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Dieses Thema hat 35 Antworten
und wurde 1.038 mal aufgerufen
 Christliche Kultur und Politik
Seiten 1 | 2
Gysi Online

Atheist


Beiträge: 19.028

27.10.2020 09:17
#26 Was ist Kunst? Antworten

Zitat von Reklov
Ganz einfach: Auch ohne Instrument kann jeder selber testen, dass, wenn er einen Ton singt, dieser sich bald als Oktave in höherer Frequenz wiederholt. Nun haben die Urvölker diesen Tonabstand von 8 Tönen (Oktave) ebenfalls gehört und diesen dann in harmonische Stufen unterteilt - in Prim, Sekunde, Terz, Quarte, Quinte, Sexte, Septime, bis ihr Gehör wieder auf dem achten Ton, der nächst höheren Oktave landete.

Und diese acht Oktaven sind überall gleich? Und die Vierteltöne, mit denen die indischen Musiker arbeiten, leiten sich von denen ab?

Aber man kann doch irgendeinen Ton setzen - statt dem 'klassischen' A-Ton - und von dem in entsprechend 'sauberen' Abständen andere Töne anreihen und mit denen gut klingende Musik machen. Ist doch so, oder? Dann sind der Grund für melodisches Empfinden nicht der Ton, die Töne an sich, sondern die Abstände zwischen ihnen!

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"Ich bin vom Glauben zum Wissen konvertiert!" (Hamed Abdel-Samad)

Reklov Offline




Beiträge: 5.897

27.10.2020 13:50
#27 RE: Was ist Kunst? Antworten

Zitat
Und diese acht Oktaven sind überall gleich? Und die Vierteltöne, mit denen die indischen Musiker arbeiten, leiten sich von denen ab?

Gysi,

... 1 Oktave enthält immer 8 Töne, egal, von welchem Ton man ausgeht.
Fängt einer z.B. beim Ton f' an, dann landet er nach 8 Zwischentönen (ganze Töne, die Halbtöen sind mit inbegriffen!) auf dem nächst höheren f. Geht er von dem gewählten f' nach unten, landet er auf dem nächst tieferen, dem sog. zweigestrichenen f''.

Als Oktave bezeichnet man in der Musik das Intervall zwischen zwei Tönen, das acht Tonstufen einer diatonischen Tonleiter umspannt. Beispiel: Tonleiter von f' nach f'' – Oktave f' f'' hintereinander gespielt – Oktave f' f'' gleichzeitig gespielt. Mit „Oktave“ kann auch die achte Tonstufe selbst oder auch ein Oktavraum gemeint sein.

Auf beigefügtem link sieht man sehr übersichtlich die 88 Klaviertasten und kann leicht daran ablesen, dass z.B. der Ton c dort 7x vorkommt . Von tief nach hoch sind es also 7 Oktaven bei denen der Ton c in versch. Frequenzbereichen erklingt:


http://www.sengpielaudio.com/Rechner-notennamen.htm

Zu Deiner Frage:
Vierteltöne liegen jeweils zwischen 2 Halbtönen. Auf der Klaviertastatur ist (konstruktionsbedingt) kein Viertelton spielbar, weil die schwarzen Tasten die Halbtöne, die weißen Tasten die Ganztöne bilden. - Auf der Gitarre kann man jedoch Vierteltöne erzeugen, indem man die Saiten leicht (nach Gehör!!!) mit der linken Hand etwas hochzieht (bending), was z.B. beim Blues gerne gemacht wird und ihm seinen typischen, wehklagenden Charakter verleiht. Viele Gitarristen ziehen aber meistens einen halben Ton hoch, wenn sie Blues spielen.

Zitat
Aber man kann doch irgendeinen Ton setzen - statt dem 'klassischen' A-Ton - und von dem in entsprechend 'sauberen' Abständen andere Töne anreihen und mit denen gut klingende Musik machen. Ist doch so, oder?

Der klassische Ton A ist lediglich der Ton, nach dem alle Instrumente eines Orchesters oder einer Band sich "justieren", damit alle mit gleicher Stimmung spielen. (Ansonsten entstünde der übelste Katzenjammer!

Komponiert, spielt oder singt jemand, so kann er natürlich von jedem Ton aus seine Melodie starten lassen. Allerdings kommen jetzt dabei die Gesetze der versch. TONARTEN ins Spiel.

Die unterschiedlichen Tonarten haben versch. sog. VORZEICHEN hinter dem Notenschlüssel. Daran erkennt der Vortragende, dass er bei bestimmten Tonarten diese beachten muss. Nur c-Dur hat keine Vorzeichen.

Spielt aber jemand in G-Dur, so muss er, anstatt einem f, ein fis spielen, weil die G-dur Tonleiter dies verlangt. Siehe dieses Beispiel, bei der das # auf der f-Linie der 5 Notenlinien steht:

https://www.google.com/search?client=firefox-b-e&q=G+dur

D-Dur hat z.B. 2 Kreuze (## auf f- und c) und deswegen muss man hier stets ein Fis und ein Cis spielen/singen. (Es geht hinauf bis zu der Tonart Cis-Dur mit 7 Kreuzen.)

Dann gibt es noch die sog. b-Tonarten, welche versch. b vorgeben. Hier ist dann der Ton entsprechend um einen Halbton zu senken. Also z.B. von A nach Ab.
Auch bei den b-Tonarten geht es von F-Dur (mit einem b als Vorzeichen) hinauf bis zur Tonart Ces-Dur (mit sieben b).

https://www.mu-sig.de/Theorie/pdf/Tonarten.pdf

Anfänger müssen sich zunächst, über einen langen Zeitraum hinweg, immer wieder mit diesen Tonleitern beschäftigen und auch Sänger lernen während ihrer langen Ausbildung perfekte Tonleitern zu singen, und zwar in Dur und in Moll!!! - Eine klassische Instrumental- oder Gesangsausbildung dauert leicht bis zu 7 Jahren und mehr! Auch im Jazz, Pop und Rock sind solche Dinge unverzichtbares BASISWISSEN, ohne das kein Musik-Profi Geld verdienen kann.

Tja - Musik ist eine Wissenschaft, die nicht allein nur mit dem Ohr oder etwas Talent auf die Schnelle gelernt werden kann. Es gibt hier (wie in anderen Berufen auch) gute und weniger gute Fachleute, die dann eben sehr gut, gut oder schlecht bezahlt durchs Leben gehen. In einem klassischen Orchester bekommt z.B. kein/e Geiger/in eine Anstellung, der/die nicht a) ein Studium nachweisen und b) den hohen Anforderungen genügen kann, denn - Orchesterleiter hören während des üblichen Vorspielens entsprechende Qualität bereits nach wenigen Takten. Geprüft/verlangt werden sicheres Notenlesen und spieltechnische Fähigkeiten, da klassische Kompositionen nicht selten ein hohes Tempo vorgeben, das einem Sturmwind gleicht.

Deswegen tun sich Musiker, die eine solide klassische Ausbildung durchlaufen haben, auch im Jazz- und Rockbereich leichter, weil auch hier das Tempo schwindelerregend hoch sein kann und gut trainierte Fingerfertigkeit ein nicht zu ersetzender Vorteil ist.

Als seinerzeit die ersten Gitarrensolos von DEEP PURPLE od. LED ZEPPELIN zu hören waren, wusste mancher E-Gitarrist, der sich für "gut" hielt - wo der Hammer hängt und mancher musste über Monate nicht nur wieder die Skalen (Modes) üben, sondern auch das Tempo seiner Finger auf dem Griffbrett erheblich steigern, wollte er in einer entsprechenden Band Geld verdienen.

Gruß von Reklov

Gysi Online

Atheist


Beiträge: 19.028

27.10.2020 15:21
#28 Was ist Kunst? Antworten

@Reklov

Ja, danke für die ausführlichen Abhandlungen. Aber eine Antwort auf meine Behauptung sind die nicht: =>

Zitat von Gysi
Aber man kann doch irgendeinen Ton setzen - statt dem 'klassischen' A-Ton - und von dem in entsprechend 'sauberen' Abständen andere Töne anreihen und mit denen gut klingende Musik machen. Ist doch so, oder? Dann sind der Grund für melodisches Empfinden nicht der Ton, die Töne an sich, sondern die Abstände zwischen ihnen!

Ist doch richtig, oder? Musik ist die 'saubere' Anordnung von Tönen zueinander! Also sind Musik zuvorderst die einwandfreien Abstände zwischen den Tönen! Das bemerke ich, wegen der Aussage von George Harrison, 'im Ton' sei 'Gott'... Ich glaube, 'das Göttliche' ist das dazwischen...

Und Oktaven kann man doch von jedem Ausgangston bilden? Auch von 'schmutzigeren', die nicht so glockenhell klingen wie das A?

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"Ich bin vom Glauben zum Wissen konvertiert!" (Hamed Abdel-Samad)

Reklov Offline




Beiträge: 5.897

29.10.2020 15:05
#29 RE: Was ist Kunst? Antworten

Zitat
Aber man kann doch irgendeinen Ton setzen - statt dem 'klassischen' A-Ton - und von dem in entsprechend 'sauberen' Abständen andere Töne anreihen und mit denen gut klingende Musik machen. Ist doch so, oder?

Gysi,

... man kann von jedem Ton unserer Tonleiter (auch von den dazwischen liegenden Halbtönen!) eine Melodie aufbauen. Sie richtet sich aber in jedem Fall nach den Regeln/Vorgaben, welche uns die Kreuz (#) und b-Tonarten zuweisen.
Der unten angefügte link zeigt alle Tonarten sehr anschaulich in einem Kreis angeordnet:

https://www.google.com/search?q=Die+Tona...=c_TGCPvFalElaM

Zitat
Dann sind der Grund für melodisches Empfinden nicht der Ton, die Töne an sich, sondern die Abstände zwischen ihnen!

Richtig. - Aber Vorsicht: Mit Tönen, die willkürlich aus versch. Tonarten einen wilden Mix erzeugen, würde man keine gefällige Melodie, bei der man gerne mitsummt, hinbekommen.
Vergleichbar dazu ist das zufällige Werk, welches entsteht, wenn jemand Farbdosen auf eine Leinwand wirft, ohne diese nach ästhetischer Farbenlehre zu ordnen. Es entsteht dabei lediglich ein "wildes" Gekleckse.
Mein kleiner Enkel legte neulich alle Finger auf die Tastatur vom Piano meines Sohnes und hämmerte wild über die Tasten los - ohne Regeln und System. Entsprechend klang die "Musik".
Entscheidend für die Spannung innerhalb schöner Melodien ist auch die Länge der jeweiligen Töne!!! Alle Töne einer Komposition gleich lang gespielt, ergäbe pure Langeweile. Ein guter Komponist mixt also versch. Tonhöhen und Tonlängen (Ganze, Halbe, Viertel, Achtel, Sechszehntel, Zweiunddreißigstel) auf gekonnte Weise vorbildlich zusammen. Ohne Studium der Musik gelingt dies kaum. Man kann zwar einfache und eingängige Lieder komponieren, die beim Hörer bestens ankommen - zu Werken, wie sie z.B. JOHANNES BRAHMS schuf, braucht es aber schon eine gediegene Ausbildung, abgesehen von der so oft angesprochenen Begabung.

Zitat
Musik ist die 'saubere' Anordnung von Tönen zueinander! Also sind Musik zuvorderst die einwandfreien Abstände zwischen den Tönen! Das bemerke ich, wegen der Aussage von George Harrison, 'im Ton' sei 'Gott'... Ich glaube, 'das Göttliche' ist das dazwischen...

Ganz so falsch war die Aussage von George Harrison nicht, denn jeder Ton ist brauchbar/nötig, um eine "entsprechende" Melodie zu bilden. Anders gesagt: Jede Perle trägt zum Aussehen einer Perlenkette bei.

Bei seinem Song WHILE MY GUITAR GENTLY WEEPS hat George seine Sache gut gemacht, weil er die Regeln der Musik-Theorie bestens anwendete: Die Melodie (Gesang) wird von dazugehörigen Akkordmustern bestens unterstützt. Gitarre, Bass und Schlagzeug machen ebenfalls einen guten Job, spielen ihren Part so, dass man von einem überlegten Arrangement sprechen kann.

Bei Amateur-Bands wird das Arrangement oft vernachlässigt. Man spielt die Stücke eben so gut, wie man es handwerklich hinbekommt. Allein schon der mehrstimmige Satzgesang der BEATLES hat damals viele Bands überfordert, weil hier versch. Stimmlagen zusammenkommen und die versch. Gesang-Linien auch absolut sauber getroffen werden müssen. (Man sollte hierbei auch zusammen ein- und ausatmen!) Nicht nur mit ihrem großen Hit H E L P zeigten die BEATLES, dass sie mehrstimmigen Gesang bestens beherrschten. Dass dies immer wieder geübt werden muss, will ich nicht unerwähnt lassen, weil das Gehirn eine länger nicht mehr gesungene Linie glatt vergisst.

Gruß von Reklov

Gysi Online

Atheist


Beiträge: 19.028

29.10.2020 15:18
#30  Was ist Kunst? Antworten

Zitat von Reklov
Ganz so falsch war die Aussage von George Harrison nicht, denn jeder Ton ist brauchbar/nötig, um eine "entsprechende" Melodie zu bilden. Anders gesagt: Jede Perle trägt zum Aussehen einer Perlenkette bei.

Die Perlen formen sich aber zu keinem schönen Bild, wenn sie wild durcheinandergewürfelt werden! Es ist die Ordnung der Perlen zueinander, die die Schönheit ausmacht! Und es müssen auch keine Edelsteine sein, die zu einer Schönheit geordnet werden. Einfache Kalkmuscheln vom Borkum-Strand tun es auch... Es ist die ORDNUNG, die tote Steine zum LEBEN entzündet!

Zitat
Bei seinem Song WHILE MY GUITAR GENTLY WEEPS hat George seine Sache gut gemacht,

Das Weiße Album ist mein Lieblingsalbum von den Beatles.

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Reklov Offline




Beiträge: 5.897

31.10.2020 13:40
#31 RE: Was ist Kunst? Antworten

Zitat
Die Perlen formen sich aber zu keinem schönen Bild, wenn sie wild durcheinandergewürfelt werden! Es ist die Ordnung der Perlen zueinander, die die Schönheit ausmacht!

Gysi,

richtig ... dies habe ich ja auch in meinen Beiträgen über die Ordnung in der Musik deutlich gemacht.
Diese Ordnung stammt aber nicht von uns, denn jeder kann, allein mit seiner Stimme, bereits "hören", wenn er einen ihm möglich tiefen Ton anstimmt, dass er, wenn er hoch geht, seine Stimme bald auf der nächsten Oktave dieses zuerst angestimmten tiefen Tons landet. Diesen Abstand hat man in der Geschichte der Menschheit schon früh zu unterteilen/ordnen begonnen.
Nicht ohne Grund tragen die sog. Modes (Modale Tonleitern, auch modale Skalen oder kurz Modi (Einzahl Modus, aus lateinisch modus) in der Musik alle griech. Namen:

Die 7 Modi – ionisch, dorisch, phrygisch, lydisch, mixolydisch, aeolisch und lokrisch – sind in den frühen Formen westlicher Musik einthalten. Sie können vom entsprechend geschulten Personen nicht nur auf dem Instrument gespielt, sondern von ausgebildeten Sängern/innen auch fehlerfrei vorgetragen werden.
Der "Normalo" schafft im besten Fall (in Erinnerung an den Schul-Musikunterricht) die ersten 8 Töne einer Dur-Tonleiter, also eine Oktave zu singen (do, re, mi, fa, so, la, ti, do). Verlangt man aber die in wenigen Tönen abweichende "reine Moll-Tonleiter", ist er bereits total überfordert, weil er die nötigen Halbtonschritte hierzu nicht kennt, nicht geübt hat. Von den anderen Modi will ich erst gar nicht sprechen.
Der Beatle Paul entnahm z.B. bei YESTERDAY die entprechenden Töne einer Moll-Tonleiter, um den Song melancholisch einzukleiden. Das aus dieser Zeit bekannte >ROLL OVER BEETHOVEN< (komponiert von Chuck Berry) ist jedoch in einer "lustigen" Dur-Tonart geschrieben worden. (Moll wäre hierbei total daneben gegriffen!)

Viele andächtige Kirchenlieder sind z.B. ebenfalls in Moll-Tonarten geschrieben. Weihnachtslieder, die fröhlich stimmen sollen, sind dagegen in Dur-Tonarten verfasst. (Stille Nacht, Oh du fröhliche... etc.)

Gruß von Reklov

Gysi Online

Atheist


Beiträge: 19.028

01.11.2020 08:34
#32 Was ist Kunst? Antworten

Zitat von Reklov
Der "Normalo" schafft im besten Fall (in Erinnerung an den Schul-Musikunterricht) die ersten 8 Töne einer Dur-Tonleiter, also eine Oktave zu singen (do, re, mi, fa, so, la, ti, do). Verlangt man aber die in wenigen Tönen abweichende "reine Moll-Tonleiter", ist er bereits total überfordert, weil er die nötigen Halbtonschritte hierzu nicht kennt, nicht geübt hat. Von den anderen Modi will ich erst gar nicht sprechen.

Rede einfach mit mir wie mit einem 'Normalo'. Ich habe ein Musikempfinden, ich habe ein Kunstempfinden und eine Kunstliebe. Diese Liebe hört nicht auf, auch wenn diese Kunstwahrnehmung in ihrem Volumen von dir gerne wiederholt als beschränkt dargestellt wird.

Du redest über die hohe Kunstfertigkeit des Gitarrespiels, die von tumben Hardrockhörern nicht so richtig gewürdigt wird. Hört sich an wie: 'Da werden Perlen vor die Säue geworfen'. Fühlst du eventuell deine Kunstfertigkeiten durch dein Publikum auch nicht angemessen gewürdigt?

Mit Antworten auf die Frage 'Was ist Kunst?' versuche ich abstrakte, objektive und allgemeingültige Reflexionen dazu. Und mehr Zugang zur 'Kunst', neben meiner Leserei und meinen eigenen Gedichten, habe und bekomme ich nicht. Aber das deprimiert mich auch nicht. Ich bin froh mit meinen Sinnen, und sie reichen mir...

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"Ich bin vom Glauben zum Wissen konvertiert!" (Hamed Abdel-Samad)

Reklov Offline




Beiträge: 5.897

01.11.2020 14:03
#33 RE: Was ist Kunst? Antworten

Zitat
Rede einfach mit mir wie mit einem 'Normalo'. Ich habe ein Musikempfinden, ich habe ein Kunstempfinden und eine Kunstliebe.

Gysi,

... bisher habe ich, hoffentlich leicht verständlich, nur Grundlagen der Musik aufgezeigt. Dein Empfinden, verbunden mit Liebe zur Kunst, ist schon mal eine sehr guter "Grundstein" - reicht aber leider nicht aus, um tiefer in die Musik vorzudringen. Ähnlich wäre es, wollte man mit den Grundrechenarten Aufgaben aus der höheren Mathematik bewältigen. - Man schaute dabei zwar auf eine längere Zahlenformeln, könnte damit aber wenig anfangen, weil sie sich einem nicht erschließen.

Bei Musik, der Malerei, der Dichtkunst etc. schaltet sich nun aber jeder gerne ein, traut sich auch ein Urteil abzugeben, was ja meisten "das gefällt mir sehr" / "das gefällt mir nicht" lautet.

Ich kann mich noch gut an einen früheren Auftritt meiner Band erinnern, bei dem ein Zuhörer zu mir kam und sagte: "Ej - ihr spielt und singt sagenhaft - ehrlich, ich finde euch alle saugut." Dann aber fügte er noch an: "Für mich sind die ROLLING STONES sowieso die beste Band der Welt. Ej - Kennst du deren neueste CD? Die ist sagenhaft gut!"

Ich wusste nun, dass ich einen Dilettanten vor mir hatte = (Person, die sich auf einem bestimmten Gebiet nur als Laie, Laiin betätigt) nickte ihm aber dennoch freundlich zu, denn - ihm klar zu machen, dass die STONES musikalisch nun mal weit hinten agieren, hätte einen intensiven Kurs von einem Jahr gebraucht, - die ersten Schritte auf einem Instrument mit inbegriffen.

Nach solch einer Zeitspanne beginnt es bei den meisten zu dämmern, was Musik doch für ein riesiges Feld ist.
Einige meiner Schüler/innen geben nach 1 - 2 Jahren auf, weil sie nicht die Energie aufbringen wollen/können, um sich auf dem Instrument (Gitarre) weiterzuentwickeln. - Schade aber verständlich.
Andere Schüler/innen sind nun schon über 4 Jahre bei mir, was aber nicht bedeutet, dass sie schon bald am Ziel sein werden, schließlich übe ich selbst noch heute täglich spezielle Sachen für mich und treibe meine Stilistik weiter voran.

Anders gesagt: Wer sich z.B. mit einem Naturwissenschaftler auf Augenhöhe unterhalten will, muss/sollte eine ihm ähnliche Ausbildung durchlaufen haben. Ansonsten bleibt das Gespräch doch mehr einseitig.

Zitat
Und mehr Zugang zur 'Kunst', neben meiner Leserei und meinen eigenen Gedichten, habe und bekomme ich nicht. Aber das deprimiert mich auch nicht. Ich bin froh mit meinen Sinnen, und sie reichen mir...

Eine ehrliche Aussage, die auch Selbsterkenntnis auf diesem Gebiet anzeigt.
Ich beantworte aber auch weiterhin gerne jede Frage eines users zur Kunst.

Gruß von Reklov

Gysi Online

Atheist


Beiträge: 19.028

01.11.2020 17:50
#34 Was ist Kunst? Antworten

Zitat von Reklov
... bisher habe ich, hoffentlich leicht verständlich, nur Grundlagen der Musik aufgezeigt.

Du weißt doch ganz genau, dass ich das kaum verstehe! Du willst doch nur deine Pfauenräder schlagen! Eindruck schinden -> boah, was der nicht alles weiß!... Werden mir die Pfauenräder gefallen? Na, DIR bestimmt!

Zitat
denn - ihm klar zu machen, dass die STONES musikalisch nun mal weit hinten agieren, hätte einen intensiven Kurs von einem Jahr gebraucht, - die ersten Schritte auf einem Instrument mit inbegriffen.

Die 'Just Five' waren (sind?) also besser als die Stones; und vor allem du bist besser als Keith Richards und Ron Wood, ah ja. Ob die Stones 'ganz hinten' rangieren, das werden andere Fachleute anders sehen. Du bist nicht objektiv, glaube ich nicht. Mein Lieblingsalbum von den Rolling Stones ist 'Exile on Main Street'. Versuche doch mal, den Aufbau der Songs 'Rocks off' und 'Tumblin' dice' zu analysieren. Egal - was auch dabei rauskommt: Die beiden Stücke haben FEUER im Sound, im 'Klangteppich'! Viel besser geht sowas nicht, mein lieber Herr Gesangsverein!

Zitat
Andere Schüler/innen sind nun schon über 4 Jahre bei mir, was aber nicht bedeutet, dass sie schon bald am Ziel sein werden, schließlich übe ich selbst noch heute täglich spezielle Sachen für mich und treibe meine Stilistik weiter voran.

Sogar du, jaja... Bist du besser, als Jimi Hendrix es jemals war? Der musste ja mit 27 von uns gehen. Der hatte keine Zeit zum jahrzehntelangen Üben gehabt. Wäre er dann NOCH besser geworden? Alles, was du von dir schreibst, klingt wie aus einem Bewerbungstext, dem man eh nicht glaubt - sorry, aber das musste mal raus. Können deine Schüler unter deinen Fittichen ihren eigenen Kopf entwickeln, ihren eigenen Stil und Soul? Das wäre nämlich wichtig für den Erhalt und die Entfaltung der eigenen Intuition und Kreativität... Keiner der Großen (wie Hendrix, Santana, Clapton, van Halen usw.) hatte VIER JAHRE LANG einen so gestrengen und etwas selbstverliebten Lehrer mit so konservativer Lehreinstellung nötig gehabt. Und ich persönlich halte sie auch nicht für ratsam. Kinder müssen wachsen, groß und selbständig werden.

Und noch was: Wichtiger als alle Übung ist TALENT! Wer keines hat, sollte nicht zu jahrelanger Übung überredet werden! Das ist verschwendete Lebenszeit... Und sinnlose Ausbeutung jugendlicher Träume und Portemonnaies...

Zitat
Eine ehrliche Aussage, die auch Selbsterkenntnis auf diesem Gebiet anzeigt.


Ich bin kein Musiker, ich bin ein Dichter. Immerhin.

Zitat
Ich beantworte aber auch weiterhin gerne jede Frage eines users zur Kunst.

Ja, ich doch auch. Oder was glaubst du, was ich hier die ganze Zeit tue? Fragen stellen - ja, das auch. Das tust du nicht. Hast du wohl nicht nötig, hm?

Die Frage: 'Was ist Kunst?' wird nicht mit Abhandlungen über Tonleiter-Theorien beantwortet. Nichtmal die Frage: 'Was ist Musik'? Die Fragen bedürfen Antworten mit einem höheren Abstraktionsgrad. Da waren wir am Anfang ganz gut dabei. Dann bist du aber schnell ins Spezielle abgewandert. Offenbar deinem Lieblingsgebiet. Und ich bin darauf eingegangen, hätte ja interessant sein können. Aber ich kann doch nix damit anfangen, weißt du doch.

Wir haben das Thema verlassen. Können wir wieder darauf zurückkommen?

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Reklov Offline




Beiträge: 5.897

06.11.2020 13:49
#35 RE: Was ist Kunst? Antworten

Zitat
Wir haben das Thema verlassen. Können wir wieder darauf zurückkommen?

Gysi,

... KUNST ist eine Interpretation der Realität, welche die Künstler uns in versch. "Formen und Techniken" anbieten. Ihr Ausdruck/Wesen zeigt sich in versch. Disziplinen (Bildhauerei, Malerei, Musik, Theater, Literatur, Poesie, Film ... etc.)

Auch abstrakte Kunst, so sagte P.Picasso, ist immer "real". Das eigentliche Wesen der KUNST ist jedoch FREIHEIT. Deswegen haben auch Despoten stets versucht, die Kunst zu "zügeln/kontrollieren", sie lediglich für ihre Zwecke einzuspannen.

Kommt der Kommerz in die Kunst, beginnt sie sich zu verfälschen, denn nun werden "Zielgruppen" als Käuferschichten mit bestimmten Stilistiken umworben, um diese Kunst zu kaufen. Brauchbare Beispiele sind die Bilder, welche in schicken Möbelhäusern über den teuren Designer-Sofas hängen - angepasst in Stil und Farbe. Oder man denke an die leise Musikberieselung, welche z.B. in Supermärkten, Hotels, Fitness-Studios etc. zur Anhebung der Stimmung/Kauflaune verwendet wird. (Jetzt wird man bald überall nur noch Weihnachtslieder hören.)

Die gesamte "Kirchenkunst" zeigt z.B. nichts weiter, als die in Auftrag gegebenen "Illustrationen" zu versch. Bibelszenen. Die Maler ließen sich dafür gut entlohnen (die Kirche war zahlungskräftig) und nicht selten entstand dabei auch eine gelungene Demonstration akademischer Malkunst: virtuose Beherrschung der anatomischen Darstellung von Mensch, Tier, Natur und detailreichen anderen Sujets.
Zudem: Gute Raumaufteilung der vorgegebenen Malfläche, mit Bedacht gewählte Kontraste der versch. Formen, Farben, Linien, Flächen, sorgfältige Bearbeitung von Licht und Schatten - etc.

Zu den Bildern der vielen bekannten sog. "Historienmaler" (18. und 19. Jahrh.) merkten Kritiker an: Sie konnten zwar alles virtuos malen, hatten aber nichts zu sagen. (Dem will ich nicht widersprechen.)

Ebenso ist manche Musikkomposition: Zwar sehr klug zusammengestellt und handwerklich schwer zu spielen - aber ohne die Fähigkeit, in den Herzen der Menschen allzuviel auszulösen.
Mit wenigen stilistischen Mitteln große Emotionen zu erzeugen, ist zweifellos also auch eine "Kunst".

Es gibt z.B. unzählige Darstellungen des weiblichen Körpers (Aktmalerei), aber die allerwenigsten können erotische Signale versenden, wirken lediglich, wie eine bemühte Studie während akadem. Übungsstunden.

Der zweifellos beste TARZAN Comic-Illustrator, BURNE HOGARTH, eröffnete später in New York eine Kunstschule. Sieht man sich seine perfekten Lehrbücher über die Anatomie des Menschen an, weiß man, wieso er fähig war, dem "Dschungelhelden" mit wenigen gekonnten Strichen mehr Lebendigkeit einzuhauchen, als mancher bemühte "Ölschinken" der sog. klassischen Malerei dies vermochte.

Hier der link zum besten TARZAN-Zeichner, der auch dessen Lehrbücher anzeigt:

https://www.google.com/search?client=fir...Q4dUDCAw&uact=5

Gruß von Reklov

Gysi Online

Atheist


Beiträge: 19.028

06.11.2020 16:04
#36 Was ist Kunst? Antworten

Zitat von Reklov
... KUNST ist eine Interpretation der Realität, welche die Künstler uns in versch. "Formen und Techniken" anbieten. Ihr Ausdruck/Wesen zeigt sich in versch. Disziplinen (Bildhauerei, Malerei, Musik, Theater, Literatur, Poesie, Film ... etc.)

Auch abstrakte Kunst, so sagte P.Picasso, ist immer "real". Das eigentliche Wesen der KUNST ist jedoch FREIHEIT. Deswegen haben auch Despoten stets versucht, die Kunst zu "zügeln/kontrollieren", sie lediglich für ihre Zwecke einzuspannen.

Gut. Und was ist Technik? Medizin? Wissenschaft? Sie 'interpretieren' nicht, sondern sie sind die Realität?

Was hältst du denn von meiner Kunstdefinition - #2?

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dass Sie sie sagen dürfen!" (Voltaire)

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