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Dieses Thema hat 6 Antworten
und wurde 374 mal aufgerufen
 Philosophie und Wissenschaft
Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 18.630

27.05.2020 09:23
Albert Einstein und Gott Antworten

Zur alten, leidigen Diskussion über Einsteins angebliche Religiösität ist ein Brief aufgetaucht, das man vielleicht diskutieren könnte: => (Der folgende Text ist aus dem Netz):

Ein bislang unveröffentlichter Brief von Albert Einstein beendet die Debatte über seine religiösen Ansichten.

"Wissenschaft ohne Religion ist lahm, Religion ohne Wissenschaft ist blind." Das sagte Albert Einstein und sein berühmter Aphorismus war seitdem Quelle endloser Debatten zwischen Gläubigen und Ungläubigen, die den größten Wissenschaftler des 20. Jahrhunderts zu sich zählen wollen.

Ein wenig bekannter Brief von ihm könnte jedoch dabei helfen, den Streit zu beenden – oder zumindest könnte er eine weitere Kontroverse über seine Ansichten auslösen.

Einstein schrieb den Brief am 3. Januar 1954 an den Philosophen Eric Gutkind, der ihm eine Kopie seines Buches Entscheide dich für das Leben: Der biblische Aufruf zur Revolte geschickt hatte. Der Brief wurde ein Jahr später öffentlich zum Verkauf angeboten und befindet sich seitdem in Privatbesitz.

In dem Brief sagt er: "Das Wort Gott ist für mich nichts als Ausdruck und Produkt menschlicher Schwächen, die Bibel eine Sammlung ehrwürdiger aber reichlich primitiver Legenden. Keine noch so feinsinnige Auslegung kann (für mich) etwas daran ändern."

(...)

"Für mich ist die unverfälschte jüdische Religion wie alle anderen Religionen eine Incarnation des primitiven Aberglaubens. Und das jüdische Volk, zu dem ich gerne gehöre und mit dessen Mentalität ich tief verwachsen bin, hat für mich doch keine andersartige Dignität als alle anderen Völker. Soweit meine Erfahrung reicht, ist es auch um nichts besser als andere menschliche Gruppen wenn es auch durch Mangel an Macht gegen die schlimmsten Auswüchse gesichert ist. Sonst kann ich nichts 'Auserwähltes' an ihm wahrnehmen."

Der Brief wird bei den Bloomsbury Auktionen in Mayfair am Donnerstag versteigert werden und man rechnet mit bis zu 8000 Pfund. Dieser handgeschriebene, deutsche Beitrag ist nicht im Quellenmaterial des maßgeblichen akademischen Textes zum Thema gelistet, in Max Jammers Buch "Einstein und die Religion".

Einer der führenden Einstein-Experten des Landes, John Brooke von der Oxford Universität, räumte ein, noch niemals davon gehört zu haben.

(...)

In seinen späteren Jahren sprach er von einem "kosmischen, religiösen Gefühl", das seine wissenschaftliche Arbeit durchdrang und stützte. 1954, ein Jahr vor seinem Tod, sagte er, er möchte "das Universum als einziges kosmisches Ganzes erfahren". Er gebrauchte auch gerne religiöse Ausschmückungen wie seine Erklärung von 1926, "Gott würfelt nicht", als er Bezug nahm auf den Zufall, den die Quantentheorie ins Spiel brachte.

Einstein ist am bekanntesten für seine Relativitätstheorien und die berühmte Gleichung E=mc², welche das Verhältnis von Masse und Energie beschreibt, aber seine Ansichten über die Religion waren lange Zeit umstritten. Seine Eltern waren nicht religiös, aber er besuchte eine katholische Grundschule und erhielt zur gleichen Zeit Privatunterricht im Judaismus. Dies war der Ansporn für das, was er später als sein "religiöses Jugendparadies" bezeichnete, während dessen er religiöse Regeln einhielt, wie etwa kein Schweinefleisch zu essen. Es blieb jedoch nicht lange so und im Alter von zwölf Jahren hinterfragte er den Wahrheitsgehalt vieler Bibelgeschichten.

"Die Folge war eine geradezu fanatische Orgie des freien Denkens, die sich mit dem Eindruck vermischte, dass die Jugend durch den Staat mit Lügen verblendet wird; es war ein vernichtender Eindruck", schrieb er später.

(...)

Albert Einstein in einem Brief vom 24. März 1954, von Albert Einstein: The Human Side. Hrsg. von Helen Dukas und Banesh Hoffman. Princton, New Jersey 1981, S. 43. Eigene Übersetzung.

Übersetzung: Andreas Müller
Quelle: James Randerson. Childish superstition: Einstein's letter makes view of religion relatively clear. Guardian. 12. Mai 2008.

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Athon Offline




Beiträge: 3.264

27.05.2020 16:07
#2 RE: Albert Einstein und Gott Antworten

@Gysi

Zitat
Einer der führenden Einstein-Experten des Landes, John Brooke von der Oxford Universität, räumte ein, noch niemals davon gehört zu haben.


Ich weiß nicht, wann John Brooke dies eingeräumt hat, aber ich habe Teile dieses Briefes bereits seit 2015 auf meinem Rechner. Auch diesen Auszug:

Zitat
Es ist natürlich eine Lüge, was Sie über meine religiöse Überzeugung lesen, eine Lüge, die systematisch wiederholt wird. Ich glaube nicht an einen persönlichen Gott und habe dies nie verhehlt, sondern habe es klar zum Ausdruck gebracht. Wenn es etwas in mir gibt, das religiös genannt werden kann, dann ist es die grenzenlose Bewunderung für die Struktur der Welt, soweit sie die Wissenschaft erkennen kann.



Wenn ich mich richtig entsinne, habe ich diesen Text hier im Forum schon einmal zitiert.

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NUR DER ZWEIFEL LÄSST UNS DENKEN

Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 18.630

27.05.2020 17:03
#3 Albert Einstein und Gott Antworten

Zitat von Athon
Ich weiß nicht, wann John Brooke dies eingeräumt hat, aber ich habe Teile dieses Briefes bereits seit 2015 auf meinem Rechner. Auch diesen Auszug:

Den Auszug hatte schon Richard Dawkins in seinem "Gotteswahn" zitiert. Und der ist 2007 herausgekommen. In dem Brief, der derzeit im Netz diskutiert wird, geht es wohl um einen anderen.

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Athon Offline




Beiträge: 3.264

27.05.2020 17:24
#4 RE: Albert Einstein und Gott Antworten

@Gysi

Zitat
Den Auszug hatte schon Richard Dawkins in seinem "Gotteswahn" zitiert. Und der ist 2007 herausgekommen. In dem Brief, der derzeit im Netz diskutiert wird, geht es wohl um einen anderen.


Der von mir zitierte Auszug entstammt dem von Dir erwähnten Brief an Gutkind von 1954. Habe ich das richtig verstanden, dass der gerade im Web diskutierte ein anderer ist?

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NUR DER ZWEIFEL LÄSST UNS DENKEN

Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 18.630

27.05.2020 17:46
#5 Albert Einstein und Gott Antworten

Zitat von Athon
Der von mir zitierte Auszug entstammt dem von Dir erwähnten Brief an Gutkind von 1954. Habe ich das richtig verstanden, dass der gerade im Web diskutierte ein anderer ist?

Also, es wird ja derzeit von einem neu aufgetauchten, bis dato öffentlich unbekannten und versteigerten Brief berichtet. Und die Zitate, die ich da oben fett gesetzt habe, seinen so noch nicht bekannt gewesen. Vielleicht hatte Albert dem Gutkind in dem Jahr ja zwei Briefe geschrieben.

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Athon Offline




Beiträge: 3.264

28.05.2020 08:17
#6 RE: Albert Einstein und Gott Antworten

@Gysi

Zitat
Also, es wird ja derzeit von einem neu aufgetauchten, bis dato öffentlich unbekannten und versteigerten Brief berichtet. Und die Zitate, die ich da oben fett gesetzt habe, seinen so noch nicht bekannt gewesen. Vielleicht hatte Albert dem Gutkind in dem Jahr ja zwei Briefe geschrieben.


Möglich, aber unser beider Zitate stammen zweifelsfrei aus dem Brief vom 3. 1. 54. Und der ist schon Ende 2018 für knapp 3 Mio. Euro versteigert worden.

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Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 18.630

28.05.2020 08:44
#7 Albert Einstein und Gott Antworten

Zitat von Athon
Möglich, aber unser beider Zitate stammen zweifelsfrei aus dem Brief vom 3. 1. 54. Und der ist schon Ende 2018 für knapp 3 Mio. Euro versteigert worden.

Dann ist es wohl derselbe Brief. Ich hörte in den Nachrichten was von einer neuerlichen Versteigerung. Und dass die Diskussionen über Einsteins Religiösität wohl so langsam eingestellt werden könnten. Oder habe ich das bei Günther Jauch gehört? Ist letztendlich wurscht. Der Brief ist auf jeden Fall ein Jahr vor dem Tod Einsteins von Albert geschrieben worden. D.h., dass er damit all die theistischen Auslegungen seiner Zitate korrigiert hat! Interessant ist auch seine Vermutung als Jugendlicher, (über den Religionsunterricht) 'die Jugend mit Lügen zu verblenden'. Kommt einem alles irgendwie aus dem eigenen Leben bekannt vor...

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