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Religionsforum
Atheismus vs. Religionen  

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Dieses Thema hat 7 Antworten
und wurde 384 mal aufgerufen
 Polytheistische Urreligionen
Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 15.930

25.03.2017 19:02
Warum sind die Religionen entstanden? antworten

Ich meine, dass das Thema "Polytheistische Urreligionen" durchaus eine weitere Beschäftigung verdient hat:

1. Gottglaube ist was Menschenspezifisches. Wieso sind überall und unabhängig voneinander Religionen entstanden? Was sagen sie aus? Was verkörpern sie?

2. Die polytheistischen Naturreligionen sind älter als die monotheistischen Gesetzesreligion. Warum kamen die zuerst?

3. Haben die vor- oder außerchristlichen Urvölker über eine Naturnähe und ein Wissen verfügt, das wir heute - zu unserem Nachteil - verloren haben?

4. Oder sind Religionen Fabulesken, die Löcher der Unkenntnis füllten und füllen? Und heute Atavismen, Folklore, die man aber nicht mehr braucht? Und sogar schädlich sind.


PS.: Ich bin der Auffassung, dass ellenlange Romantextauszüge als Antwort nicht hilfreich sind für die Diskussion... Eine Verlinkung zu den entsprechenden FEDERHUT-Seiten reicht.

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"Ich bin vom Glauben zum Wissen konvertiert!" (Hamed Abdel-Samad)

Desperado ( gelöscht )
Beiträge:

26.03.2017 08:28
#2 RE: Warum sind die Religionen entstanden? antworten

Zitat von Gysi im Beitrag #1
PS.: Ich bin der Auffassung, dass ellenlange Romantextauszüge als Antwort nicht hilfreich sind für die Diskussion... Eine Verlinkung zu den entsprechenden FEDERHUT-Seiten reicht.

Hätt ich sowieso nicht gemacht, sprengt erstens den Rahmen, und zweitens weiß man gar nicht, wo man ansetzen soll und wie, zumal die Gedanken zu den Glaubensvorstellungen der Indianer mittelbar erzählt sind und ihre Mythen locker und fast heiter wiedergegeben. Was manchen Möchtegernindianern nicht schmeckt, weil die Sache furchtbar ernst zu nehmen ist. Egal.

Das mit den Links ist nicht so einfach, da die Bücher nur als E-Book herunterzuladen sind, wobei jedes Programm eine andere Aufteilung vornimmt und die Seitenzahlen variieren (wobei sich vom Umfang her der Vergleich mit der Bibel schnell verflüchtigt), in denselben ohne Runterladen zu blättern ist sehr zeitaufwendig und mühsam, eigentlich nicht zumutbar. Aber ich denke, mir fällt auch so was ein dazu.

Wir haben sehr viel Wissen zu unserem Nachteil verloren, soviel lässt sich sagen, doch es ist nur verschüttet, die Begabungen existieren noch genau so wie das Froschhirn in unserem unteren Hinterkopf. Es ist ohne Weiteres möglich, wenigstens Einige davon wieder wachzurufen, man muss es nur wollen. Und der Weg führt nur über die Natur, die von den animistischen Völkern nicht als Feind betrachtet wird und nicht als bedrohlich empfunden, selbstverständlich nicht ungefährlich, aber in der Hauptsache lebenspendende Verbündete, die zu bezwingen und beherrschen ein abwegiger Gedanke ist. Man könnte diese Haltung auch dankbare Demut nennen, und genau deshalb ist sie für den modernen Menschen mit seinem Glauben an die "Machbarkeit" von Allem, was er zustande bringt, mitunter schwer oder kaum nachvollziehbar. Das hat auch viel mit Selbstüberschätzung und Überlegenheitsdünkel zu tun, was aber anhand der Welt, die er sich geschaffen hat, fast zwingende Folgeerscheinung ist. Die Liebe zur Natur und das kindliche Staunen über ihre Wunder sind quasi der Schlüssel in diese verborgene, besser verschüttete Welt der Intuition, die wir als Instinkt in uns tragen seit undenkbaren Zeiten. Ihn zu finden ist gar nicht so schwer und bedarf keineswegs einer regredierenden Rückwärtswendung hin zu vergangenen und in vielen Bereichen zum Glück überwundenen Zeiten. Er passt auch und gerade im Heute und Hier. Auch Haustiere sind und bleiben Tiere.

Gut, mal soviel.

Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 15.930

26.03.2017 09:28
#3 Warum sind die Religionen entstanden? antworten

Zitat von Desperado
Und der Weg führt nur über die Natur, die von den animistischen Völkern nicht als Feind betrachtet wird und nicht als bedrohlich empfunden,

Die Nichtbedrohung kann man empfinden, wenn man sich in ihr auskennt. Wissen ist immer eine Waffe. Das war bei den nordamerikanischen Ureinwohnern nicht anders als bei den Europäern und ihren Siedlern. Und es ist nicht so, dass "wir" von der Natur keine Ahnung haben...

Welches Wissen der Natives ist verschüttet worden? Die heute noch Nachlebenden haben sie doch noch, oder?

Zitat
Man könnte diese Haltung auch dankbare Demut nennen, und genau deshalb ist sie für den modernen Menschen mit seinem Glauben an die "Machbarkeit" von Allem, was er zustande bringt, mitunter schwer oder kaum nachvollziehbar.

Auch wir, die wir von unseren Potenzialen wissen, die wir noch gar nicht überschauen können, sind zur Demut fähig! Arroganz ist nie ein Zeichen von Klugheit. Die nordamerikanischen Siedler waren gehässig und arrogant. Aber wir Weißen sind es nicht per sé! Sonst würde es auch keinen Desperado geben. Das alles hat was mit psycho-sozialen Einsichts- und Erziehungsprozessen zu tun. Aber nicht mit genetischer Bestimmung.

Ist der Stand der nordamerikanischen Ureinwohner - in Bezug auf den Wissensstand und die Religionen - mit dem der Europäer vergleichbar, bevor das Christentum sie diktierte?

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"Ich bin vom Glauben zum Wissen konvertiert!" (Hamed Abdel-Samad)

Desperado ( gelöscht )
Beiträge:

26.03.2017 10:12
#4 RE: Warum sind die Religionen entstanden? antworten

Zitat von Gysi im Beitrag #3
Ist der Stand der nordamerikanischen Ureinwohner - in Bezug auf den Wissensstand und die Religionen - mit dem der Europäer vergleichbar, bevor das Christentum sie diktierte?

(Klar ist der Europäer von heute nicht mehr mit dem der Einwanderergenerationen zu vergleichen, auch der Amerikaner nicht. Von genetischen Unterschieden habe ich sowieso nie gesprochen, die äußerliche Erscheinung betreffend sicher, aber sonst? Eher unwahrscheinlich.)

Interessanter Weise hatten nicht wenige indigene Völker und Kulturen wenig bis gar keine Probleme, Jesus in ihre Glaubenswelten einzubauen vielmehr aufzunehmen. Namhafte Propheten hatten nachhaltige Visionen, in denen er ihnen selbst erschien und zu ihnen sprach, sie wurden zum Teil zu Religionsstiftern, etwa der sogenannten Peyote-Religion, die indianische Spiritualität mit christlichem Glauben verknüpft. Der Weiße braucht die Schrift, um zu Gott zu finden, die Indianer haben ihre eigenen Wege, so in etwa lautet ihr herkömmliches Bekenntnis. Wobei etwa Mohawk-Häuptling Joseph Brandt das Evangelium in die Sprache seines Volkes übersetzt hat (die Cherokee schufen sogar eine eigene Schrift mit eigenem Alphabet). Kurzum, die Natives waren sehr viel flexibler und offener, die "eingeführten" Glaubensvorstellungen anzunehmen und den christlichen Glauben zu ihrer eigenen Sache zu machen, das Verbindende positiv zu bewerten und die Gemeinsamkeiten weiter zu entwickeln, während die europäischen Missionare mit ihrem Alleingültigkeitsanspruch ihre Mythologie und religiösen Bräuche als finsteres Heidentum verdammten und auszurotten versuchten. In Anbetracht des unermesslichen Leides, das im Namen des Christentums über ihre Völker hereinbrach, ist diese geistige Beweglichkeit absolut erstaunlich. Sicher hatten sie anfangs gar keine andere Wahl, als sich dem neuen Glauben zu unterwerfen, aber bei Weitem nicht immer, vor allem im neunzehnten Jahrhundert drehten sie die Lanze einfach um.

Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 15.930

27.03.2017 15:59
#5  Warum sind die Religionen entstanden? antworten

Wie gesagt: Wir kommen alle aus einer grausamen Natur. Es ist widersinnig, das Böse (den Menschen) von dem Guten (die Natur) zu separieren. Gut und Böse sind Kategorien des menschlichen Verhaltens. Möglich, dass die "Indianer" die Natur besser behandelten. Vielleicht, weil sie es nicht schlechter konnten? Ich meine, dass die bessere Ethik eher aus der LIEBE der Menschen zu den Menschen (den Tieren, den Pflanzen) erwachsen kann - und nicht aus dem Selbsthass, der Selbstkasteiung und der Minderwertigkeit heraus. Spätestens, wenn das Würmische von anderen ausgenutzt wird, um auf dem Wurm herumzutrampeln, sollten wir erkennen, erfühlen, dass wir mit zu viel Selbstvorwürfen uns keinen Dienst erweisen. Sondern nur einer neuen Kaste von Rassisten. Ich meine die Träger des Islam.

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"Ich bin vom Glauben zum Wissen konvertiert!" (Hamed Abdel-Samad)

Desperado ( gelöscht )
Beiträge:

27.03.2017 16:40
#6 RE: Warum sind die Religionen entstanden? antworten

Zitat von Gysi im Beitrag #5
... dass wir mit zu viel Selbstvorwürfen uns keinen Dienst erweisen. Sondern nur einer neuen Kaste von Rassisten. Ich meine die Träger des Islam.

Das ist interessant, weil ich diese Parallele selbst schon gezogen habe: Der freie und aufgeklärte Westen, das sind die ahnungslos arglosen Indianer, und der Islam, das sind die scheinheiligen Konquistadoren und deren Nachfolger, die seine Welt und Werte der ihren unterwerfen wollen mit allen Mitteln und seine Länder an sich reißen mit jeder Form von Gewaltanwendung, mit der ungeheuerlichen Anmaßung religionsfaschistisch rassistischen Überlegenheitswahns, nach dem Motto "Nur ein toter Ungläubiger ist ein guter Ungläubiger". Weshalb ich denn auch das Kriegsbeil ausgegraben habe, um es mal so zu sagen. Klar, der Vergleich hinkt - aber eben auch wieder nicht. Wer den Koran gelesen hat, weiß, wie verdammt naheliegend ja zutreffend er ist.

Reklov Offline




Beiträge: 2.914

27.03.2017 18:25
#7 RE: Warum sind die Religionen entstanden? antworten

Zitat
Möglich, dass die "Indianer" die Natur besser behandelten. Vielleicht, weil sie es nicht schlechter konnten?

Gysi,

... die Indianern Nordamerikas, denen ja z.B. "industrielle Fertigungsprozesse" völlig unbekannt waren, lebten inmitten einer üppigen Natur, die ihnen reichlich geben konnte - je nachdem, in welchen Landstrichen sich die versch. Stämme aufhielten.
Aus archäologischen Analysen der östlichen Waldländer unter Berücksichtigung von ökologischen Aspekten und lokalen Sonderfaktoren wird eine Schätzung von zwischen 2,8 und 5,7 Millionen Menschen für Nordamerika im Jahr 1500 abgeleitet. Dieser geringen Bevölkerungszahl stand also ein riesiger Kontinent zur Verfügung, welcher die naturverbundene und auch einfache Lebensweise der Indianerstämme spielend verkraften konnte. Es wurden weder Wälder abgeholzt, noch Gewässer verunreinigt, noch wurde Bergbau betrieben.

Gruß von Reklov

Desperado ( gelöscht )
Beiträge:

28.03.2017 10:08
#8 RE: Warum sind die Religionen entstanden? antworten

Zitat von Reklov im Beitrag #7
... eine Schätzung von zwischen 2,8 und 5,7 Millionen Menschen für Nordamerika im Jahr 1500 ...

Derlei Schätzungen, Reklov, gehen sehr weit auseinander. Die Bevölkerungsdichte Nordamerikas wurde von Ankunft der ersten Europäer an ausgedünnt, die verheerenden Pockenepidemien töteten bis zu neunzig Prozent der Bevölkerung, die Prärie war vor dem Pferd, dass sich die Indianer in kaum fassbar kurzer Zeit nutzbar machten, nur in den Randregionen besiedelt. Manche sind sogar der Meinung, dass das Pferd den Niedergang der Prärievölker einleitete, weil es durch die rasante Neuerschließung unermesslicher Jagdgründe zu kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Stämmen kam, die sich bis dahin nicht rivalisierend gegenüberstanden. Was sich die Weißen für ihre Vernichtungsfeldzüge zunutze machten, 1875 lebte in der nördlichen Prärie der Plains noch der verschwindende Rest von etwa 120 000 Indianern.

Heute geht man davon aus, dass vor der Entdeckung Amerikas jeder vierte, wenn nicht gar dritte Erdenbürger indigener Herkunft war. Die Zahl der von Seuchen, Vernichtungskriegen und Hunger dahingerafften Völker Gesamtamerikas im Zeitraum von alles in allem vierhundert Jahren gilt mit 50 Millionen Menschen als gesichert.

Morgengruß
Desperado

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