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Atheismus vs. Religionen  

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Dieses Thema hat 4 Antworten
und wurde 736 mal aufgerufen
 Atheismus/Agnostizismus
Prometheus Offline




Beiträge: 392

18.07.2006 10:31
Humanistisches Hospiz antworten

Ich bin seit einigen Jahren Mitglied im Humanistischen Verband Deutschlands und mache derzeit eine (weitere!) Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger.
Während dieser Ausbildung wird man in den verschiedensten Bereichen eingesetzt und mein derzeitiger Einsatzort ist das hiesige Hospiz.

Ich schätze die Arbeit im Hospiz wirklich sehr und halte sie für ungeheuer wichtig, habe nun allerdings erfahren, dass ich als aus der Kirche ausgetretener Humanist perspektivisch keine Chance habe, in einem Hospiz zu arbeiten, weil ich eben konfessionslos bin und alle Hospize kirchliche Träger haben.

Ist dem wirklich so? Gibt es kein humanistisches Hospiz? Ist noch nie an die Gründung eines humanistischen Hospizes gedacht worden?

Ich habe diese Fragen auch direkt per Email an den HVD gesandt, allerdings ohne eine Antwort zu erhalten.

Wir wissen, wie sehr sich die Vorstellungen der Selbstbestimmung des Sterbenden fundamental zwischen den Kirchen und den Humanisten unterscheiden, dennoch muss doch auch der HVD neben der Diskussion zur Sterbehilfe auch noch ganz konkrete Ansätze zum Thema würdevolles Begleiten sterbenskranker Menschen haben und dieses Feld nicht völlig den Kirchen überlassen.

Eine evangelische Seelsorgerin des Hospizes, in dem ich derzeit arbeite, meinte in einem Gespräch, man müsse den sterbenskranken Menschen in ihren letzten Tagen etwas Transzendentes und damit Hoffnungsvolles anbieten können, deshalb wäre sie auch der Meinung, dass Atheisten/Agnostiker nicht für den Bereich des Hospizes geeignet wären.

Was meint Ihr?


"Überzeugungen sind gefährlichere Feinde der Wahrheit als Lügen." (Friedrich Nietzsche)

Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 16.160

18.07.2006 12:26
#2 Humanistisches Hospiz antworten
In Antwort auf:
Eine evangelische Seelsorgerin des Hospizes, in dem ich derzeit arbeite, meinte in einem Gespräch, man müsse den sterbenskranken Menschen in ihren letzten Tagen etwas Transzendentes und damit Hoffnungsvolles anbieten können, deshalb wäre sie auch der Meinung, dass Atheisten/Agnostiker nicht für den Bereich des Hospizes geeignet wären.

Dann sag der Tante mal, dass auch die Sterbenden nicht um die Realität betrogen werden wollen. Und dass auch der Atheist sich zu einer Erkenntnis durchringen kann, dass mit der erfahrenen Geburt und dem bevorstehenden Sterbedatum die absoluten Grenzen des Lebens nicht gezogen sind. Meinen Standpunkt dazu habe ich ja hier schon kundgetan. Ansonsten in meinem E-Book nachzulesen.
Hoffnung muss man den Leuten zukommen lassen, da gebe ich der "Seelsorgerin" wohl recht. Wenn sie nicht gerade ein lächerliches Ammenmärchen ist. Aber dass Atheisten keine Hoffnung und Trost für Sterbende haben, ist zwar ein weitverbreiteter Standpunkt aber nicht ganz richtig...

Gysi
__________________________
Die Menschheit befindet sich in der Vorgeschichte der Menschheit (Karl Marx)

SnookerRI Offline

Soul-Societist


Beiträge: 5.475

18.07.2006 13:45
#3 RE: Humanistisches Hospiz antworten

In Antwort auf:
Eine evangelische Seelsorgerin des Hospizes, in dem ich derzeit arbeite, meinte in einem Gespräch, man müsse den sterbenskranken Menschen in ihren letzten Tagen etwas Transzendentes und damit Hoffnungsvolles anbieten können, deshalb wäre sie auch der Meinung, dass Atheisten/Agnostiker nicht für den Bereich des Hospizes geeignet wären.

Damit stellt sie meiner meinung nach die menschlichkeit von Atheisten bzw. Agnostikern zu unrecht in Frage. Denn ob ich einem Menschen in seinem letzten schweren stunden Trost spenden kann, hängt nicht davon ab, ob man konfessionell gebunden ist, sondern doch vielmehr inwieweit man den menschen selbst kennenlernen wollte, seine Empfindugen, Erfahrungen, sein Leben: die Fürsorge also auf die Persönlichkeit beziehen und nicht einfach von irgendwas transzendenten anfangen, mit dem die person womoglich noch nie etwas anfangen könnte.

Was halten denn zum beispiel Atheisten davon, wenn sie derartiges vorgetragen bekommen: Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich ein Atheist kurz vor seinem Tod auf Transzendentes besinnt...


In Memory of Soul-Society

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emanuel ( Gast )
Beiträge:

18.07.2006 13:59
#4 RE: Humanistisches Hospiz antworten

in dieser phase bevor ein mensch seinen löffel abgibt, hat man für lange zeit den hauptgrund darin gsehen bestimmte außersinnliche wahrnehmungen verstärkt zu erhalten. der fachmann wird hier einwenden, ja, aber mit den dabei begleitenden angstneurosen.

bisher war es auch die einzige erklärung, warum der nazaräner besondere begabungen an den tag legte vor seiner hinrichtung, oder warum er so wie es uns die story beschreibt, freiwillig und sinnlos in den tod gegangen ist und dies als den für ihn vorgezeichnete weg erkannt haben soll.

heute sind wir teilweise klüger und wissen, dass sich diese entwicklung bereits im vorfeld ereignete hat und stabilisieren konnte und sein ende mit einem trifftigen grund ergänzt werden muß, damit wir ihn auch wirklich akzeptieren können.

ergänzende auswirkungen seines bevorstehenden endes können wir trotzdem nicht ganz außer acht lassen, obwohl dies mit absoluter sicherheit nicht den hauptgrund darstellt für sein auftreten.

ohne dieses besondere erlebnis aus der vergangenheit hat es jeder einzelne von uns am ende seiner tage nicht gerade einfacher. manche machen sich ihren eigenen reim oder lassen reimen, aber es gibt auch neben denen mit den leben abschließenden jene, die nun doch plötzlich alles genau wissen möchten und sozusagen eine wild-card für die nächste veranstaltung erlangen möchten.

egal in welcher meinung man sich nun festgelaufen hat, es ist bestimmt kein fehler von einer ruhigen und ausgeglichenen situation am anfang des jenseits zu sprechen.
paradox mag es erscheinen, wenn in einer müden und abgespannten situation von eigenen notwendigen aktivitäten gesprochen wird. jedoch genau das ist es, was sinn macht und den übergang erleichtert.

dazu ist kein persilschein irgend einert art notwendig.

"auch du wirst es erfahren wenn du hoch über dem berg auf wolke sieben mit den engeln herumtollst und uns weit entfernt zusiehst, wie wir uns abmühen, im alltag.
und solltest du tatsächlich petrus treffen, dann schimpf nicht zu stark mit ihm, sondern laß ihn schön grüßen von mir."

und ein


Bruder Spaghettus ( gelöscht )
Beiträge:

18.07.2006 15:23
#5 RE: Humanistisches Hospiz antworten

Für mich wäre es ein Graus, in einem solchen Hospiz sterben zu müssen. Genau so schlimm ist für mich die Vorstellung nach Unfall oder sonst einem Schicksalsschlag von einem konfessionellen Notseelsoger betreut zu werden. Konfessionslose Hospize, dann vielleicht unter anderem Namen, sollte es unbedingt geben. Ich bin auch der Meinung gehört zu haben, dass so was in Arbeit ist. Der HVBB macht unterhält auf jeden Fall Kindereinrichtungen und Altenheime. Vielleicht solltest du dich mal an die jeweiligen Landesverbände wenden, die sind näher dran und vielleicht aktiver in solchen Sachen.

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