeit überlegenen Apalachees den Entdeckern im Auftrag des Königs derart ausdauernd zu schaffen, dass ihr Eroberungsfeldzug alsbald zum Rückzugsgefecht geriet und dieses sich steigerte zur panischen Flucht. Mit Müh und Not erreichten die Überlebenden das Meer, von ihrem Schiff jedoch war weit und breit nichts zu sehen. Die pure Todesangst verlieh den verzweifelten Männern die Kraft, in aller Hast und Eile ein paar Behelfsboote zu basteln und den unerbittlichen Verfolgern der Apalachees im letzten Augenblick aufs Wasser zu entkommen.

Ihre abenteuerlichen Zillen erweisen sich freilich als wenig seetauglich, und im Gebiet der heutigen texanischen Küste erleiden sie denn auch einen verheerenden Schiffbruch, der die meisten von ihnen das Leben kostet. Nur wenige erreichen das rettende Ufer, doch hier sollte die eigentliche Odyssee der Desperados, die sie inzwischen zweifelsohne geworden, erst beginnen. Acht volle Jahre lang ziehen die von Gott und Glück Verlassenen ziellos im Südwesten herum, durch Gebiete, die nie zuvor ein Europäer betreten, die beheimateten Indianer begegnen den Hoffnungslosen zudem mit gehörigem Argwohn und unverblümter Ablehnung, da ihnen längst zu Ohren gekommen war, was sie von diesen seltsamen weißhäutigen Barbaren zu erwarten haben. Bei den sehr verschiedenen Völkern hören diese aber auch sich ähnelnde Geschichten über die „sieben goldenen Städte von Cibola“, und als De Vaca wider Erwarten doch noch Mexiko erreicht mit nur drei weiteren Überlebenden - von denen einer den Verstand verloren hat und sich für einen Gott hält, vermutlich weil die Indianer ihn ob seiner schwarzen Hautfarbe bewunderten, wohin die Herumirrenden auch kamen -, kann und will De Vaca diese fantastischen Erzählungen natürlich nicht für sich behalten und löst im heimatlichen Spanien einen Goldrausch aus, dessen baldige Expeditionen auf ihrer Suche nach diesen unermesslichen Reichtümern Verderben, Zerstörung und Tod ungeahnten und unvorstellbaren Ausmaßes über die Pueblokulturen bringen sollten. Daran konnte auch sein Buch Titels „Naufragios-Schiffsbrüche“ nichts mehr ändern, in dem er nicht nur die atemberaubende Schönheit der urtümlichen Landschaften beschreibt, sondern auch deren vielfältige Bewohner, wobei er durch ehrliches Verständnis für dieselben überrascht und sich stark macht für eine menschliche Behandlung derselben, was natürlich keinen seiner Nachfolger auch nur am Rande kümmert.

Nun denn, acht Jahre sind eine lange Zeit in der Tat, und wohl auch aus Respekt macht sich De Vaca nirgendwo die Mühe, jedes einzelne Schicksal seiner ohnehin auf einen kümmerlichen Rest geschrumpften Mannschaft akribisch zu erfassen, ihrer wurden eben immer weniger im Laufe der Jahre. Einer davon jedenfalls taucht, wenn auch als Namenloser, in einer alten Chronik auf, die meine Ma ausgraben konnte in den vollen Archiven der Distriktsverwaltungsbehörden von Santa Fe, der sich seinerzeit im Süden des heutigen Arizona angesiedelt haben soll und im Zuge der bald darauf folgenden spanischen Expedition unter Führung des Franziskanerpaters Friar Marcos de Niza, der nebst der Suche nach den sagenhaften sieben Städten selbstverständlich ausgezogen war zur „Rettung hunderter armer Seelen“, von eben diesem dort angetroffen wurde, und zwar als durchaus verlorene Seele, die in sündiger Verbindung mit einer heidnischen Eingeborenen lebte und sogar Kinder hatte mit dieser unzivilisierten Wilden. Diese nun sollen allesamt getauft worden sein an Ort und Stelle und der abtrünnige Sohn der heiligen Kirche in den Schoß derselben zurückgeführt, was immer das im Einzelnen bedeutet haben mag, jedenfalls soll er im Zuge einer späteren Expedition unter einem Mann namens Luis de Moscoco de Alvaro im Tross der spanischen Soldaten nach Texas gezogen sein, ob aus freien Stücken ist nicht festgehalten, wo er denn auch begraben liegt an unbekannter Stelle. Und zumindest eine seiner Töchter soll die entsetzlichen und unsäglichen Grausamkeiten des Tyrannen De Soto überlebt haben und in einer spanischen Mission mit einem Iberer aus der Truppe Coronados getraut worden sein. Das Dasein in einer Mission dürfte auch als getauftes Halblut und Frau eines Spaniers harte Arbeit bedeutet haben für die Arme ihr verknechtetes Leben lang, womit die durchaus nicht unüblichen indianischen Wurzeln meiner Abstammung denn auch ihr baldiges Ende fanden und in der Folge spurlos aufgegangen sind in den nachfolgenden Generationen.

Es bedurfte einer gehörigen Portion an Überredungskunst, meiner Ma diese unliebsame Wurzel des weit verzweigten Stammbaumes aus der Nase zu ziehen, was ich nie so recht verstand, da dieselbe ob ihrer zeitlichen Ferne aus ihrer weißen Sicht ohnehin keinerlei Einfluss mehr haben konnte auf mich und meinen kindlichen Werdegang, leider wie ich sagen muss. Aber das nur am Rande, der Rest ist ohnedies weitaus weniger bemerkenswert, was schert mich meine Herkunft, immerhin habe ich mit meiner Heirat mit Hózhó eine uralte Familientradition wieder aufgegriffen.

Meine väterlichen Ahnen nicht spanischer Herkunft waren demnach die Nachkommen der Flüchtlingszüge, die in den Wirren des englisch-französischen Krieges ihre eben erst gefundene Heimat am Mississippi verlassen hatten und bis in den Norden von Texas vorgedrungen waren, um dort einige Niederlassungen auf mexikanischem Boden zu gründen. Dieser brüchige Schmelztopf aus Völkern der alten Welt von Holland bis Ungarn brauchte eine Weile, um sich durch die auf eigenen Schulen erlernte englische Sprache zu festigen und zugleich von der spanisch sprechenden Mehrheit abzugrenzen, warum auch immer, zumal sich quasi im Gegenzug die Vermischung mit der mexikanischen Bevölkerung von selbst ergab, bei der es denn auch zur Verknüpfung mit benannten spanischen Vorfahren kam. Wie dem auch sei, als der Schweizer Johann Sutter in Kalifornien sein privates Kaiserreich gründete, lebten meine Ahnen bereits seit Generationen in Texas, ihre Inseln im texanischen Meer unterstanden zwar den mexikanischen Behörden der jeweiligen Regierungsbezirke, führten aber alles in allem das Leben von Staatenlosen. In der Hauptsache protestantisch, bedeutete auch ihre Religionszugehörigkeit im katholischen Texas die Alltagswirklichkeit einer Diaspora, die sie eisern aufrecht erhielten, weshalb bis heute puritanische Siedlungen im Land anzutreffen sind bis hinunter nach Mexiko. Mein Pa jedenfalls arbeitete als Stall- und Pferdeknecht auf dem Gut eines mexikanischen Großgrundbesitzers, als die Kunde zu ihm drang, dass die jungen Vereinigten Staaten im später so genannten zweiten Unabhängigkeitskrieg die letzten Enklaven englischer Vorherrschaft zu brechen sich anschickten. Und weil er etwas sehen wollte von der neuen Welt, zog er mit den frischgebackenen Amerikanern in einen letzten Krieg gegen die Pfründe der alten, aus dem er nicht nur mit einer Narbe in Wange und Oberschenkel zurückkam, sondern mit einer schwärenden Wunde im Gemüt. Zeitlebens wird er die "Skinner" hassen, die mit ihnen verbündeten Irokesen indessen bezeichender Weise als "gute Leute" bezeichnen.

Ganz anders meine Mutter, die mit den üblichen Vorurteilen im Tross nach Texas kam, eines der zahllosen Opfer erfolgreicher Hetzkampagne gegen die gemeingefährlichen Rothäute. Zu dieser Zeit hatten die bis dahin weitgehend isolierten Vorposten anglikanischer und mitteleuropäischer Besiedlung längst regen Zuwachs erhalten durch Einwanderer-Trecks, die weder aufgehalten werden konnten noch dass jemand sie an ihrem Eindringen hindern wollte, da beim Großteil der mexikanischen Bevölkerung der Wunsch einer Aufnahme in den neuen Staatenbund längst zum bekundeten Willen herangereift war. In einem dieser Züge befand sich meine Ma, die dem abenteuerlichen und ungebundenen Wesen meines Vaters insofern erlag, dass sie sich in den Kopf gesetzt hatte, den "wilden Mann" zu zähmen und zu zivilisieren. Wohl auch mit ein Grund, weshalb der Gegängelte gegen die Engländer zog. Meine gebildete Ma nun wurde in seiner Abwesenheit kurzerhand zur Magisterin ernannt, ein zu damaliger Zeit geradezu unvorstellbarer Affront gegen die überlegene Geisteskraft des Mannes, da aber chronischer Lehrermangel bestand in den englisch sprechenden Kolonien, war Texas seiner Zeit weit voraus. Damit ihr diese Auszeichnung jedoch nicht zu Kopfe stieg, schickte man sie in die entlegendsten Dörfer der Umgebung, was wiederum ich dazu nutzen konnte, mich der Aufsicht der ohnehin ständig wechselnden Hausmädchen meist indianischer Herkunft zu entziehen und nach Herzenslust zu verwildern.

Mein Pa wurde als Kriegsteilnehmer sozusagen mittels nachträglicher Besoldung oder meinetwegen Ehrung erst Deputie und noch vor der Annexion von Texas Sheriff seiner kleinen City, im amerikanisch-mexikanischen Krieg kämpfte er selbstverständlich auf Seite der Amerikaner und war so gesehen mein Feind, der ich seinerzeit mit meinen Freunden im mexikanischen Grenzgürtel lebte. Zu unserem Glück kam es nie zu einer direkten Feindberührung, der mit mir geschlossene Waffenstillstand nach Kriegsende sollte indessen erst in seinen letzten Lebensjahren mit einem gegenseitigen Friedensschluss besiegelt werden, schon ziemlich verrückt das Ganze. Wenigstens der Sezessionskrieg ging so gut wie völlig an ihm vorbei, da er als Sheriff seiner wachsenden Stadt als unabdingbar eingestuft wurde und demzufolge nicht einberufen, aber zu dieser Zeit hab ich ihn sowieso nur noch sehr selten gesehen, ebenso meine Ma, die zur Oberlehrerin aufgestiegen inzwischen mit ein paar ebensolchen die Schulleitung der City übernommen hatte. Gemachte Leute sozusagen, während ich mein eigenes Ding machte, von dem besser niemand in der mittlerweile mittelgroßen Kleinstadt etwas wusste. Und wer jetzt nicht so recht schlau geworden ist aus diesem undurchdringlichen Dickicht und unentwirrbaren Gestrüpp meines Stammbaumes von Wäldchengröße, dem geht es wie mir.

Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 16.986

28.02.2017 18:29
#7 Kein Glauben? antworten

Zitat von Desperado
W.H. Goofaround

Was ist denn jetzt? Bist du der Autor (dieser 3.400 Seiten!) oder dieser W.H. Goofaround? Und du der Lektor quasi?

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"Ich bin vom Glauben zum Wissen konvertiert!" (Hamed Abdel-Samad)

Desperado ( gelöscht )
Beiträge:

28.02.2017 19:06
#8 RE: Kein Glauben? antworten

Geschrieben hab ich es selbstverständlich selber. Über den Zeitraum von alles in allem fünf Jahren. Ein spät erfüllter Jugendtraum gewissermaßen, da ich endlich die Zeit hatte dazu. Mit den Indianern Nordamerikas beschäftigte ich mich mit Unterbrechungen seit früher Jugend, so ganz aus den Augen verloren hab ich sie und ihre Geschichte nie. Und einige dicke Bücher im Regal, die mir als Grundlage dienten. Sehr Vieles ist diesen entnommen und lediglich in die Sprache des Erzählers übertragen. Doch, war auch Arbeit, streckenweise schrieb ich jeden Tag ein Kapitel. Obwohl das Buch ja keine Kapitel sprich Staustufen hat, sondern mehr so ein ungebändigter Strom sein soll. Ein zielloser Ritt, sein "Arbeitstitel" war denn auch The Lonely Ride, der Federhut ergab sich beim Schreiben.

Ich habe ein Buch geschrieben, das fehlte noch in meiner Biographie.

Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 16.986

28.02.2017 19:24
#9  Kein Glauben? antworten

Es sollten mehrere Bücher sein, du redest ja auch von 4 Bänden. Also - ich kann nur sagen: Respekt, Chapeau!
Das Thema ist natürlich hochinteressant. Als Liebhaber von Halbtrivialem fehlt mir allerdings so etwas wie ein Spannungsbogen... Muss ja nicht gleich so gnadenlos trivial wie bei Karl May sein... Du wirst dich ja mehr an der Realhistorie orientiert haben. Aber 3.400 Seiten - und dann noch von Computerbildschirm gelesen - is' mir zu viel!
Ging das nicht leserfreundlich kürzer?

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"Ich bin vom Glauben zum Wissen konvertiert!" (Hamed Abdel-Samad)

Desperado ( gelöscht )
Beiträge:

28.02.2017 21:26
#10 RE: Kein Glauben? antworten

In Buchform. Sowas geht nur in Buchform. Gedruckt auf Papier und zum Schmökern. In vier Bände aufgeteilt wäre das Pensum gar nicht so schlimm. Und Spannungsbögen kommen immer wieder mal zum Einsatz. Nach dem bedächtig versonnenen Anfang. Aber Buch, das geht eben nur mit Eigenkapital. Verlage hätten es genug genommen, ihre Vertragsformulare füllen eine Schublade, aber die vorzustreckenden Eigenbeteiligungssummen... naja, immerhin kann ich es ins Netz stellen, hätt ich früher nicht gekonnt. Und zum Verhökern ist es mir zu schade.

Ich hab es übrigens noch einmal Korrektur gelesen in der heruntergeladenen Ebook Form. Zur Not geht das schon. Immer nur ein Dutzend oder so Seiten. Pressiert ja nix.

Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 16.986

01.03.2017 10:46
#11 Kein Glauben? antworten

Oder in 10 Bänden. Ist ja echt ein Mammut-Ding! Länger als die Bibel! Und warum ging das nicht kurzer?

Erinnert mich so ein bisschen an das Buch über sowas wie eine Rote-Armee-Fraktion von Frank Witzel. Fiebrig geschriebene Tagträume eines Pubertierenden, und es wurde da unfassbar viel und detailliertes historisches Background über die 70er, 60er, 50er wahllos und nicht chronologisch in die Seiten hineingestopft. Es wurde vom STERN mit 5 Sternen - also der Bestnote - bewertet. Und er kriegte auch einen Literaturpreis dafür. Aber mir war die Schreibe am Ende dann doch echt zu anstrengend. Mich törnte das Format nicht an. Das heißt ja nicht, dass ich Witzels Schreibe schlecht finde. Die richtigen Rezensenten finden sie ja auf jeden Fall gut!

Und so geht das mir mit dir auch. Außerdem brauche ich ein Alter Ego in so einer Geschichte, an den ich mich orientieren kann. Einen "Helden" also. Da böte sich ja Desperado an. Der ist im Religiösen aber unschlüssig, indifferent. Das bin ich nicht.

Ich wünsche dir für dein Riesenwerk etwas mehr Aufmerksamkeit!

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"Ich bin vom Glauben zum Wissen konvertiert!" (Hamed Abdel-Samad)

Desperado ( gelöscht )
Beiträge:

01.03.2017 11:01
#12 RE: Kein Glauben? antworten

Hat sich wohl irgendwann verselbstständigt. Ich hätte auch gegen zehn Bände nichts einzuwenden. Oder noch mehr. Die bisherige Aufmerksamkeit übersteigt meine Erwartungen ohnehin um ein Vielfaches. Und dass den Federhut noch keine professionellen Rezensenten in die Finger bekommen haben, erachte ich als Glück. Eine seiner Hauptnebenfiguren ist zum Beispiel der alte Mescalero, dessen geistige Ausrichtung im Gegensatz zum Desperado sehr bestimmt ist. Und ein außerirdischer Knirps namens Fanda schweift immer wieder in für damalige Verhältnisse futuristische Gedankenwelten ab. Ich glaube, da ist für Jeden was zu finden drin. Der Antiheld selber... nun, so isser eben.

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