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Atheismus vs. Religionen  


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Dieses Thema hat 29 Antworten
und wurde 1.137 mal aufgerufen
 Christentum
Seiten 1 | 2
Reklov Offline




Beiträge: 5.035

09.04.2019 17:51
#26 RE: Jesus, der gescheiterte Sektenführer Antworten

Zitat
Es ist eigentlich sehr erstaunlich, dass es über einen so wichtigen Mann wie JESUS(ein Mann, der sich als Religionsstifter, der er nicht sein wollte, so wichtig erweisen sollte) so wenig schriftliche Quellen gibt.

seneca,

... keinesfalls ist dies "erstaunlich", denn, wie ich lesen konnte, soll auch z.B. Buddha nur gesprochen und seine Schüler alles aufnotiert haben.

Der "Nazarener" hat keine einzige seöbstverfasste Zeile hinterlassen, deswegen kann man ihm auch schlecht seine "Bibelzitate" als echt, falsch oder "schlimm" auslegen, wie Du es gemacht hast.

Mangelnde schriftliche Quellen über Jesus sind nachvollziehbar, denn der Küstenstreifen des alten Israel war seinerzeit eine röm. Provinz, die keinen so recht interessierte und mangels Einwohnermeldeamt sind Speicherungen, wie wir sie heute kennen, nicht möglich gewesen.
Wenn überhaupt historisch Buch geführt wurde, dann über "wichtige Köpfe" und Vorkommnisse.
Wanderprediger, wie sie ja seinerzeit zahlreich unterwegs waren, interessierten wohl keinen Chronisten.
Das Christentum setzte sich in einer Zeit des Sklaventums auch wegen seiner "Idee" durch, dass >vor Gott alle Menschen gleich sind<.
Dies war ein historischer Schlag ins Gesicht aller selbsternannten "Gottkaiser" und Unterdrücker unterschiedlichster Sorte.

Gruß von Reklov

Reklov Offline




Beiträge: 5.035

10.04.2019 12:13
#27 RE: Jesus, der gescheiterte Sektenführer Antworten

Zitat
Es ist eigentlich sehr erstaunlich, dass es über einen so wichtigen Mann wie JESUS(ein Mann, der sich als Religionsstifter, der er nicht sein wollte, so wichtig erweisen sollte) so wenig schriftliche Quellen gibt.

seneca,

... mit JESUS kam eine neue Betrachtungsweise über "Gott" in unsere Welt. Als "gescheitert" würde ich den Weg Jesu nicht bezeichnen wollen, denn immerhin stützt sich bis heute eine der großen Weltreligionen auf IHN. - "Scheitern" sieht für mich dann doch etwas anders aus. Das "Ende" am Kreuz und die damit gekoppelte "Wiederauferstehung" sind Symbole für das Vergehen des Menschen und seine Hoffnung (nicht Gier!) nach einer Weiterexistenz, die ja nicht nur in einem erdgebundenen, biologischen Körperkonstrukt vorstellbar bleibt.

JESUS war als MENSCH natürlich auch mit den entsprechenden Anlagen versehen, - wie Liebe, Freude, Verzweiflung, Zorn, - etc.
Was den Nazarener "auszeichnet", ist sein Bewusstsein über Dinge, die mit naturwissenschaftlichen Messungen nicht zu erreichen/belegen sind. Sein ihm zugeordneter Satz: "Mein Reich ist nicht von dieser Welt", weist für mich auf das hin, was uns nur über die Erscheinungen der vergänglichen Dinge vor Augen treten, also sinnlich "vermittelt" werden kann. Es mag nun einer sagen/denken, dass dies bereits "alles" ist, was es gibt - ich denke jedoch anders darüber.

Gruß von Reklov

seneca Offline

religiöser Atheist


Beiträge: 669

10.04.2019 17:55
#28 RE: Jesus, der gescheiterte Sektenführer Antworten

Zitat von Reklov im Beitrag #27
... mit JESUS kam eine neue Betrachtungsweise über "Gott" in unsere Welt. Als "gescheitert" würde ich den Weg Jesu nicht bezeichnen wollen, denn immerhin stützt sich bis heute eine der großen Weltreligionen auf IHN. - "Scheitern" sieht für mich dann doch etwas anders aus. Das "Ende" am Kreuz und die damit gekoppelte "Wiederauferstehung" sind Symbole für das Vergehen des Menschen und seine Hoffnung (nicht Gier!) nach einer Weiterexistenz, die ja nicht nur in einem erdgebundenen, biologischen Körperkonstrukt vorstellbar bleibt.JESUS war als MENSCH natürlich auch mit den entsprechenden Anlagen versehen, - wie Liebe, Freude, Verzweiflung, Zorn, - etc.Was den Nazarener "auszeichnet", ist sein Bewusstsein über Dinge, die mit naturwissenschaftlichen Messungen nicht zu erreichen/belegen sind. Sein ihm zugeordneter Satz: "Mein Reich ist nicht von dieser Welt", weist für mich auf das hin, was uns nur über die Erscheinungen der vergänglichen Dinge vor Augen treten, also sinnlich "vermittelt" werden kann. Es mag nun einer sagen/denken, dass dies bereits "alles" ist, was es gibt - ich denke jedoch anders darüber.


Reklov, das ist ein schönes Wort zum Sonntag. Du solltes Prediger werden.
Ja, die Person Jesus wurde ohne sei Zutun zum Mittelpunkt, zum gottgleichen Wesen einer Weltreligion gemacht. Ja, Jesus war ein Mensch (angeblich gleichzeitig ein von Anbeginn präexistenter Gott gem Johannes Evangelium; aber zu dem wurde er erst viel später erklärt) mit Liebe, Freude, Verweifelung, Zorn. In diesem Zusammenhang gefällt mir die Geschichte von der Verfluchung des Feigenbaums nach dem Evangelium Markus und Matthäus:

„Als er [Jesus] am Morgen in die Stadt zurückkehrte, hatte er Hunger. Da sah er am Weg einen Feigenbaum und ging auf ihn zu, fand aber nur Blätter daran [und keine Früchte, denn es war nicht die Zeit der Feigenernte Markus 11,12–25)]. Da sagte er zu ihm: "In Ewigkeit soll keine Frucht mehr an dir wachsen".
Und der Feigenbaum verdorrte [oh Wunder!] auf der Stelle. Als die Jünger das sahen, fragten sie erstaunt: Wie konnte der Feigenbaum so plötzlich verdorren? Jesus antwortete ihnen: Amen, das sage ich euch: Wenn ihr Glauben habt und nicht zweifelt, dann werdet ihr nicht nur das vollbringen, was ich mit dem Feigenbaum getan habe; selbst wenn ihr zu diesem Berg sagt: Heb dich empor und stürz dich ins Meer!, wird es geschehen. Und alles, was ihr im Gebet erbittet, werdet ihr erhalten, wenn ihr glaubt.“
– Matthäus 21,18–22

Es war also eine üble Laune des hungrigen Jesus, den Feigenbaum zu verfluchen. Dafür, dass er keine Früchte trug, konnte der Feigenbaum nichts, denn es war nicht Saison. Letzteres lässt aber Matthäus weg. Es ging Markus und Matthäus darum, ein (weiteres) Wunder von Jesus zu berichten: der Feigenbaum verdorrte auf der Stelle bzw. sie sahen es am nächsten Tag. Dann geht es noch um die sprichwörtliche Aussage, dass Glaube Berge versetzen kann.
Mehr kann man nicht guten Gewissens hinein interpretieren. Es wird aber gemacht (s. wikipedia: Die Verfluchung des Feigenbaums: Eine gleichnishafte Bedrohung des Volkes Israel[?] Das ist weit her geholt. Es fragt sich einfach, wieso Markus und Matthäus eine so dumme Story in das Evangelium einfügen, wo Jesus mit seiner willkürlichen Verfluchung so schlecht aussieht. Aber das fanden die Evangelisten wohl nicht so.

Das entscheidende Wunder, die Vertreibung der Römer und die Entmachtung der korrupten Priesterkaste (mit Gottes Hilfe) konnte Jesus aber nicht vollbringen. Anscheinend glaubte er selber zu wenig. Wenn er nur in Jerusalem nach seinem Einzug, ein einziges wirkliches Wunder vor den Augen Aller vollbracht hätte, wäre ihm die Welt zu Füssen gelegen (gem. Jesus Forscher Reimarus).

Also, mit seinem erklärten Ziel, der Messias zu sein und mit Gottes Hilfe dessen Reich auf der Erde zu errichten, ist er klar gescheitert. "Mein Reich ist nicht von dieser Welt", also jenseitig, ist eine nachträgliche Einfügung des Evangelisten.

Woher hatte Jesus die Idee für seine mission impossible? Vom Zeitgeist, von der politisch-religiösen Unrast, wegen der Unterdrückung durch die Römer, von der "Schrift", vom Alten Testament, von der Messias-Erwartung. Zuerst war Jesus ein Anhänger von Johannes dem Täufer, eines asketischen Wanderpredigers [man stelle sich einen indischen Sadhu vor: um eine Vorstellung von Phänomen der Volksfrömmigkeit zur Zeit Jesu zu bekommen, blicke man nach Indien], dessen Mission er übernahm, aber selber nicht taufte. Wie historisch belegt ist, gab es vor und nach Jesus viele Messiasse. Aber nur Jesus wurde durch geschichtliche und religiöse Umstände mit Hilfe von Paulus zum Zentrum einer neuen Religion, angereichert mit heidnisch-gnostischen Vorstellungen.

Abgesehen davon, dass Jesus sehr widersprüchliche Aussagen von sich gab (die ihm zum Teil nachträglich zugedichtet wurden, wie die theologischen), war Jesus von einem heutigen Menschen sehr verschieden. Jeder kann in Jesus das hineinprojizieren, was er will. Man findet immer eine passende Aussage. Gemäss Franz Alt war Jesus Der erste neue Mann (Buch), der erste Feminist, der erste Mensch, der ökologisch dachte.

Man muss versuchen, vom Lebensgefühl und vom Weltverständnis der damaligen Zeit auszugehen. Dieses können wir nur erahnen. Wir können aber nicht von heute zurück projizieren. Wir müssen einfach Abschied nehmen vom lieben Jesus der Kinderbibel mit den schönen Bildern und uns vorstellen, dass es allenortes schmutzig war und stank und die Städte mit armen, zerlumpten, verrückten Leuten bevölkert waren. Ich denke, Jesus war sicher ein Charismatiker, ein guter Redner mit einem politischen Ziel und einer diffusen religiösen Utopie: die Verwirklichung des Reich Gottes auf Erden. Wahrscheinlich hatte er einen religiösen Wahn mit sich im Zentrum, weil er die Wichtigkeit des Glaubens an seine Person bzw. an seine Mission betont.

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RELIGION IST HEILBAR! (Buch von J. Hochstrasser, Ex-Priester)
Denken ist eine Anstrengung; Glauben ein Komfort (Ludwig Marcuse).
Das Leben ist eine mißliche Sache; ich habe mir vorgesetzt, es damit hinzubringen, über dasselbe nachzudenken (Schopenhauer). - Ich würde nur an einen Gott glauben, der zu tanzen verstünde (Nietzsche, Zarathustra).

SnookerRI Offline

Soul-Societist


Beiträge: 6.359

10.04.2019 20:07
#29 RE: Jesus, der gescheiterte Sektenführer Antworten

Zitat von Athon im Beitrag #23
@SnookerRI

Zitat von Snooker #22
Nun du sagst es ja selbst, dass es sich dabei um Unterstellungen handelt.

Du tust genau das, was Du uns Atheisten immer wieder vorwirfst: Du verstehst Aussagen so, wie Du sie verstehen willst. Eine "Unterstellung" muss nicht eine falsche Behauptung als Grundlage haben. Es kann sich dabei auch um einen Vorwurf, eine Bezichtigung, eine Vorhaltung usw. handeln.

Natürlich muss eine Unterstellung keine falsche Behauptung sein. Ich wundere mich nur nicht, dass sie es ist, wenn die Aussagen eben so verstanden werden wollen...Und von daher gesehen könnt ihr euch eure Vorhaltungen, Bezichtigungen und Vorwürfe gerne selbst vorhalten.


In Memory of Soul-Society

Wohl gibt es zwei Arten von Freunden und es sind diese: Käufliche und Unbezahlbare

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Wir wissen nur so viel, wie wir fragen (Wessel Gansfort, 1419-1489)

seneca Offline

religiöser Atheist


Beiträge: 669

24.04.2019 00:59
#30 Reza Aslan spricht über den geschichtlichen Jesus vs. den Christus des Glaubens Antworten

Reza Aslan spricht über sich und über Jesus in einem ca. zu 25% von Studenten besetzten Auditorium in Aspen (USA) und beantwortet im letzten Drittel Fragen.

Durch die Arbeit an seinem Buch: "Zelot. Jesus von Nazaret und seine Zeit" hat sich Aslan ein profundes Wissen erworben. Hier nur ein Satz vom Vortrag:
Richtig ist, das wir über den historischen Jesus sehr, sehr wenig wissen, aber sehr viel über die Verhältnisse in Palästina zur Zeit Jesu.

Bei Youtube kann man sich einen persönlichen Eindruck von Reza Aslan machen. Dieser Aslan, in T-Shirt und Turnschuhen, kommt sehr locker und sympathisch rüber. Er beherrscht seinen Stoff und spricht frei. Es lohnt sich, das Video ganz anzusehen, auch wenn man, wie ich, nicht perfekt Englisch versteht.

https://www.youtube.com/watch?v=7VOMFjQfJ8w

Vorstellungstext zum youtube Video:
The Jesus of History versus the Christ of Faith
Shifting [wechselnd] through centuries of mythmaking, Reza Aslan sheds new light on one of history’s most influential and enigmatic [rätselhaft] figures by examining Jesus within the context of the times in which he lived: the age of zealotry [Aufruhr]. Balancing the Jesus of the Gospels [Evangelien] against historical sources, Aslan describes a man of peace who exhorted [ermahnen] his followers to arm themselves; an exorcist and faith healer who urged his disciples [Jünger] to keep his identity secret; and the seditious [aufrührerisch] “King of the Jews,” whose promise of liberation from Rome went unfulfilled in his lifetime.
Aslan explores why the early Church preferred to promulgate [verkünden] an image of Jesus as a peaceful spiritual teacher rather than a politically conscious revolutionary and grapples [kämpfen] with the riddle [Rätsel] of how Jesus understood himself. Speaker: Reza Aslan

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