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Religionsforum
Atheismus vs. Religionen  

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Dieses Thema hat 59 Antworten
und wurde 5.540 mal aufgerufen
 Philosophie und Wissenschaft
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Xeres Offline




Beiträge: 2.587

11.02.2007 19:13
Die Todesstrafe antworten

Da ich kein Extra Thema dazu auffinden konnte eröffne ich das hier...

Ist eine Todesstrafe richtig und Sinnvoll? In welchen Fällen / bei welchen verbrechen sollte sie angewendet werden? Wie sollte sie vollstreckt werden und ist die Todesstrafe mit einer Religion vereinbar?

Siehe dazu auch:
http://de.wikipedia.org/wiki/Todesstrafe
http://www.todesstrafe.de/
http://www.amnesty-todesstrafe.de/

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the swot ( Gast )
Beiträge:

11.02.2007 19:20
#2 RE: Die Todesstrafe antworten

Generell sollte niemand über Leben und Tod entscheiden. Doch wie sieht das aus, wenn ein Mann ein kleinen Mädchen entführt, es misshandelt, vergewaltigt und es letztendlich grausam umbringt? Hat dieser Mann ncoh ein Recht auf Leben? Ich denke ganz ehrlich, dass er dieses Recht nicht mehr besitzt. Es nicht nur so, dass er das leben des kleinen Mädchens ausgelöscht hat. Er zerstört damit auch noch das leben einer ganzen Familie. Ich denke wenn man sich solche Beispiele vor Augen hält ist die Todesstrafe gerechtfertigt.

Aus religiöser Sicht denke ich auch....."Auge um Auge, Zahn um Zahn"....Aus christlicher Sicht könnte man jetzt von Gnade sprechen. Von "unverdienter Barmherzigkeit".....Aber das ist für mich eine Traumwelt...

Bruder Spaghettus ( gelöscht )
Beiträge:

11.02.2007 19:36
#3 RE: Die Todesstrafe antworten

Kommt wohl sehr auf das persönliche Weltbild an. Wer gläubig ist, wird sich an seinen Schriften orientieren. Sowohl Bibel als auch Koran bieten Begründungen für die Todesstrafe. Bei anderen kenne ich mich nicht aus. Zumindest beim Buddhismus kann ich mir sie aber nicht vorstellen.

Wer im Rahmen des Determinismus die Willensfreiheit des Menschen ablehnt, kann unmöglich dafür sein.

Wenn ich von mir selbst ausgehe, bin ich verstandesmäßig dagegen, in Einzelfällen kocht aber das Gefühl schon ganz schön hoch und muss erst wieder in die Schranken gewiesen werden. Wenn aber nach Ende der Haftstrafe in diesen Fällen Zwangsunterbringung angeordnet und die auch entsprechend gesichert wird, kommen auch die Gefühle wieder ins Lot.

SnookerRI Offline

Soul-Societist


Beiträge: 5.475

11.02.2007 19:53
#4 RE: Die Todesstrafe antworten

In Antwort auf:
Wenn aber nach Ende der Haftstrafe in diesen Fällen Zwangsunterbringung angeordnet und die auch entsprechend gesichert wird, kommen auch die Gefühle wieder ins Lot.


Und dies könnte für den Betreffenden eine größere Strafe sein, als die Todesstrafe selbst. Und das nicht nur deswegen, wenn wir den konkreten Fall nehmen, weil es Kinderschänder in Gefängnissen wirklich nicht leicht haben. Über jahre hinweg an die Konsequenzen einer handlungweise erinnertz zu werden, kann eine sehr schmerzhafte erfahrung werden...


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Wohl gibt es zwei Arten von Freunden und es sind diese: Käufliche und Unbezahlbare

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Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 16.127

11.02.2007 20:28
#5  Die Todesstrafe antworten
Generell bin ich gegen die Todesstrafe, zumal ich, wie du Snooker, der Auffassung bin, dass für etliche Täter der Tod als Alternative die angenehmere Lösung ist. Die Möglichkeit von Justizirrtümern ist ein zweites Argument dagegen.
Da ich voll deterministisch denke, ist die Frage der Schuld für mich vielleicht etwas problematisch. Eigentlich (im tieferen Sinne) meine ich: Es gibt keine Schuld. Aber Strafe muss sein! Es gibt Vergehen, mit denen der Täter die gesetzlich festgelegten Strafen riskiert, und er muss sie eben auch abbüßen, wenn er geschnappt wird! Die Täter wissen Bescheid, dass sie Mist bauen und Verbrechen begehen. Also, die Begriffe, mit dem ich operiere, sind: Vergehen und gerechte Strafe!
Ich bin nicht absolut gegen eine Todesstrafe. Waren die Urteile des Nürnberger Prozesses ungerecht, inhuman? Na, ich denke nicht!

Gysi
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"Ich bin vom Glauben zum Wissen konvertiert!" (Hamed Abdel-Samad)

Xeres Offline




Beiträge: 2.587

11.02.2007 20:34
#6 RE: Die Todesstrafe antworten

In Antwort auf:
Wer im Rahmen des Determinismus die Willensfreiheit des Menschen ablehnt, kann unmöglich dafür sein.
Ich glaube nicht das Willensfreiheit damit zu tun hat. Wenn man ein Verbrechen begeht, egal welches, dann wird man dafür bestraft.
In Antwort auf:
Wenn ich von mir selbst ausgehe, bin ich verstandesmäßig dagegen, in Einzelfällen kocht aber das Gefühl schon ganz schön hoch und muss erst wieder in die Schranken gewiesen werden.
Ich glaube, wenn man selbst betroffen ist möchte man sowieso nur noch Rache, aber um Rache geht es nicht bei der Rechtsprechung, sondern darum dem Verbrecher sein tun vor Augen zu führen und Sicherzustellen das er nicht wieder so handelt.
Ich glaube eine Lebenslange Haft - ohne Möglichkeit diese Vorzeitig zu beenden - ist der beste Weg.

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Bruder Spaghettus ( gelöscht )
Beiträge:

11.02.2007 21:36
#7 RE: Die Todesstrafe antworten

In Antwort auf:
Ich glaube nicht das Willensfreiheit damit zu tun hat.


Wieso nicht? Wenn es die nicht gibt, lässt sich schwer eine Schuld konstruieren. Strafe ohne Schuld ist aber ungerechtfertigt.
Wenn die beiden wichtigsten Aspekte des Strafrechts Schuld und Schutz der Gesellschaft sind, bleibt also nur noch letzteres. Den kann man aber auch ohne Todesstrafe durch lebenslange Verwahrung erreichen, ebenso Generalprävention. Es bleibt also keine Grund für die Todesstrafe.

Xeres Offline




Beiträge: 2.587

11.02.2007 22:29
#8 RE: Die Todesstrafe antworten

In Antwort auf:
Wenn es die nicht gibt, lässt sich schwer eine Schuld konstruieren. Strafe ohne Schuld ist aber ungerechtfertigt.
Wenn du so argumentierst, könnte man auch den ganzen Strafvollzug auflösen weil Niemand Schuld hat... Davon abgesehen ist es auch egal warum man z.B. jemanden tötet. "Ich wurde dazu getrieben" wird nicht unbedingt eindruck erwecken. Fakt bleibt, dass Strafe Wiederholung der Tat vermindert.
Wenn man es so sieht: Das kann man auch ohne lebenslange Verwahrung durch die Todesstrafe erreichen. Es bleibt also kein Grund für die lebenslange Haft.

Fakt ist auch, dass der vom Staat erlaubte Mord die Hemmschwelle für einen Mord herunter setzt. Was hat man noch zu verlieren wenn man wegen Mord gesucht wird und sich sicher sein kann das man hingerichtet wird?
Genauso wir Lynchjustiz gefördert, der Wert eines Lebens durch die Todesstrafe an sich herabgesetzt.
Werden in Staaten mit der Todesstrafe weniger Verbrechen verübt?

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Bruder Spaghettus ( gelöscht )
Beiträge:

11.02.2007 22:53
#9 RE: Die Todesstrafe antworten

Na, hier geht aber einiges durcheinander. Aber heute ist es schon zu spät. Melde mich aber wieder.

Lukrez Offline




Beiträge: 5.548

11.02.2007 23:33
#10 RE: Die Todesstrafe antworten

Der Begriff "Schuld" ist für mich eigentlich abzulehnen.
Für mich ist "Schuld" ein religiöser Begriff, wie etwa auch Sünde.
Verantwortung in der Gemeinschaft hat aber jeder Mensch.
Die "Strafe" soll also den Täter davon abhalten, anderen zu schaden.
In einer zivilisierten Gesellschaft kann es keine wirklich vernünftige Begründung für die Todesstrafe geben, da der Zweck der "Bestrafung" auch anders zu erreichen ist.
Todesstrafe führt auch nach meiner Ansicht zu einer Legitimation des Täters und somit zu einer Legitimation für das Töten allgemein.

Anders kann es in einer Gesellschaft ohne richtige staatliche Ordnung aussehen, hier kann man unter Umständen in der Tötung eines (gefährlichen) Täters einen Akt der Selbstverteidigung sehen.
(Vergleichbar etwa der Problematik des "Rettungsschusses")

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Wenn du es nicht wagst, den Sinnen zu trauen, stürzen die Pfeiler des Lebens ein.
De nihilo nihil. Aus Nichts wird nichts.
Zu soviel Unheil hat schon die Religion die Menschen verleitet.
(Lukrez)

Bruder Spaghettus ( gelöscht )
Beiträge:

12.02.2007 08:57
#11 RE: Die Todesstrafe antworten

@ Xeres

Nicht ich argumentiere so. Ich habe die Ansicht geäußert, wer die Willensfreiheit des Menschen und daraus folgend die Handlungsfreiheit nicht anerkennt dürfte zu keinem anderen Schluss kommen.

Das Strafe die Wiederholungsgefahr mildert ist nur in bestimmten Bereichen so. Bei Triebtätern z.B. bringt Strafe gar nichts.

In Antwort auf:
Wenn man es so sieht: Das kann man auch ohne lebenslange Verwahrung durch die Todesstrafe erreichen. Es bleibt also kein Grund für die lebenslange Haft.


Sicher. Aber wenn man durch zwei Maßnahmen den gleichen Effekt erreichen kann, ist doch wohl eindeutig die vorzuziehen, die für den Betreffenden weniger "einschneidend" ist.

In Antwort auf:
Fakt ist auch, dass der vom Staat erlaubte Mord die Hemmschwelle für einen Mord herunter setzt. Was hat man noch zu verlieren wenn man wegen Mord gesucht wird und sich sicher sein kann das man hingerichtet wird?
Genauso wir Lynchjustiz gefördert, der Wert eines Lebens durch die Todesstrafe an sich herabgesetzt.
Werden in Staaten mit der Todesstrafe weniger Verbrechen verübt?


Hier sehe ich keinerlei Bezug zu dem, was ich gesagt habe.
Insgesamt ist mir das alles zu undifferenziert. Hinrichtung nach einem staatliche geregelten Verfahren, auch wenn es uns nicht passt, mit Mord gleichzusetzen, halte ich z.B. für völlig daneben.

@ Lukrez

Ich verstehe Schuld nicht im theologischen Sinne. Für mich ist Schuld die Pflicht, Verantwortung für die negativen Folgen des eigenen Tuns zu übernehmen. Dafür verstehe ich unter Strafe mehr so eine Art Genugtuung, persönliche Rache oder so, nicht ein Erziehungsmittel.

Du bist der Ansicht, in einer Gesellschaft mit staatlicher Ordnung ist töten generell "böse" und zu verurteilen?
Das sehen die staatlichen Ordnungen selbst aber anders. Ich auch. Es gibt sehr wohl Gründe, wo töten eine berechtigte Handlung ist, im Fall von Notwehr oder Nothilfe z.B. oder beim Kampf gegen Diktatoren. Ich sehe überhaupt keinen Grund, warum es einen Unterschied machen soll, ob das in rechtsfreien Gesellschaften (wo sollte es die geben?) oder hier bei uns passiert.
Meine pazifistische Phase war schon vor 30 Jahren nach der Lektüre von Merles "Die Insel" vorbei.

Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 16.127

12.02.2007 12:19
#12 Die Todesstrafe antworten
Die Crux mit dem Begriff der Schuld...
Ich verstehe, was du meinst, Rüdiger.
Ebenso verstehe ich aber auch, was Lukrez meint. Zwei grundverschiedene Begrifflichkeiten. Trotzdem haben wir ein fast gleiches Verständnis von Recht. Also alles eine Frage der sprachlichen Definition. Nein, auch der Philosophie. Aber die Deterministen kommen auch bestens mit dem Recht und der Strafverfolgung aus: =>
Ich vermeide auch lieber den Begriff der "Schuld". Für mich ist das ganze Rechtswesen ein mehr oder weniger funktionierender Apparat der Gesellschaftserziehung. Jedes Individuum hat sich den (notwendigen) gesellschaftlichen Bedingungen anzupassen. Ihm wird ein ganzes Paket an Verhaltensrichtlinien vorgesetzt, an die er sich zu halten hat. Wenn sein Ego ihn zu Gesetzesbrüchen verleitet, dann muss er dafür büßen. Das hat erstens Straf- und zweitens Abschreckungscharakter. Die Gesetze (und die Moral) sind das Steuerrad des Schiffes names "Gesellschaft". Und die Gesetze sind um so funktionsfähiger, je mehr sie sich bewähren => mehrheitliche Übereinstimmung, Zufriedenheit, keine Unruhe, pi pa po.

Gysi
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Bruder Spaghettus ( gelöscht )
Beiträge:

12.02.2007 12:33
#13 RE: Die Todesstrafe antworten

In Antwort auf:
Für mich ist das ganze Rechtswesen ein mehr oder weniger funktionierender Apparat der Gesellschaftserziehung.


Sicher ist das ein Aspekt, aber insgesamt sind die Regeln, die sich eine Gemeinschaft gibt, die Gesetze, die sich ein Staat gibt entscheidend für deren Entwicklung und somit für den Fortbestand. Diese Regeln werden von moralischen Vorstellungen beeinflusst, die wiederrum von in der Gemeinschaft vorherrschenden Weltanschauungen. Das kann auch gar nicht anders sein, denn sie müssen doch von der deutlichen Mehrheit akzeptiert werden, wenn sie nicht zu Selbst- und Lynchjustiz führen sollen.

So besteht auch ein eindeutiger Zusammenhang zwischen Weltanschauungen und Todesstrafe. Wo religiöse Vorstellungen, siehe Islam aber auch USA, noch sehr fundamental und gesellschaftsbestimmend sind, ist deren Befürwortung und somit auch deren Verankerung in Gesetzen deutlich höher. Notwendig für ein weiteres Funktionieren dieser Gesellschaften halte ich sie aber selbst dort nicht. Zumal nicht nur die Gesellschaft die Gesetze formt, sondern umgekehrt auch Gesetze die Gesellschaft.

Xeres Offline




Beiträge: 2.587

12.02.2007 15:52
#14 RE: Die Todesstrafe antworten

In Antwort auf:
Hier sehe ich keinerlei Bezug zu dem, was ich gesagt habe.
Weil kein Bezug vorhanden ist und der Absatz einen neuer Gedankengang von mir war.
Der Staat repräsentiert mit seinen Gesetzen und Urteilen den Willen des Volkes (bzw. die Mehrheit des Volkes). Töten ist ein Verbrechen aber soll gleichzeitig als Strafmaßnahme herangezogen werden - in wie fern wäre es ungerechtfertigt wenn man einen gesuchten Täter gleich an den nächsten Baum aufknüpft? Natürlich hat das nichts mit Rechtsstaatlichkeit zu tun. Aber wenn der Staat den Willen des Volkes in dieser Art umzusetzen in der Lage ist, kann das Volk auch leicht argumentieren, ihren Willen direkt in die Tat umzusetzen. Darum meine ich, eine Todesstrafe würde Lynchjustiz begünstigen.
Und wenn Mord das bewusste und geplante töten eines Mensches ist kann ich eine Hinrichtung sehr wohl als Mord bezeichnen. Staatlich geregelt sind sicher auch diverse Ehebrecherinnen-Prozesse die in einer Steinigung enden. Es bleibt ein Verstoß gegen die Menschenrechte, egal welches Regime, Regierung oder welcher Herrscher das zulässt oder erlaubt.

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Bruder Spaghettus ( gelöscht )
Beiträge:

12.02.2007 18:01
#15 RE: Die Todesstrafe antworten

In Antwort auf:
Staatlich geregelt sind sicher auch diverse Ehebrecherinnen-Prozesse die in einer Steinigung enden. Es bleibt ein Verstoß gegen die Menschenrechte, egal welches Regime, Regierung oder welcher Herrscher das zulässt oder erlaubt.

Alles richtig, aber Mord meint nun mal was anderes.
Lynchjustiz ist immer Mord. Töten nach einem Gerichtsverfahren bei dem es die Möglichkeit gab sich zu verteidigen, ist es nicht.

Versteh mich jetzt bitte nicht falsch. Mir geht es hier nicht um die Rechtfertigung von Hinrichtungen. Ich weigere mich aber, das eine mit dem anderen gleichzusetzen.

Bruder Spaghettus ( gelöscht )
Beiträge:

12.02.2007 19:41
#16 RE: Die Todesstrafe antworten

Bin gerade wieder über eine Meldung gestolpert, wo meine Gefühle wieder mal ganz anders stimmten als mein Verstand. Die sagen einfach, Rübe ab mit den Typen: http://www.netzeitung.de/vermischtes/529770.html

Lukrez Offline




Beiträge: 5.548

12.02.2007 21:27
#17 RE: Die Todesstrafe antworten
In Antwort auf:
Lynchjustiz ist immer Mord. Töten nach einem Gerichtsverfahren bei dem es die Möglichkeit gab sich zu verteidigen, ist es nicht.

Töten nach Gerichtsverfahren ist auch Mord!
Der einzige Rechtfertigungsgrund der Tötung eines Menschen ist Notwehr.
Notwehr kann aber auch stellvertretend ausgeführt werden, indem ich z.B. einen Mörder töte, um das Opfer zu retten.
In einem zivilisierten Staatswesen ist Todesstrafe immer Mord, da der Rechtfertigungsgrund der Selbstverteidigung hier niemals greifen kann.
Hier ist dann auch die Frage nach einer allgemeinen Menschenwürde zu stellen:
Wird diese in Frage gestellt, welche Argumente kann ich dann noch gegen die Anwendung der Folter vorbringen? Der Zweck "heiligt" in diesem Fall dann doch jederzeit die Mittel!

Ich stimme hier sogar ausnahmsweise völlig mit dem ehemaligen Papst überein:

Bei einem USA-Besuch 1999 beispielsweise bezeichnete Johannes Paul II. die Todesstrafe als "grausam und unnötig". "Moderne Gesellschaften können sich schützen, ohne Verbrechern für immer die Chance zur Reue zu verweigern."... "Die Würde des Menschen darf niemandem genommen werden, auch dann nicht, wenn er schweres Übel begangen hat." Im Jahr 2000 unterstützte der Vatikan eine weltweite Kampagne gegen die Todesstrafe.

Dennoch schließt der neue Weltkatechismus, der die katholische Glaubens- und Morallehre zusammenfasst, die Todesstrafe nicht völlig aus. Laut § 2267 des lateinischen Katechismus ist die Todesstrafe weiter gerechtfertigt, wenn sie "der einzige mögliche Weg ist, das Leben von Menschen wirksam gegen einen ungerechten Angreifer zu verteidigen."

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(Lukrez)

Bruder Spaghettus ( gelöscht )
Beiträge:

12.02.2007 22:20
#18 RE: Die Todesstrafe antworten
Lukrez Offline




Beiträge: 5.548

12.02.2007 22:28
#19 RE: Die Todesstrafe antworten

Ein Mord ist die vorsätzliche Tötung eines anderen Menschen unter besonders erschwerenden Umständen. Diese Umstände können in jeder Rechtsordnung unterschiedlich umschrieben sein. Häufige Kennzeichen eines Mordes sind ein besonderes Motiv, sowie Hinterlist oder ein planvolles Vorgehen. Neben der Tötung selbst ist für die Einordnung einer Tat als Mord also noch mindestens ein weiterer Umstand notwendig. Mord gehört zu den Straftaten gegen das Leben.

Trifft doch fast ausnahmslos alles auf den staatlichen Mord zu.
Ganz besonders vorsätzliche Tötung und planvolles Vorgehen.

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Bruder Spaghettus ( gelöscht )
Beiträge:

13.02.2007 08:13
#20 RE: Die Todesstrafe antworten

Planvolles Vorgehen eben gerade nicht. Es gibt ein Verfahren, in dessen Rahmen festgestellt wird, ob der Angeklagte schuldig ist oder nicht. Es führt also nicht geplant direkt zur Tötung, es gibt auch Möglichkeiten eines anderen Ausgangs.

Lukrez Offline




Beiträge: 5.548

13.02.2007 21:24
#21 RE: Die Todesstrafe antworten

Die Tötung ist direkt geplant, denn der Rahmen wurde vorher festgelegt!
Man könnte z.B. im Rahmen festlegen, dass in der Nase bohren ein todeswürdiges Verbrechen ist.
Also alles reine Beliebigkeit.
Wir können nur eine Frage dazu stellen:
Gibt es eine unabhängige Menschenwürde oder nicht - ist der Verbrecher kein Mensch mehr?
Wo das hinführt kennt man ja aus der Geschichte.
Dann kommt sofort die Frage: Ist der Behinderte kein Mensch mehr u.s.w.

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SnookerRI Offline

Soul-Societist


Beiträge: 5.475

13.02.2007 21:32
#22 RE: Die Todesstrafe antworten

Ein weiterer Punkt ist die mitunter jahrelange Unterbringung in der "Todeszelle". Man weiß, dass man zum Tode verurteilt ist, jeder Tag kann der letzte sein, nur man weiß nicht welcher...

Dass es bei Hussein so verhältnismäßig schnell ging, lag wohl eher an der öffentlichen Brisanz des Prozesses als an der amerikanischen Justiz.

In Antwort auf:
Gibt es eine unabhängige Menschenwürde oder nicht - ist der Verbrecher kein Mensch mehr?


Grade weil ein Verbrecher ein Mensch ist, ist die Klärung der Verantwortlichkeit (Schuld) und deren Konsequenzen so schwer zu tragen. Da sind die Fehlurteile noch nicht mitinbegriffen...


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Bruder Spaghettus ( gelöscht )
Beiträge:

14.02.2007 06:14
#23 RE: Die Todesstrafe antworten

Zitat von Lukrez
Wir können nur eine Frage dazu stellen:
Gibt es eine unabhängige Menschenwürde oder nicht - ist der Verbrecher kein Mensch mehr?
Wo das hinführt kennt man ja aus der Geschichte.
Dann kommt sofort die Frage: Ist der Behinderte kein Mensch mehr u.s.w.


Was hat das mit der Definition für Mord zu tun?
Dass auch ich, wenn auch meine Gefühle manchmal was anderes sagen, gegen die Todesstrafe bin, habe ich doch oben schon geschrieben.

Mir geht es hier ausschließlich um die Unterscheidung zwischen Mord und Hinrichtung nach einem Gerichtsverfahren, also um die Definition von Mord. Das ist nun mal nicht das Gleiche.

Azatoth Offline



Beiträge: 56

14.02.2007 12:22
#24 RE: Die Todesstrafe antworten

Ihr denkt und redet alle viel zu viel darüber

"Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein auf sie!"

Bruder Spaghettus ( gelöscht )
Beiträge:

14.02.2007 12:26
#25 RE: Die Todesstrafe antworten

Na, dann hoffe ich mal, du denkst dafür nicht zu wenig

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"Ich bin völlig anderer Meinung als Sie. Aber ich werde mein Leben dafür einsetzen,
dass Sie sie sagen dürfen!" (Voltaire)

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