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Religionsforum
Atheismus vs. Religionen  

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Dieses Thema hat 11 Antworten
und wurde 251 mal aufgerufen
 Lagerhalle
Desperado ( gelöscht )
Beiträge:

11.05.2017 08:56
Regente und Párroco antworten

Der Pilgrim hat mir mal ein Büchlein voller lustiger Geschichten über zwei Verrückte zu lesen gegeben.

Der eine ist Dorfpfarrer und der andere Bürgermeister einer Comunidad irgendwo im Nirgendwo von Mexiko, und obwohl sich die Beiden von klein auf kennen und unzertrennliche Chamacos sind, ja so eine Art Blutsbrüder, können sie sich das aufgrund ihrer leidenschaftlich gegensätzlichen Gesinnung unmöglich eingestehen und liegen sich unablässig in den Haaren, wobei sie sich an geritzter Hinterlist gegenseitig überbieten. Der Frömmere von Beiden ist möglicherweise sogar der gottlose Regente comunista und Familienvater, zumindest wenn es ans Eingemachte sprich um seine Kinder geht, wohingegen der mocho Párroco católico ständig versucht, seinen Auftraggeber auf jede nur mögliche Weise hinters Licht zu führen, was ihm aus unerfindlichen Gründen nie so recht gelingen will.

Wie dem auch sei, dieses mitunter recht schlagkräftige und bärenstarke Pfarrerlein hat eine unwiderstehlich herzerfrischende Art zu beten, also eigentlich zu feilschen und debattieren mit seinem Herrgott, in der ich die meine dann doch recht authentisch und entlarvt widergespiegelt sehe. Von einer Seelenverwandtschaft zu sprechen, fehlt mir allein der Glaube und die demütige Inbrunst, was aber die Kunst der Wahrheitsauslegung und deren nicht ganz zweckfreie Umdeutung und Erweiterung betrifft, kann ich eine gewisse Übereinstimmung nicht so ohne weiteres von der Hand weisen. Und genau wie nämlichem Dorfpfarrer mag es mir aus genau so unerfindlichen Gründen nie so recht glücken, Gott hinter’s Licht zu führen, wie der wackere Gottesmann scheine ich da ein winziges Detail zu übersehen, das nicht so ganz ohne Wichtigkeit sein kann. Sehe ich mich doch oft genug verlassen und auf mich selbst gestellt, die Unwägbarkeiten und Beeinträchtigungen betreffend, die sich mir hinderlich in den vorherbestimmten Weg zu stellen wagen, meist in Gestalt hemmender Mitmenschen, die Gott aus völlig unverständlichen Gründen als bei weitem nicht so lästig empfinden will, wie sie es zweifelsohne sind, und sich von daher permanent weigert, sie an meiner Statt und Seite zur Seite zu räumen, wo sie verdammt noch mal hingehören.

Um es mit einfacheren Worten auszudrücken: Wenn Gott sich nicht bedingungslos auf meine Seite schlägt, kann er mir - zumindest zeitweise - gestohlen bleiben, oder er möchte sich wenigstens aus der Sache, zu der ihm offenbar der nötige Zugang fehlt, raushalten und mal eben wegschauen, bis sie zu meinen Gunsten entschieden ist - letztendlich ganz in seinem Sinne versteht sich.

Andrerseits verhält sich die diesbezügliche Vorgehensweise des Párroco deckungsgleich mit der des Regente iracondo, wenn dieser Heißsporn von einer Sache überzeugt ist, muss das der Rest der Welt auch sein, was sicher mit seinem ausgeprägten Gerechtigkeitssinn zu tun hat, so dass sich jeder Verfechter der Wahrheit ebenso gut in diesem wiederfinden könnte. Was denselben andrerseits nicht daran hindert, zur rechten Zeit klammheimlich mit einer Kerze in die Iglesia zu schleichen, für die Santísima Gottesmutter versteht sich, aber ich schweife ab, ursprünglich ging es darum, die Frage nach der Art des Betens zu erörtern.

Wenn man zum Beispiel die beiden Sturköpfe einfach mal gegenüberstellt und miteinander vergleicht, dann betet der Bürgermeister - wenn er’s denn zwischendrin mal tut - mit der Einsicht, ein großer Halunke zu sein, der gehörig was auf dem Kerbholz hat und ein entsprechend schlechtes Gewissen, und der heilfroh ist drüber, nicht für jede Einzelheit zur Rechenschaft gezogen zu werden; wohingegen sein Widerpart der Pfarrer - wenn er’s denn zwischendrin wirklich mal tut - mit der Einsicht betet, ein großer Halunke zu sein, der gehörig was auf dem Kerbholz hat und ein entsprechend schlechtes Gewissen, und der heilfroh ist darüber, nicht für jede Einzelheit zur Rechenschaft gezogen zu werden.

Bei aller Unterschiedlichkeit ihrer Art mit Gott zu kommunizieren, die sich einem schon auf den ersten Blick erschließt und nur allzu leicht auszumachen ist, lässt sich dennoch eine gewisse Übereinstimmung nicht so ganz von der Hand weisen und völlig verleugnen. Und wenn ich jetzt sage, dass ein Desperado auf diese doch sehr unterschiedlich ähnliche Weise zu beten pflegt, komme ich der Wahrheit immerhin vergleichsweise nahe.

Wenn er’s denn wirklich mal tut.

Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 16.062

12.05.2017 18:41
#2 Regente und Párroco antworten

Don Camillo und Pepone lassen grüßen...

Die Menschen sind sich ähnlich, und der Gottgläubige erhöht lediglich das profane Menschheitsziel eines harmonisierten Verhältnisses zwischen Gesellschaft und Einzelwesen auf die Metabühne. Derartige Ambition vergurkt ihre Nützlichkeit... Aber wie schon Martin Luther King sagte: Hilf dir selbst - dann hilft dir Gott! Oder anders ausgedrückt: Kleinere selbst erarbeitete Erfolge legen in dir Reserven frei. Das weite Land der Göttlichkeit ist nichts anderes als die Tiefsee deines Unterbewusstseins.

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"Ich bin vom Glauben zum Wissen konvertiert!" (Hamed Abdel-Samad)

Reklov Offline




Beiträge: 3.147

13.05.2017 14:50
#3 RE: Regente und Párroco antworten

Zitat
Das weite Land der Göttlichkeit ist nichts anderes als die Tiefsee deines Unterbewusstseins.

Gysi,

... so kann man es auch ausdrücken wollen.
Frage dazu: Wie tief bist Du denn bisher in die "Tiefsee Deines Unterbewusstseins" getaucht?

Wenn Du aber schon von "Tiefe" sprichst, so kann diese nur in einer unvollendeten Kommunikation offenbar werden!
Wenn "Gott" z.B. ewig ist, ist für den Menschen Wahrheit stets als werdende Wahrheit, und zwar als Kommunikation werdende Wahrheit.
Losgelöst von dieser, wäre sie als bestehende Wahrheit sogleich entartet zu Wissen von Etwas, statt selber zu sein.
Im "Ursprung" war das Eine, die Wahrheit, wie sie für uns unzugänglich ist. Aber das verlorene Eine ist, als ob es in der Zerstreuung durch Kommunikation wiedergewonnen werden solle. (?)

Zitat
Aber wie schon Martin Luther King sagte: Hilf dir selbst - dann hilft dir Gott!

Klar - wer nicht aktiv wird, im Bett liegen bleibt, dem kann keiner helfen.

Gruß von Reklov

Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 16.062

13.05.2017 15:27
#4 Regente und Párroco antworten

Zitat von Reklov
Frage dazu: Wie tief bist Du denn bisher in die "Tiefsee Deines Unterbewusstseins" getaucht?

Tief. Ins Unbewusste tauchen ist die Sportdisziplin meines Lebens.

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"Ich bin vom Glauben zum Wissen konvertiert!" (Hamed Abdel-Samad)

Reklov Offline




Beiträge: 3.147

13.05.2017 15:50
#5 RE: Regente und Párroco antworten

Zitat
Die Menschen sind sich ähnlich, und der Gottgläubige erhöht lediglich das profane Menschheitsziel eines harmonisierten Verhältnisses zwischen Gesellschaft und Einzelwesen auf die Metabühne.

Gysi,

... ähnlich zu sein, bedeutet noch lange nicht, gleich zu sein!
Auf den "Bühnen" der Welt gibt es auch eine Metabühne. Worüber man da redet, darüber meint man in der Regel gut Bescheid zu wissen, so dass andere Meinungen nur als störend oder überflüssig betrachtet werden. Wozu soll man noch sagen, wovon man redet?

Man soll und man muss es und es ist gut, dass auch Atheisten in ihren Reden Gott nicht verschweigen können. Dass Gott sozusagen totgeredet, dass er ausgerechnet durch Worte, die doch von ihm reden wollen, negiert werden soll, ist eine der sprachlichen Fallen im Reden der Menschen.
Über dem Atheismus und über der Theologie der Neuzeit liegt gleichermaßen der dunkle Schatten der Undenkbarkeit Gottes. Glaube wie Unglaube scheinen diesen Schatten für ihr Schicksal zu halten. Am Ende der Geschichte der Metaphysik scheint Gott undenkbar geworden zu sein.

Die Bibel machte z.B. den Versuch, aus der Erfahrung der Menschlichkeit Gottes die Möglichkeit der Rede von Gott zu erhellen - im besten Falle wieder denken zu lernen. Das ist freilich nicht möglich, ohne den Schein der Undenkbarkeit Gottes aus seiner historischen Genesis aufzuklären. Der komplizierte Weg ist aber auch nicht ohne komplizierte Gedankengänge zu schaffen. Nicht nur in der gegenwärtigen Theologie wird zu schnell und zu viel geschrieben, aber zu wenig gedacht.
Sich dem Geheimnis des NICHTS auszusetzen ist sowohl für Gläubige, wie auch für Atheisten - ein Wagnis.

Wer über Gott nachdenken mag, sollte ihn als Einheit von Leben und Tod zugunsten des Lebens zu denken versuchen. Erst dann könnte man denken, Gott sei Liebe. Als Liebe ist er das Geheimnis der Welt. Und durch dieses Geheimnis der Liebe gelangt der Mensch aus der Fixiertheit auf das Haben-Wollen in die Freiheit des Sein-Könnens.

Es darf aber auch nicht verschwiegen werden, dass man nicht schlüssig darüber sein kann, ob "erzählende" Theologie in Gestalt einer wissenschaftlichen Dogmatik überhaupt möglich ist und nicht eher einer amtlichen "Verkündigung" gleicht.

Die Analogie des Glaubens hat in ihrer Anschauungsstruktur selber einen erzählenden Grundzug, wie eben jede Liebesgeschichte auch.

Wer das Wort "Gott" erörtern will, muss sich fragen - was hat es zu sagen? Hat es überhaupt noch etwas zu sagen? Wendet man die traditionelle Signifikationshermeneutik an, so könnte man das Wort "Gott" als ein ZEICHEN behandeln, weil Wörter wesentlich Zeichen sind. Als solche bedeuten sie etwas, nämlich genau das, was sie bezeichnen.

Der Pfiff eines MUrmeltiers ist z.B. ein ZEICHEN. Er bedeutet etwas, hat die Funktion, auf etwas aufmerksam zu machen. Der Pfiff ist ein Signal. Als solcher weist er auf etwas anderes hin. Zeichen bedeuten etwas, aber eben etwas anderes als das, was sie selber sind.

Gruß von Reklov

Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 16.062

13.05.2017 17:00
#6 Regente und Párroco antworten

Zitat von Reklov
Der komplizierte Weg ist aber auch nicht ohne komplizierte Gedankengänge zu schaffen.

Ja genau. Warum einfach, wenn's auch kompliziert geht. Man könnte meinen, zu diesem Beitrag hat Hape Kerkeling dir die Hand geführt. Es liest sich so, wie Hape manchmal redet.

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Reklov Offline




Beiträge: 3.147

13.05.2017 17:55
#7 RE: Regente und Párroco antworten

Zitat
Tief. Ins Unbewusste tauchen ist die Sportdisziplin meines Lebens.

Gysi,

... so so, - ich vermute eher, dass Du Dich beim Tauchen ins Unbewusste mit einem Bein in einer Felsspalte eingeklemmt hast und nun die Sauerstoffanzeige langsam auf Null geht.
Aber, - man hatte Dich ja ausgiebig gewarnt - nie alleine zu tauchen!

Gruß von Reklov

Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 16.062

13.05.2017 18:21
#8  Regente und Párroco antworten

Du weißt gar nicht, worüber du spottest. Aber du bist hochmütig und ignorant, das weißt du ja. Und es scheint dir auch noch zu gefallen. Ich verstehe dich nicht. Deine Eigenart und so. Werde ich nie begreifen. Ach - eigentlich doch. Ist aber kein gutes Ergebnis für dich...

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Desperado ( gelöscht )
Beiträge:

14.05.2017 08:22
#9 RE: Regente und Párroco antworten

Seid ihr fertig?

Ich liebe Don Camillo und Pepone, Filme sowie Bücher (natürlich vielschichtiger), weil sie die unentrinnbare Schicksalsgemeinschaft aller Menschen auf köstlich humorvolle Weise zum Ausdruck bringen, die alles andere relativiert.

Reklov Offline




Beiträge: 3.147

14.05.2017 10:47
#10 RE: Regente und Párroco antworten

Zitat
Man könnte meinen, zu diesem Beitrag hat Hape Kerkeling dir die Hand geführt. Es liest sich so, wie Hape manchmal redet.

Gysi,

von H.K. habe ich noch nichts gelesen - ich kenne ihn nur als ausgezeichneten Humoristen. Wie kommst Du aber auf solche Vergleiche?

Gruß von Reklov

Reklov Offline




Beiträge: 3.147

14.05.2017 10:48
#11 RE: Regente und Párroco antworten

Zitat
Ich verstehe dich nicht. Deine Eigenart und so. Werde ich nie begreifen. Ach - eigentlich doch. Ist aber kein gutes Ergebnis für dich...

Gysi,

... nimms mit Humor, dann glättet sich vieles wieder!

Gruß von Reklov

Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 16.062

14.05.2017 11:00
#12 Regente und Párroco antworten

Zitat von Reklov
... nimms mit Humor, dann glättet sich vieles wieder!

Deswegen wohne ich ja im Flachland und du in den Bergen!

PS.: Gib doch Desperado mal 'ne Antwort auf seinen Eingangsbeitrag! Es ist sein Thread!

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