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Atheismus vs. Religionen  


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Dieses Thema hat 191 Antworten
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 Weltliche Ideologien + Politik
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Reklov Offline




Beiträge: 5.756

15.09.2020 13:03
#176 RE: Kapitalismus und Konsum Antworten

Zitat
Das ist es doch, was ich meine: Reichtum i. S. des Gleichnisses vom Nadelöhr und dem Kamel wird nicht von Jesus definiert. Ein Reicher kommt halt nicht in den Himmel, Punkt. Somit wären dann diejenigen, die Reichtum w. o. definieren, die eigentlichen Entscheidungsträger, was ein Reicher sei und daher auch entscheidend für dessen Erlangung des ewigen Lebens. Das kann doch aber nicht sein, oder...?

Athon,

... bevor man sich dazu äußert, sollte man zunächst begreifen, dass es sich hierbei um eines der vielen "Gleichnisse" handelt. Also gilt es, das Gleichnis historisch und psychologisch zu durchleuchten:

Das Kamel ist das größte Tier, dem man in Palästina üblicherweise begegnete. Das Nadelöhr ist die kleinste Öffnung. Das Bild ist also klar: ein Riesenvieh kommt niemals durch ein so winziges Loch, erst recht nicht kommt ein Reicher ins Himmelreich.

Vermutlich aus zwei Gründen hat es verschiedene Umdeutungen dieses an sich klaren Bibelwortes gegeben:
Weil Kamel und Nadelöhr sachlich nichts miteinander zu tun haben (wozu sollte man versuchen, ein Tier durch ein Nadelöhr zu pressen?)
Weil wir ungern hören, dass jemand nur schwer ins Himmelreich kommt (schließlich sind wir - verglichen mit der Dritten Welt - alle ziemlich reich)

Die Forderung nach Kohärenz des Bildes erfüllen aber viele bildhafte Redewendungen nicht, z.B. der Elefant im Porzellanladen, die Warnung Jesu davor, dass das Salz seinen Geschmack verliert (s. Jesu Salzworte), oder sein Wort vom Balken im Auge Mt 7,3.

Die eine Interpretation besagt, dass Nadelöhr die Bezeichnung für eine kleine Mauerpforte in der Stadtmauer von Jerusalem war, durch die ein Kamel, wenn überhaupt, dann nur auf Knien durchrutschen konnte. (Also wenn er schön demütig ist, kommt der Reiche ja vielleicht doch in den Himmel.)

Wie schon oft erwähnt, muss die Bibel historisch, psychologisch und philosophisch gelesen werden (können), ansonsten deutet man, wie Du, manchen Bibeltext voreilig und nicht selten falsch!!!

Gruß von Reklov

SnookerRI Offline

Soul-Societist


Beiträge: 8.255

15.09.2020 18:15
#177 RE: Kapitalismus und Konsum Antworten

Zitat von Athon im Beitrag #175

Das ist es doch, was ich meine: Reichtum i. S. des Gleichnisses vom Nadelöhr und dem Kamel wird nicht von Jesus definiert. Ein Reicher kommt halt nicht in den Himmel, Punkt. Somit wären dann diejenigen, die Reichtum w. o. definieren, die eigentlichen Entscheidungsträger, was ein Reicher sei und daher auch entscheidend für dessen Erlangung des ewigen Lebens. Das kann doch aber nicht sein, oder...?
Was ist denn deiner Meinung nach der Sinn des Gleichnisses vom Nadelöhr und dem Kamel?


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Athon Offline




Beiträge: 3.467

15.09.2020 20:01
#178 RE: Kapitalismus und Konsum Antworten

@SnookerRI

Zitat von Snooker #177
Was ist denn deiner Meinung nach der Sinn des Gleichnisses vom Nadelöhr und dem Kamel?


Muss ich das wissen? Ich bin kein Bibelforscher, ich sehe das geschriebene Wort. Wenn es nur möglich ist, biblische Inhalte ausschließlich auf ihren Sinn zu untersuchen und zu interpretieren, was bleibt dann noch an Wörtlichem übrig? Dann würde es wenig Sinn machen, sich über biblische Inhalte überhaupt noch auszutauschen.

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NUR DER ZWEIFEL LÄSST UNS DENKEN

SnookerRI Offline

Soul-Societist


Beiträge: 8.255

15.09.2020 20:43
#179 RE: Kapitalismus und Konsum Antworten

Zitat von Athon im Beitrag #178
@SnookerRI
Muss ich das wissen? Ich bin kein Bibelforscher, ich sehe das geschriebene Wort.
Nun ja, zu deiner Aussage in #175 bist du ja gekommen, auch ohne ein Bibelforscher zu sein... Wenn du schon sagst:... im Sinne des Gleichnisses... würde mich doch interessieren, welchen Sinn du da meinen könntest.



Zitat von Athon im Beitrag #178
Wenn es nur möglich ist, biblische Inhalte ausschließlich auf ihren Sinn zu untersuchen und zu interpretieren, was bleibt dann noch an Wörtlichem übrig? Dann würde es wenig Sinn machen, sich über biblische Inhalte überhaupt noch auszutauschen.
Für mich gehören Wort und Sinn zu einer Einheit, aus welcher dich die Bedeutung einer Aussage herausarbeiten lässt.


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Athon Offline




Beiträge: 3.467

16.09.2020 07:26
#180 RE: Kapitalismus und Konsum Antworten

@SnookerRI

Zitat von Snooker #179
Nun ja, zu deiner Aussage in #175 bist du ja gekommen, auch ohne ein Bibelforscher zu sein... Wenn du schon sagst:... im Sinne des Gleichnisses... würde mich doch interessieren, welchen Sinn du da meinen könntest.


Hatte ich doch schon, Snooker: Ein Reicher kommt nicht in den Himmel. Darauf begründet sich meine Frage, welchen Maßstab Jesus an "Reichtum" angelegt haben könnte. Denn eine solche Aussage impliziert doch, dass Reichtum - unabhängig davon, wie man ihn erlangt hat - ein Kriterium des Ausschlusses vom ewigen Leben darstellt.

Zitat
Für mich gehören Wort und Sinn zu einer Einheit, aus welcher dich die Bedeutung einer Aussage herausarbeiten lässt.


Dagegen ist auch prinzipiell nichts einzuwenden. Aber einer "arbeitet" so und ein zweiter anders...

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NUR DER ZWEIFEL LÄSST UNS DENKEN

SnookerRI Offline

Soul-Societist


Beiträge: 8.255

18.09.2020 17:24
#181 RE: Kapitalismus und Konsum Antworten

Zitat von Athon im Beitrag #180
Hatte ich doch schon, Snooker: Ein Reicher kommt nicht in den Himmel.
Gut, ich sehe schon, ich muss anders fragen... Auf welche Definition beziehst du dich, welche den Sinn des Gleichnisses deiner Meinung nach wiedergibt?

Zitat von Athon im Beitrag #180
Darauf begründet sich meine Frage, welchen Maßstab Jesus an "Reichtum" angelegt haben könnte. Denn eine solche Aussage impliziert doch, dass Reichtum - unabhängig davon, wie man ihn erlangt hat - ein Kriterium des Ausschlusses vom ewigen Leben darstellt.

Ich kann dieser Implikation nicht folgen. Selbst rechtmäßig erworbener Reichtum kann gewissermaßen zu einem Kriterium für den Ausschluss vom ewigen Leben führen.
Zitat von Athon im Beitrag #180
Dagegen ist auch prinzipiell nichts einzuwenden. Aber einer "arbeitet" so und ein zweiter anders...

Es sind doch gerade die unterschiedlichen "Arbeitsweisen", die den Dialog voran bringen können.


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Reklov Offline




Beiträge: 5.756

19.09.2020 10:51
#182 RE: Kapitalismus und Konsum Antworten

Zitat
Muss ich das wissen? Ich bin kein Bibelforscher, ich sehe das geschriebene Wort. Wenn es nur möglich ist, biblische Inhalte ausschließlich auf ihren Sinn zu untersuchen und zu interpretieren, was bleibt dann noch an Wörtlichem übrig? Dann würde es wenig Sinn machen, sich über biblische Inhalte überhaupt noch auszutauschen.

Athon,

... das geschriebene Wort der Bibel muss auch deswegen "entziffert" werden, weil es viele Bibelübersetzungen gibt.
Das NT wurde z.B. in altgriechischer, das AT in althebräischer Sprache verfasst. Das Althebräische hat (wie zu lesen war) in manchem seiner Worte oft 5-6 Unterbedeutungen.

Als M.Luther die erste deutsche Bibelübersetzung schuf, wurde der bisher nur lateinische Text jedem, der lesen konnte, zugänglich und nicht mehr nur ein Werkzeug, welches Pfarrer für ihre Zwecke benutzen konnten, um persönliche oder verordnete Bibel-Auslegungen der Kirchengemeinde vorzutragen. Diese bestand seinerzeit nicht selten aus vielen Analphabeten.

Nun lag, dank der damals verbesserten Druckerkunst, die deutsche Bibel in vielen Häusern unseres Landes auf dem Tisch und entzündete heiße Diskussionen unter den Menschen, weil Sprache nun mal Interpretationen einfordert. Und dies zurecht, was man ja bereits beim Lesen einer scheinbar einfachen Gebrauchsanleitung erfahren kann.

Wie ich sehe, hast Du beim Gleichnis vom "Reichen" nicht aufgenommen, dass mit dem "Nadelöhr" eine kleine Torpforte in der großen antiken Stadtmauer Jerusalems gemeint war.
Das Kamel kann da auf Knien schon noch "durchrutschen". Ebenso kann der Reiche ins Himmelreich kommen, denn nicht jeder Reiche ist ja wegen seinem Besitz schon automatisch davon ausgeschlossen. Entscheidend ist/bleibt doch sein Lebenswandel und sein Umgang mit dem Reichtum. Soviel Urteilsvermögen sollte man Jesus schon zugestehen können.

Nochmal: Die Bibel muss historisch, psychologisch und philosophisch gelesen werden, sonst steht man vor mancher Textapassage ratlos da.

Gruß von Reklov

Athon Offline




Beiträge: 3.467

19.09.2020 16:29
#183 RE: Kapitalismus und Konsum Antworten

@SnookerRI

Zitat
Gut, ich sehe schon, ich muss anders fragen... Auf welche Definition beziehst du dich, welche den Sinn des Gleichnisses deiner Meinung nach wiedergibt?


Wie sollte ich das können, wenn nicht einmal Jesus selbst die von ihm verwendeten Begriffe erläutert? Ich sage es noch einmal mit anderen Worten: Wenn diejenige Instanz, die die Kriterien für den Einzug ins himmlische Reich festlegt, die Definition dieser Kriterien den für den Einzug ins himmlische Reich in Betracht kommenden Menschen überlässt, ist eine diesbezügliche Aussage nicht vollständig.

Zitat
Ich kann dieser Implikation nicht folgen. Selbst rechtmäßig erworbener Reichtum kann gewissermaßen zu einem Kriterium für den Ausschluss vom ewigen Leben führen.


Alles möglich, Snooker, aber wer legt die Inhalte dieser Kriterien fest? Das ist das, was ich hier herauszufinden versuche.

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SnookerRI Offline

Soul-Societist


Beiträge: 8.255

19.09.2020 19:37
#184 RE: Kapitalismus und Konsum Antworten

Zitat von Athon im Beitrag #183
Wie sollte ich das können, wenn nicht einmal Jesus selbst die von ihm verwendeten Begriffe erläutert?
Wäre es da nicht mal angebracht, einen anderen Blickwinkel in Betracht zu ziehen? Offensichtlich kommst du ja so im Moment auch nicht weiter.

Zitat von Athon im Beitrag #183
Ich sage es noch einmal mit anderen Worten: Wenn diejenige Instanz, die die Kriterien für den Einzug ins himmlische Reich festlegt, die Definition dieser Kriterien den für den Einzug ins himmlische Reich in Betracht kommenden Menschen überlässt, ist eine diesbezügliche Aussage nicht vollständig.

Mag sein, aber so stellt es sich ja nicht dar.

Zitat von Athon im Beitrag #183
Alles möglich, Snooker, aber wer legt die Inhalte dieser Kriterien fest? Das ist das, was ich hier herauszufinden versuche.

Jesus machte an mehreren Stellen in den Evangelien deutlich, dass seine Aussagen nicht aus ihm selbst kommen, sondern das sind, was ihm sein Vater, Jehova, mitgeteilt hat. Wie es scheint, ist es dir nicht möglich, in diesen Aussagen genügend Inhalte für die Kriterien zu finden. Und das mag möglicherweise mit dem Blickwinkel zu tun haben, mit dem du die Aussagen interpretierst.


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Athon Offline




Beiträge: 3.467

20.09.2020 08:31
#185 RE: Kapitalismus und Konsum Antworten

@SnookerRI

Zitat von Snooker #184
Wäre es da nicht mal angebracht, einen anderen Blickwinkel in Betracht zu ziehen? Offensichtlich kommst du ja so im Moment auch nicht weiter.


Habe ich versucht, Snooker, auf mehr als einen möglichen Übersetzungsfehler zu "Kamel" bin ich dabei nicht gestoßen. Aber, auch wenn es sich nicht um ein Kamel gehandelt haben könnte, sondern um ein Schiffstau, von dem Jesus sprach, ändert dies kaum etwas an der Schwierigkeit, dieses durch ein (wörtlich gemeintes) Nadelöhr zu führen.

Zitat
Jesus machte an mehreren Stellen in den Evangelien deutlich, dass seine Aussagen nicht aus ihm selbst kommen, sondern das sind, was ihm sein Vater, Jehova, mitgeteilt hat.


Mag sein, aber ist das für das Verständnis des Textes erheblich?

Zitat
Wie es scheint, ist es dir nicht möglich, in diesen Aussagen genügend Inhalte für die Kriterien zu finden. Und das mag möglicherweise mit dem Blickwinkel zu tun haben, mit dem du die Aussagen interpretierst.


Kriterien für "Reichtum" kann ich in dieser Aussage wahrlich nicht entdecken. Bin ich möglicherweise zu naiv, um hinter klaren Aussagen tiefgründige Inhalte vermuten zu können? Dann könnte es sein, dass ich bisher falsch gefragt habe...

Also: Warum kann ein Reicher nicht ins Reich "Gottes" gelangen bzw. hätte es schwerer, dies zu erreichen?

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Athon Offline




Beiträge: 3.467

20.09.2020 08:53
#186 RE: Kapitalismus und Konsum Antworten

@Reklov

Zitat von Reklov #182
... das geschriebene Wort der Bibel muss auch deswegen "entziffert" werden, weil es viele Bibelübersetzungen gibt.


Ich weiß, Reklov, deswegen könnte es sich bei der Übersetzung in "Kamel" auch um einen Fehler gehandelt haben...

Zitat
Wie ich sehe, hast Du beim Gleichnis vom "Reichen" nicht aufgenommen, dass mit dem "Nadelöhr" eine kleine Torpforte in der großen antiken Stadtmauer Jerusalems gemeint war.


Diese Variante ist historisch nicht eindeutig belegt, Reklov, und wurde - soviel ich eruieren konnte - in der Zwischenzeit allgemein verworfen.

Zitat
Ebenso kann der Reiche ins Himmelreich kommen, denn nicht jeder Reiche ist ja wegen seinem Besitz schon automatisch davon ausgeschlossen. Entscheidend ist/bleibt doch sein Lebenswandel und sein Umgang mit dem Reichtum. Soviel Urteilsvermögen sollte man Jesus schon zugestehen können.


Es ist aus dem reinen Text nicht ersichtlich, dass dieser unter Zugrundelegung menschlichen Deutungsvermögens gelesen werden müsse. Es ist aus dem Gleichnis ebenfalls nicht erkennbar, dass der Umgang eines Reichen mit seinem Besitz und sein Lebenswandel ein Kriterium dafür darstellen, ins Himmelreich gelangen zu können oder nicht.

Zitat
Die Bibel muss historisch, psychologisch und philosophisch gelesen werden, sonst steht man vor mancher Textapassage ratlos da.


Richtig. Und da der Mensch diese "Deutungs- und Interpretationshoheit" besitzt, erscheint es auch möglich, dass biblische Inhalte nicht zwangsläufig historische Fakten widerspiegeln. Ist nur meine Meinung, die jetzt nicht wieder zu einer Grundsatzdebatte führen sollte...

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SnookerRI Offline

Soul-Societist


Beiträge: 8.255

20.09.2020 09:35
#187 RE: Kapitalismus und Konsum Antworten

Zitat von Athon im Beitrag #185
Habe ich versucht, Snooker, auf mehr als einen möglichen Übersetzungsfehler zu "Kamel" bin ich dabei nicht gestoßen. Aber, auch wenn es sich nicht um ein Kamel gehandelt haben könnte, sondern um ein Schiffstau, von dem Jesus sprach, ändert dies kaum etwas an der Schwierigkeit, dieses durch ein (wörtlich gemeintes) Nadelöhr zu führen.
Ich meinte eher einen anderen Blickwinkel in Bezug auf den begriff Reichtum und seine Kriterien. Aber wenn du schon alles versucht hast, ist es dir scheinbar wirklich einfach nur nicht möglich, einen anderen Blickwinkel in Betracht zu ziehen.

Zitat von Athon im Beitrag #185
Mag sein, aber ist das für das Verständnis des Textes erheblich?
Nein. Hier geht es eher um den Bezug zu deiner Frage, ob und wenn ja hier überhaupt jemand irgendetwas festlegt.

Zitat von Athon im Beitrag #185
Kriterien für "Reichtum" kann ich in dieser Aussage wahrlich nicht entdecken. Bin ich möglicherweise zu naiv, um hinter klaren Aussagen tiefgründige Inhalte vermuten zu können? Dann könnte es sein, dass ich bisher falsch gefragt habe...
Das hat meines Erachtens nach nichts mit einer angeblichen "Naivität" oder "falscher Art zu fragen" zu tun. Du stellst deine Fragen aus deinem Blickwinkel heraus, mit dem du herausfinden willst, was für Kriterien es für Reichtum gibt und wer diese festlegt.


Zitat von Athon im Beitrag #185
Also: Warum kann ein Reicher nicht ins Reich "Gottes" gelangen bzw. hätte es schwerer, dies zu erreichen?
Weil das Leben und insbesondere das ewige Leben als Gabe Gottes nicht von Reichtum im Sinne von materiellem Besitz abhängt, sondern von einem guten Verhältnis zu Gott. Materieller Reichtum geht vorüber. Spätestens mit dem Tod verliert er seine Bedeutung für das Individuum. König Salomo - über den wir diesbezüglich schon gesprochen haben, bracht es auf den Punkt:

Zitat von Salomo in Spr. 23:4,5
Verausgabe dich nicht, um zu Reichtum zu kommen.
Hör auf und zeige Verstand.
Wenn du einen Blick darauf wirfst, ist er weg,
denn er wird bestimmt Flügel bekommen wie ein Adler und in den Himmel wegfliegen



Die Frage ist also: Konzentriert sich ein Mensch auf vergänglichen und damit bedeutungslosen Reichtum und auf einen guten Ruf bei Gott, wodurch ihm ewiges Leben mit allen Annehmlichkeiten möglich wird?

Vielleicht hilft dir auch ein weiterer Vergleich Jesu zum Thema Reichtum aus Lukas 11:13-21:

Zitat
Es sprach ihn nun jemand aus der Menge an: „Lehrer, sag meinem Bruder, er soll das Erbe mit mir teilen.“Er erwiderte: „Mensch, wer hat mich zum Schlichter zwischen euch beiden eingesetzt?“Dann sagte er zu ihnen: „Haltet die Augen offen und hütet euch vor jeder Art von Gier, denn wenn jemand auch noch so viel hat, sein Besitz gibt ihm kein Leben.“ Dazu brachte er einen Vergleich: „Das Land eines Reichen lieferte gute Erträge. ;Da überlegte er: ‚Ich weiß nicht, wo ich meine ganze Ernte unterbringen soll. Was mach ich jetzt nur?‘ Schließlich beschloss er: ‚So mach ich’s: Ich reiße meine Vorratshäuser ab, baue größere, bringe mein ganzes Getreide und alle meine Güter dorthin ;und sage mir: „Du hast so viel Gutes angesammelt, dass es für viele Jahre reicht. Lehn dich zurück, iss, trink und genieß das Leben.“‘ Doch Gott sagte zu ihm: ‚Du Unvernünftiger, noch heute Nacht wird man dein Leben von dir fordern. Wer soll dann alles bekommen, was du angesammelt hast?‘ So ergeht es jemandem, der Schätze für sich ansammelt, aber in Gottes Augen nicht reich ist.“


In Memory of Soul-Society

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Reklov Offline




Beiträge: 5.756

20.09.2020 10:26
#188 RE: Kapitalismus und Konsum Antworten

Zitat
Wie sollte ich das können, wenn nicht einmal Jesus selbst die von ihm verwendeten Begriffe erläutert?

Athon,

... die zeitlosen Gleichnisse Jesu sind nun wirklich keine unlösbaren Rätselworte und können mit etwas Selbsterkenntnis und Lebenserfahrung leicht aufgenommen werden. Ein Unerfahrener mag diese Gleichnisse entsprechend schwerer verinnerlichen. Solches trifft aber nicht nur auf biblische Gleichnisse zu, sondern erstreckt sich z.B. auch auf den Text-Inhalt von Theaterstücken oder Gedichten. Bekanntlich werden sogar Witze nicht von allen "verstanden", da sie in vielen Fällen auf speziellem Wissen aufgebaut sind.

Gruß von Reklov

Athon Offline




Beiträge: 3.467

20.09.2020 18:54
#189 RE: Kapitalismus und Konsum Antworten

@Reklov

Zitat von Reklov #188
... die zeitlosen Gleichnisse Jesu sind nun wirklich keine unlösbaren Rätselworte und können mit etwas Selbsterkenntnis und Lebenserfahrung leicht aufgenommen werden. Ein Unerfahrener mag diese Gleichnisse entsprechend schwerer verinnerlichen.


Nun, Reklov, mein bisheriges Leben ist atheistisch geprägt, und ich gehe davon aus, dass dies auch so bleiben wird. Somit hast Du schon recht, dass ich hinsichtlich biblischer Schilderungen und entsprechenden stilistischen Ausdrucksformen nicht hinreichend Erfahrungen gesammelt habe.

Wäre meine Überzeugung in dieser Hinsicht eine andere, und ich müsste jede Bibelformulierung auf einen möglichen, aber nicht zwingend vorhandenen Hintergrund untersuchen, würde dies darauf hinauslaufen, durch entsprechend angepasste Interpretationen die Bibel in jedem Falle als das Maß aller Dinge beizubehalten. Dafür bin ich jedoch nicht unkritisch genug...

Zitat
Solches trifft aber nicht nur auf biblische Gleichnisse zu, sondern erstreckt sich z.B. auch auf den Text-Inhalt von Theaterstücken oder Gedichten. Bekanntlich werden sogar Witze nicht von allen "verstanden", da sie in vielen Fällen auf speziellem Wissen aufgebaut sind.


Merkwürdig, nicht? Damit habe ich beispielsweise weniger "Probleme"...

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Reklov Offline




Beiträge: 5.756

21.09.2020 14:43
#190 RE: Kapitalismus und Konsum Antworten

Zitat
Merkwürdig, nicht? Damit habe ich beispielsweise weniger "Probleme"...


Athon,

... viele jokes werden nur von "Eingeweihten" verstanden.
Unter Musikern kursiert z.B. die witzige Redensart:
"Komm - lass uns Blues spielen, - dann brauchen wir nicht zu üben."

Ein Laie kann darüber nicht sonderlich lachen, denn er weiß ja nicht um den eigentlichen "Hintergrund" zu dieser Aufforderung.

Gruß von Reklov

Reklov Offline




Beiträge: 5.756

22.09.2020 11:09
#191 RE: Kapitalismus und Konsum Antworten

Zitat
Wäre meine Überzeugung in dieser Hinsicht eine andere, und ich müsste jede Bibelformulierung auf einen möglichen, aber nicht zwingend vorhandenen Hintergrund untersuchen, würde dies darauf hinauslaufen, durch entsprechend angepasste Interpretationen die Bibel in jedem Falle als das Maß aller Dinge beizubehalten. Dafür bin ich jedoch nicht unkritisch genug...

Athon,

... vor diesem Problem stand bereits HIERONYMUS, welcher die erste lateinische Bibelübersetzung (VULGATA) machte. Eine Arbeit von Jahren.

>> Im Auftrag des Papstes Damasus begann dessen Vertrauter Hieronymus nach 382 eine Revision der lateinischen Übersetzungen der Evangelien. Dabei bearbeitete er in geringerem Umfang auch die übrigen Schriften des Neuen Testaments. Nach dem Tod des Papstes 384 übersiedelte Hieronymus nach Bethlehem und wandte sich der Übersetzung des Alten Testaments zu.
Anfangs übersetzte Hieronymus einige alttestamentliche Bücher aus der griechischen Septuaginta: den Psalter, das Buch Hiob, die Sprichwörter, das Hohelied, das Buch Kohelet sowie das erste und zweite Buch der Chronik.
Dem ließ er ab 393 eine Übersetzung des gesamten Alten Testamentes folgen, laut eigenen Angaben „nach dem Hebräischen“ (iuxta Hebraeos), vermutlich aber auch auf Basis der von Origenes aufbereiteten Hexapla-Ausgabe, die neben der griechischen Septuaginta-Version und anderen griechischen Übersetzungen auch den hebräischen Text in griechischer Transkription enthielt. Die neuere Forschung schätzt inzwischen die hebräische Sprachkompetenz des Hieronymus wieder höher ein. << (Quelle: Internet)

Das "Maß aller Dinge" ist für mich nicht die Bibel, sondern die unbekannte "Schöpfermacht", mag sich ihr einer nun biblisch, geistes- oder naturwissenschaftlich nähern.

Gruß von Reklov

SnookerRI Offline

Soul-Societist


Beiträge: 8.255

26.09.2020 11:48
#192 RE: Kapitalismus und Konsum Antworten

Lasst uns das Thema auch aus dem Blickwinkel der aktuellen Covid19 Pandemie betrachten.

Wird sich das Konsumverhalten verändern?

Wenn ja: Welche Veränderungen sind zu erwarten?

In der Forschung, die das Konsumverhalten untersucht, wird auf drei grundlegende Beobachtungsfelder verwiesen:

1. Befriedigung von aufgestauter Nachfrage

Wie stark sich diese aufgestaute Nachfrage "entladen" wird, dürfte auch zum großen Teil davon abhängen, welche finanziellen Einbußen eine Person während der Pandemie hinnehmen musste. Vorrangig werden dann aber Artikel sein, die nicht im engeren Sinne zur Grundversorgung zählen. Das ist eine Erfahrung aus der Rezession von 2009 und den folgenden Jahren besonders in den USA. Zudem werden Unternehmen wohl ein Auge darauf haben, alltagsgebräuchliche, erschwingliche Konsumgüter auf einem höheren Luxusniveau anzubieten. Die Konsumenten wollen sich nach einer solchen Krise zwar den ein oder anderen Luxus gönnen, müssen sich aber dennoch im Rahmen ihrer finanziellen Möglichkeiten bewegen können. Wahrscheinlich wird es aber auch wieder jene geben, die sich nach der verhältnismäßig langen Zeit des eingeschränkten Konsums, nicht beherrschen können und über ihre Verhältnisse konsumieren, was zu einer Erhöhung der privaten Insolvenzen führen könnte.


2. Kontrolle
In Zeiten, wie diesen wird deutlich, dass sich die Konsumenten sehr davor fürchten, die Kontrolle zu verlieren. Das erkennt man nicht nur an den "Hamsterkäufen" von Nudeln und Klopapier sowie jeweils anderen Artikeln in anderen Ländern. Produkte und Marken, die den Konsumenten Sicherheit und Kontrolle versprechen, werden auch nach der Pandemie weiterhin zu den gefragten Artikeln gehören. Die Digitalisierung scheint ebenfalls einen Beitrag zu leisten, wenn es darum geht, die Furcht vor Kontrollverlust zu verringern. Die Harvard-Universität sieht in den folgenden Bereichen starke Zuwachsraten:

Telemedizin

Desinfektionsmittel und Hygieneartikel

Organisationsprodukte wie Behälter

Apps und Geräte, die kontaktloses Konsumieren ermöglichen

Apps, die Kontaktverfolgung ermöglichen

Drohnen und selbstfahrende Fahrzeuge

Nicht alles wird hier vorbehaltlos als positive Entwicklung wahrgenommen. Bei den Bereichen Apps, die "Kontaktverfolgung ermöglichen" und "Drohnen" dürften nicht wenige auch ein zu hohes Maß an "Überwachung" empfinden.

3. Stabilität und Nostalgie

Innovation muss hier beide Parameter berücksichtigen. Das Bedürfnis des Menschen nach Stabilität und Nostalgie (altbewährte Marken, geringe Risikobereitschaft, Qualität vor Quantität). Interessant ist auch die Frage: Was ist für die Lösung von sozialen Problemen relevanter: Unternehmen mit ihren Marken oder Regierungen?

Dass viele Unternehmen jetzt im Zuge der "Rassismusdebatte" ihre Markennamen verändern, mag ebenfalls ein Hinweis darauf sein, dass Engagement und Relevanz in puncto sozialer Verantwortung gerade für jüngere Konsumenten ein entscheidender Faktor bei der Kaufentscheidung wird und eher bei den Unternehmen selbst, als bei der Politik gesehen wird.


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