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Dieses Thema hat 2 Antworten
und wurde 330 mal aufgerufen
 Christentum
Desperado ( gelöscht )
Beiträge:

03.03.2017 11:50
Pazifismus im frühen Christentum antworten

Frühchristlicher Pazifismus im Spiegel der Heiligenlegende

Im frühen Christentum des römischen Imperiums sind mindestens zwei große "Friedensbewegungen" verzeichnet, jeweils durch eine Symbolgestalt verkörpert. Der römische Hauptmann Florian, heute beliebter Feuerwehrhauptmann, und der etwas weniger hochgradige Sebastian, der mit Pfeilen gespickt so gut wie jede (barocke) Kirche schmückt. Die zwei Märtyrer starben nicht vorrangig für ihren christlichen Glauben, sondern hauptsächlich auf Grund der damit verbundenen Kriegsdienstverweigerung. Was nicht nur den Tatbestand des Hochverrats und der Majestätsbeleidigung erfüllte, sondern infolge der Vergöttlichung des Kaisers den einer Gotteslästerung. Beides gleichermaßen todeswürdige Verbrechen.

Während die erste und ältere Bewegung, deren staatsfeindliche Gesinnung immerhin bereits in den Kreisen hochdekorierter Miltärs Fuß fassen hatte können, noch durch die Anwendung geltenden römischen Rechtes sowie mittels Diffamierung und Bezichtigung "ertränkt" werden konnte, sprich durch staatliche Verfolgung und gesellschaftliche Ächtung in den Untergrund abgedrängt, war die zweite nicht mehr so einfach zu eliminieren. Denn die Bewegung lebte ungebrochen fort, wehrpflichtige Söhne wurden von ihren Verwandten versteckt und mussten besonders in den Provinzen mit erheblichem Aufwand aufgestöbert und zwangsrekrutiert werden, was den Unwillen der Bevölkerung kontinuierlich anwachsen ließ und zwangsläufig zu einer erneuten Erhebung führen musste.

Diese nun bedurfte drakonischer und vor allem öffentlicher Gegenmaßnahmen, der Liquidierung ihrer führenden Köpfe sowie erheblich verschärfter Repressalien, sprich gezielter Pfeilschüsse, wozu die Bewegung erst einmal "angepflockt", also durch verstärkten Staatsschutz ausgehoben und weitestgehend dingfest gemacht werden musste. Dennoch konnte sie nicht gänzlich zerschlagen werden. Sebastian überlebte die Marter und wurde von einer gesellschaftlich hochstehenden Frau namens Irene gesund gepflegt, was als Beleg dafür gedeutet werden kann, dass die "entmannte" Führung der Bewegung offenbar von Frauen übernommen wurde, bis sie wiedererstarkt genug war, erneut "vor den Kaiser zu treten". Sprich mit ihren Forderungen unüberhörbar bis zu höchster Instanz vorzudringen. Ihre zweite und endgültige Niederschlagung durch "Knüppel" macht die Mutmaßung äußerst brutaler Vorgehensweise naheliegend. Es dürfte sich um ein blutiges Scharmützel gehandelt haben.

Allein die frühchristliche Friedensbewegung war bei Weitem nicht ausgelöscht, ja noch nicht einmal unschädlich gemacht, und sorgte weiterhin für ständigen "Unfrieden" im römischen Reich, das sich aus verschiedensten Gründen ohnehin in einer wachsenden Krise befand. Erst dem Realpolitiker Konstantin gelang der geniale Schachzug, diese neue Religion der Kriegsunwilligen dadurch zu entkräften, ihre Standarte zu der seines Bruderkrieges umzufunktionieren, "unter deren Zeichen" er diesen schließlich gewann, womit er den Beweis eines durchaus kriegstüchtigen Friedensfürsten erbracht hatte. Als er das aufrührerische Christentum auch noch zur Staatsreligion erklärte, hatte es seine revolutionäre und umwälzende Kraft endgültig verloren. Im Gegenteil, es kam alsbald zu blutigen Übergriffen fanatischer "Christen" gegen die nicht Bekehrungswilligen und ihre nunmehr heidnisch gewordenen Rituale, deren Religion es als gotteslästerlichen Götzendienst auszurotten galt und deren Kultstätten und Tempel so gut wie vollständig zerstört wurden. Der christliche Glaube hatte auch noch seine Unschuld eingebüßt.

Es begann das Zeitalter der Kirche, bereits hier wurde der Grundstein gelegt für die späteren Imperien "christlicher Nation". Der Pazifismus als Grundpfeiler frühchristlicher Lehre war erfolgreich relativiert und wurde nach und nach so gut wie völlig aufgehoben, ja im Laufe der Jahrhunderte durch "heilige" Religionskriege ersetzt.

SnookerRI Offline

Soul-Societist


Beiträge: 6.048

03.03.2017 14:15
#2 RE: Pazifismus im frühen Christentum antworten

Zitat von Desperado
Bekehrungswilligen und ihre nunmehr heidnisch gewordenen Rituale, deren Religion es als gotteslästerlichen Götzendienst auszurotten galt und deren Kultstätten und Tempel so gut wie vollständig zerstört wurden. Der christliche Glaube hatte auch noch seine Unschuld eingebüßt.

Es begann das Zeitalter der Kirche, bereits hier wurde der Grundstein gelegt für die späteren Imperien "christlicher Nation". Der Pazifismus als Grundpfeiler frühchristlicher Lehre war erfolgreich relativiert und wurde nach und nach so gut wie völlig aufgehoben, ja im Laufe der Jahrhunderte durch "heilige" Religionskriege ersetzt.

Interessant ist, dass Entwicklungen, die zur Abkehr der zentralen, christlichen Lehrinhalte führen würden, noch zu Zeiten der Apostel vorrausgesagt wurden.


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Desperado ( gelöscht )
Beiträge:

03.03.2017 16:16
#3 RE: Pazifismus im frühen Christentum antworten

Waren eben gescheite und vorausschauende Leute mit ausreichend Menschenkenntnis und Lebenserfahrung.

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