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Religionsforum
Atheismus vs. Religionen  


Der substanzielle  Dialog 

Für (echten) Säkularismus und freie Religionskritik!

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Dieses Thema hat 6 Antworten
und wurde 348 mal aufgerufen
 Lagerhalle
Desperado ( gelöscht )
Beiträge:

21.03.2017 07:19
Maisvolk antworten

Maisvolk

Como buenos Indios, que lo eran, prodigas brotaban de la Tiera.

Die Urmutter Iyatiku lebt mit ihrem Volk aus Untergrundmenschlein tief im Schoß der Erde, in der untersten von vier Etagen genau gesagt, und um aus der weißen Unterwelt in das nächste Stockwerk, die rote Welt, aufsteigen zu können, lässt sie einen immergrünen Baum emporwachsen. Damit die Menschen, die an dessen Ästen emporklettern, durch das Himmelsgewölbe in die darüberliegende Welt gelangen können, klopft der Specht ein großes Loch ins Himmelszelt. Dort verweilen die Menschen erst mal vier Jahre lang, ehe es weiter nach oben geht in die blaue Welt, und von da aus in die gelbe, welches Tier dem Baum im Einzelnen einen Durchgang in den jeweiligen Himmel geschlagen hat, weiß ich leider nicht mehr zu sagen. Um durchs Dach zu kommen hinauf in die fünfte Welt, die der heutigen Menschen, gräbt jedenfalls der Dachs ein Loch in den vierten Himmel, steckt seinen Kopf neugierig durch die Öffnung und ruft nach unten „Es ist wunderbar schön hier oben, und überall sind Regenwolken.“

Das Aufstiegsloch namens Shipap erscheint den hochgekletterten Menschen zu heilig, um sich in seiner Nähe anzusiedeln, und so ziehen sie weiter nach Süden. Ihrer Mutter Iyatiku ist es offenbar zu hell in der fünften Welt, vielleicht auch zu verregnet, jedenfalls zieht sie es vor, wieder in ihre Unterwelt zurückzukehren, nicht jedoch bevor sie ihren Kindern ihr Herz geschenkt hat, den Mais, von dem sich das Pueblo-Volk der Keres bis heute gut ernähren kann. An den Ecken dieser ihrer wohlgeordneten Welt stehen die Häuser der vier großen Gottheiten, in alle sechs Himmelrichtungen verstreut leben noch ein paar jeweilige Untergötter, Zenith und Nadir eingeschlossen, in der Nähe der Menschen aber haben sich die Regen spendenden Katsinu und die für die Fruchtbarkeit zuständigen doppelt hält besseren Kwiraina und Koshairi niedergelassen.

Alles bestens eingerichtet und abgestimmt auf die alltäglichen Belange der Keres also.

Bis ein Volk weißer Menschen übers große Wasser kam, deren ersten Mann ihr Gott aus Lehm geformt hat und ihm Leben eingehaucht in einem wunderschönen Paradiesgarten voller Tiere und fruchttragender Bäume, weil der sich aber sehr einsam fühlt, lässt ihn sein Schöpfer in Tiefstschlaf fallen und fingert ihm eine Rippe aus dem Bauch, um die er Fleisch wickelt und die erste Frau daraus formt, der er ebenso den Odem des Lebens einhaucht. Die beiden Turteltäubchen haben sich in der Folge daneben benommen und von einer ausdrücklich verbotenen Frucht genascht, woraufhin sie aus ihrem Garten vertrieben werden und nie mehr dorthin zurückkehren dürfen.

Was sie jedoch nicht daran hindert, sich fleißig zu vermehren und über die Erde auszubreiten.

Bei genauer Nachforschung stellt sich heraus, dass diese im Grunde nicht weniger fantasievolle Schöpfungsgeschichte den Mythen eines braunhäutigen Wüstenvolkes der alten Welt entnommen ist, also eines Stammes durchaus zu vergleichen mit dem der Pueblo-Indianer, nur hat sie der weiße Mensch kurzerhand übernommen und nimmt sie seitdem nicht nur für sich in Anspruch, sondern für alle Menschen auf der ganzen großen weiten Welt, weil die farbenfrohe Paradiesstory, wie der weiße Mann sagt, „heiliges Wort Gottes“ ist und von daher als einzige Schöpfungsgeschichte für glaubwürdig und wahrheitsgetreu zu erachten, sprich gefälligst von allen Menschen aller Völker, Kulturen und Religionen gefälligst zu glauben sei als alleinig richtige und bewahrenswerte. Ich habe keinen blassen Dunst, wie er da drauf kommt, der weiße Mann, es wär mir ehrlich gesagt auch vollkommen schnuppe, wenn er denn nur so frei wäre, all die andern wunderschönen Schöpfungsmythologien gleichberechtigt neben der seinen stehen und gelten lassen zu können, ihren Inhalt als ebenso wertvoll zu betrachten und behandeln, vor allem aber als gleichnishaft zu verstehen und die Kraft der Bildersprache zu erkennen, wie er es ebenso tun sollte mit seiner eigenen, die er zudem auch nur von einem Wüstenstamm geklaut hat vorzeiten.

Aber die rechthaberischen Gedankengänge meiner Hautfarben-Genossen sind mir von jeher fremd und nicht nachvollziehbar für einen einfach gestrickten Wüstensohn und Desperado.


Buchauszug

Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 16.911

22.03.2017 15:34
#2 Maisvolk antworten

Auf die Gefahr hin, altklug zu wirken: Dein Mega-Giga-Text braucht eine Gliederung, einen Einleitungstext und vielleicht eine Auflistung der beteiligten Personen: Desperado, die Häuptlinge der Ureinwohner, die weißen Aggressoren. Und ihre Religionen: Christentum vs. nordamerikanische Naturreligion. Denk' ich mir mal so. Damit man gleich Bescheid weiß, worum es geht.

Warum nimmt dich kein Verlag in sein Programm? Vielleicht, weil der Text zu laaang ist? Die Länge ist vielleicht deinem profunden Wissen geschuldet. Aber der Vermittlung zu den Lesern dient diese Länge nicht. Und auch nicht der fehlende Einleitungstext.

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"Ich bin vom Glauben zum Wissen konvertiert!" (Hamed Abdel-Samad)

Desperado ( gelöscht )
Beiträge:

22.03.2017 16:57
#3 RE: Maisvolk antworten

Zitat von Gysi im Beitrag #2
Warum nimmt dich kein Verlag in sein Programm? Vielleicht, weil der Text zu laaang ist?

Und ich dachte mir noch, stellst du zur Abwechslung mal einen kurzen Ausschnitt ein... alles relativ. Und erzähl mir nichts von Verlagen, mit Handkuss hätten sie mich genommen, ausnahmslos, aber nur, wenn sich an dieser Hand auch ein teurer Ring befindet. Naja, alles andere hätte mich verblüfft.

Ich bin weder esoterisch angehaucht noch erachte ich meine Kenntnis über die Indianervölker Nordamerikas als profund, wahrscheinlich nehm ich die Bibel nicht ernst genug, aber ich sehe einfach keinen Unterschied zwischen Genesis und sonstiger Mythologie. Indianer würden nie auf die Idee kommen, ihre Glaubenswelt über eine andere zu stellen oder sie gar zum Dogma zu erklären, das machen nur weiße "Schamanen", die nebenbei einen Haufen Geld verdienen damit. Weil sie es von ihren Vorfahren so gewohnt sind, die eigene "Erkenntnis" über die anderer zu stellen und als Non plus Ultra zu verhökern, damals war's die Bibel, heute ist es esoterisch verfremdete indianische Religion, die es so nie gegeben hat. Wir sind nicht wie unsere Väter... nur ihre Söhne.

Persönlich bin ich sowieso durch mit Allem. Aber ich nehm's locker und ohne Bitterkeit. Das soll mir erst mal einer nachmachen. Nebst der Idiotie, sich Druck zu machen, hat es etwas Unehrliches, von einer Welt Anerkennung zu erwarten, mit der man fertig ist. Sehr viel besser ist es, nur noch zu machen, was einem Spaß macht.

Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 16.911

22.03.2017 17:57
#4 Maisvolk antworten

Zitat von Desperado
Und ich dachte mir noch, stellst du zur Abwechslung mal einen kurzen Ausschnitt ein...

Das war keine "Abwechslung" - das war das Bekannte wie sonst auch!

Zitat
Sehr viel besser ist es, nur noch zu machen, was einem Spaß macht.

Ich glaube dir nicht, dass es dir Spaß macht, keinen Faden zu potenziellen Lesern zu finden. Er könnte da sein.

Die Verlage wollen Kohle machen. D.h., zumindest wollen sie die Kosten rein haben. Darum sind sie zum Druck bereit, wenn der Autor die Kosten übernimmt. Kenne ich auch. Die PR müsstest du übernehmen. Das ist schwer, vielleicht zu schwer. Kenne ich ja ebenso. Aber - in deinem Fall - vielleicht doch nicht. =>

1. Alles kürzer,
2. gegliedert, übersichtlich,
3. sofort überschaubar, worum es geht.

Aber wenn du das nicht willst - auch okay.

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"Ich bin vom Glauben zum Wissen konvertiert!" (Hamed Abdel-Samad)

Desperado ( gelöscht )
Beiträge:

22.03.2017 18:19
#5 RE: Maisvolk antworten

Zitat von Gysi im Beitrag #4
Ich glaube dir nicht, dass es dir Spaß macht, keinen Faden zu potenziellen Lesern zu finden. Er könnte da sein.

Aber den hab ich doch längst gefunden und reichlich Zuspruch erhalten. Und mir gefällt es genau so wie es ist - ohne Gliederung, Kapitel, zeitliche Reihenfolge, festen Handlungsstrang etc... einzelne Geschichten, die ineinanderfließen und auch nicht, man könnte das Buch quasi von hinten nach vorne lesen oder in der Mitte anfangen bis zum Ende und mit dem Anfang weitermachen, den vierten Teil vor dem ersten oder den dritten vor dem zweiten lesen, das spielt keine entscheidende Rolle. Ein wilder und ungebändigter Strom ohne Staustufen, man weiß nie, was um die nächste Biegung auf einen zukommt. Und worum es geht... bleibt letztendlich offen. Wer sich drauf ein und treiben lässt, wird Stromschnellen überwinden müssen und Schleichstrecken, aber er kommt am Ende ins Meer, so oder so. Das ist bewusst so gewollt, deshalb sind einzelne Wassertröge oder Momentaufnahmen - wie hier - auch wenig sinnvoll, das gebe ich gerne zu. Und diese Art zu schreiben muss wirklich nicht jedermanns Sache sein, ja kann es gar nicht.

Ich bin's zufrieden, that's me - und das genügt mir.

Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 16.911

23.03.2017 09:59
#6  Maisvolk antworten

Zitat von Desperado
Ich bin's zufrieden, that's me - und das genügt mir.

Dann ist es ja okay. Du erinnerst mich - wie gesagt - an Frank Witzels "Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969" - fiebrig, konzeptlos, langatmig, langsatzig, introvertiert, dialogarm, chaotisch, ohne chronologische Abfolge, aber aus einem unfassbar tiefen Bottich historischen Wissens schöpfend. Die Profi-Kritiker lobten ihn sehr. Aber mir war der zu heavy.

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"Ich bin vom Glauben zum Wissen konvertiert!" (Hamed Abdel-Samad)

Desperado ( gelöscht )
Beiträge:

23.03.2017 11:03
#7 RE: Maisvolk antworten

Zitat von Gysi im Beitrag #6
Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969

Hab ich jetzt nicht gelesen, weiß nur, dass 69 die Manic Depression von Jimi Hendrix völlig genügte, um fiebrig zu sein.

Nein, so schlimm, wie du glaubst, ist der Federhut nun wirklich nicht. Ich orientiere mich da eher an unerreichbaren Vorbildern wie Grimmelshausens Simplicissimus oder Cervantes' Don Quixote. Klar wird zwischendrin die Hippie Ära in den Südwesten der USA und Mexikos des Neunzehnten Jahrhunderts verlegt, aber immer mit dem nötigen Augenzwinkern gesunder (Selbst)Ironie. Die Parallelen zum indianischen Widerstand hatten denn auch tatsächlich ihre historische Kongruenz, Alcatraz wurde nicht von ungefähr 69 von einem Kontingent indianischer Volkszugehöriger besetzt, das "American Indian Movement" entstand nicht zufällig Anfang der Siebziger des letzten Jahrhunderts des letzten Jahrtausends - und die Natives demonstrierten aus gutem Grund in Wounded Knee, womit der Zeitkreis sich schließt. Diese spezifische "Geschichtsbehandlung" ist also durchaus stimmig und der künstlerischen Freiheit geschuldet.

Bei genauer Betrachtung ist mein Buch sogar sehr kompakt und konzentriert sich im Wesentlichen auf die Zeit von 1840 bis 1890, eine durchaus überschaubare Spanne also, für ihre verwirrende Dichte an Ereignissen kann der Erzähler nichts. Und bei all seinen Sprüngen kreuz und quer durch sein wildes Leben ist eine feste Chronologie zu erkennen, sagen wir mal von der Zwangsumsiedlung der Cherokee bis zur Kapitulation Geronimos. Der rote Faden existiert ohne Zweifel, anders wäre das Buch allein aus historischem Blickwinkel nicht zu bewältigen gewesen. Mit religiösen Aspekten befasst sich der zweite Band "Wanderer" infolge der vielfältigen Mythologien indianischer Völker etwas eingehender, und der vierte Band "Ältester", in dem es für den Erzähler in Richtung Abgang geht und der sich deshalb Gedanken macht über Tod und Leben und dies und das und Jenes. Völlig normal, um es mal so zu sagen, und im Gesamtkontext durchaus überschaubar. Der Desperado ist Vieles, aber bestimmt nicht religiös.

So gesehen geben die von mir eingestellten Auszüge einen völlig falschen Eindruck des Buches als Ganzem wieder, was aber ganz einfach am Thema des Forums liegt. Da hab ich eben gefischt, was ich so an Diesbezüglichem fand, im Federhut insgesamt spielen diese Ausflüge eine eher bescheidene Rolle unter vielen anderen, keineswegs aber eine vordergründige. Sind eben "Adabei".

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