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Religionsforum
Atheismus vs. Religionen  

Der substanzielle  Dialog
 
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Dieses Thema hat 6 Antworten
und wurde 559 mal aufgerufen
 Philosophie und Wissenschaft
Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 16.060

03.12.2006 16:11
Was ist Fundamentalismus? antworten

Meine Position ist: Fundamentalistisch ist der, der seine Religion ernst nimmt und sie nach Möglichkeit auch gegen die weltlichen profanen Bedingungen durchzusetzen gedenkt.
Fundamentalisten sind von ihren Mutterkirchen enttäuscht, denen sie Halbherzigkeit und Inkonsquenz vorwerfen - Eigenschaften, die sie haben aus Angst davor, an politischer Macht zu verlieren.
An den Fundamentalisten erkennt ihr die wahren Aussagen und Absichten der Religion(en)!
Die Fundis würde es nicht geben, wenn es die Religionserziehung durch die Mutterkirchen nicht gäbe => Sie säen die Saat, und die Fundis sind ihre Konsequenz - das ist so, auch wenn sie die Elternschaft gerne mit moralischer Entrüstung und eigenen "Sektenbeauftragten" verleugnen...

Ich bin schon auf eure Antworten gespannt.

Gysi
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Die Menschheit befindet sich in der Vorgeschichte der Menschheit (Karl Marx)

Bruder Spaghettus ( gelöscht )
Beiträge:

03.12.2006 18:25
#2 RE: Was ist Fundamentalismus? antworten

In Antwort auf:
Fundamentalistisch ist der, der seine Religion ernst nimmt und sie nach Möglichkeit auch gegen die weltlichen profanen Bedingungen durchzusetzen gedenkt.


Vielleicht sollte ich erst mal näher darüber nachdenken, bevor ich antworte. Aber das wird sich noch während der Diskussion einstellen

Nach deiner Diskussion wären fast alle Religiösen, bis auf die weichgespülten, Fundamentalisten. Ernst nehmen sie mehr oder weniger ihren Glauben und den zum Allgemeingültigen machen wollen auch fast alle. Außerdem schließt du Nichtregligiöse aus.

Für mich sind Fundamentalisten diejeneigen, die eine feststehende Lehre, egal ob religiös oder politsch zur Basis all ihrer Handlungen machen, oder doch zumindest zum deutlich größten Teil ihrer Handlungen. Dabei ist mir egal ob diese Lehre gesellschaftsfähig oder geächtet ist, ob radikal oder human. Es kommt lediglich darauf an, dass sie sich auf was Festgefügtes bezieht und eine Notwendigkeit zur Entwicklung und Veränderung, auch in wesentlichen Fragen, ablehnt. Noch nicht zu Ende gedacht, aber schon was zum Diskutierenö.




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Xeres Offline




Beiträge: 2.587

03.12.2006 19:09
#3 RE: Was ist Fundamentalismus? antworten

In Antwort auf:
Was ist Fundamentalismus?
Das habe ich mich vor Zeiten auch mal gefragt, und da ist mir ein Büchlein ins Auge gefallen Der Religiöse Fundamentalismus Christentum, Judentum, Islam von Klaus Kienzler. Ich erlaube mir auch gleich ein Zitat:
... bezeichnet man im Blick auf theologische Erörterungen in Deutschland und Skandinavien mit Fundamentalismus eine unreflektierte Verhärtung gegen kritisch-historische Exegese und die Tendenz, die Dogmatik gemäß solcher Frontstellung anzulegen
Aus "Das Historische Wörterbuch der Philosophie" (Bd. 2, S. 1133)

Der Fundamentalismus geht auf eine Bewegung in Amerika im 19. und 20. Jahrhundert zurück, bei der sich die Bewegung auf "fundamentale Tatsachen" geeinigt haben die da wären:
- absolute Irrtumslosigkeit der Schrift
- Jungfrauengeburt
- stellvertretenes Sühneopfer
- leibliche Auferstehung
- Wiederkunft Christi zu Errichtung seines tausendjährigen Reiches vor dem jüngsten Gericht

Fundamentalisten nehmen also ihre jeweilige heilige Schrift als absolute Wahrheit an und müssen demnach in Konflikt mit Vertretern der Wissenschaft kommen. So geschehen, bzw. geschieht es immer noch, in Amerika mit der Intelligent Design Bewegung.
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Sie glaubt an Gott, aber sie glaubt auch, daß das Radio wegen den winzigen Leuten dadrin funktioniert.
(Woody Allen, amerikan. Schauspieler u. Regisseur, *1935)

Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 16.060

03.12.2006 19:21
#4 Was ist Fundamentalismus? antworten
Die meisten Zeitgenossen, die religiös erzogen worden sind - und das sind ja die weitaus meisten, richten sich auf eine Spagatspreizung zwischen Religion und Weltlichkeit ein. Die Weltlichkeit ist fürs Leben praktisch und die Religion die Eintrittskarte für die wohllebige Ewigkeit. Widersinnigkeiten in der Religion interessieren nicht - dahinter scheint ja doch nur eine Mega-Enttäuschung zu warten. Wem nach mehr Erkenntnis ist, der muss sich wohl für die Loslösung von der Religion entscheiden. Aber andere lösen die Widersprüchlichkeiten, indem sie die Wissenschaft per se als den falschen Erkenntnisweg aus ihrem Erkenntnisbild ausgrenzen, und ihre Mutterkirchen als anbiederisch gegenüber der Weltlichkeit empfinden. Sie sind die, die die Schriften, die ihnen als heilig und unkritisierbar beigebracht worden sind, wirklich so annehmen. Jede Gruppe auf ihre Weise.
Den meisten Religiösen ist ein Gutteil an Realitätswahrnehmung erhalten geblieben. Das ist aber nicht der Religionserziehung "geschuldet", sondern der wissenschaftlichen.

In den kommunistischen Parteien sind ähnliche Charakterbildungen zu beobachten gewesen, das stimmt. Aber die Kommunisten hatten es gewiss einfacher, sich von ihrer "Gläubigkeit" zu lösen, als das den religiös Gläubigen möglich ist. => Der Protagonist des Kommunismus sagte immerhin: "Ich bin kein Marxist!" Und außerdem hatte das Proletariat nicht das ewige Leben zu verlieren - sondern "lediglich" die Lebensqualität hier auf Erden.

Du wirst eh - so in etwa - meiner Meinung sein, was dieses Thread-Thema betrifft.
Mich interessiert, was z.B. die Christen hier im RF dazu sagen. (Mich interessiert natürlich auch, was du dazu sagst - und die anderen Nichtgläubigen - nicht dass ihr jetzt nicht angesprochen seid. Alle sind angesprochen. )

Gysi
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SnookerRI Online

Soul-Societist


Beiträge: 5.457

05.12.2006 09:20
#5 RE: Was ist Fundamentalismus? antworten

Ja... woran mag man Fundamentalismus erkennen...

Zitat von Bruder Spaghettus
Für mich sind Fundamentalisten diejeneigen, die eine feststehende Lehre, egal ob religiös oder politsch zur Basis all ihrer Handlungen machen, oder doch zumindest zum deutlich größten Teil ihrer Handlungen. Dabei ist mir egal ob diese Lehre gesellschaftsfähig oder geächtet ist, ob radikal oder human. Es kommt lediglich darauf an, dass sie sich auf was Festgefügtes bezieht und eine Notwendigkeit zur Entwicklung und Veränderung, auch in wesentlichen Fragen, ablehnt. Noch nicht zu Ende gedacht, aber schon was zum Diskutierenö.


dem kann ich mich nahezu nahtlos anschließen. Fundamentalisten haben sich also dem nach - ob "gewollt" oder rein durch Doktrin - in ein gedankliches Korsett begeben, dass keinen oder nur begrenzten Spielraum für Veränderungen im Denken zulässt. Die vom Bruder gewählte Definition nimmt m.E. auch den Wind derjenigen aus dem Segel, die sich durch eine "verteufelnde Definition" angegriffen fühlen könnten. Denn soviele Äste eine solche Defi auch haben kann, so bleibt doch dieser kernsatz als Stamm stehen: Es kommt lediglich darauf an, dass sie sich auf was Festgefügtes bezieht und eine Notwendigkeit zur Entwicklung und Veränderung, auch in wesentlichen Fragen, ablehnt.


Hierbei kann es dann auch gleich sein, ob der Fundamentalismus nun religiös, atheistisch, politisch oder sozial konnotiert ist. In der kernaussage treffen sich wohl alle formen wieder: Eine Kritikresistenz bis -immunität.
Die einzelnen Hintergründe für die gedankliche Enge können daraufhin wieder in den einzelnen Ausrichtungen begründet sein.

Meine rein persönliche Theorie bezüglich des zunehmenden Fundamentalismus: Den "zivilisierten" menschen wird im allgemeinen, ganz gleich aus welcher Region sie kommen, das Nachdenken abgewöhnt. Wer das lang genug mitmacht. denkt später: Es kann nichts mehr hinterfragt werden; noch später: Es darf nichts mehr hinterfragt werden....




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the swot ( Gast )
Beiträge:

05.12.2006 17:39
#6 RE: Was ist Fundamentalismus? antworten

In Antwort auf:
Fundamentalistisch ist der, der seine Religion ernst nimmt


Ein religiöser Mensch sollte seine Religion ernst nehmen. Sonst wäre er ja nicht religiös. Aber ist man deswegen gleich ein Fundi?
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Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 16.060

05.12.2006 18:30
#7 Was ist Fundamentalismus? antworten

In Antwort auf:
Ein religiöser Mensch sollte seine Religion ernst nehmen. Sonst wäre er ja nicht religiös. Aber ist man deswegen gleich ein Fundi?
Das ist eben meine These: Je religiöser, desto mehr Fundi. Der nicht so an die Religion Gebundene ist ein uninspirierter Mitläufer. Er will das Richtige für dieses Leben tun. Aber auch das Jenseits ernten und dafür die Saat im Diesseits säen, so wie es ihm gesagt worden ist.

Gysi
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