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Dieses Thema hat 10 Antworten
und wurde 4.271 mal aufgerufen
 Weltliche Ideologien
A-Sign Offline

Libertärer Pastafari


Beiträge: 57

02.03.2007 19:33
Anarchie und Anarchismus antworten
Was ist der Unterschied zwischen Anarchie und Anarchismus?

Anarchie ist ein zustand, in dem keine Herrschaft von menschen über andere Menschen mehr existiert. Anarchismus ist eine politische Bewegung, diesen Zustand herbeizuführen.

Ist Anarchie nicht einfach nur reines Chaos?

Nein, der Begriff hierfür heißt Anomie (Ordnungslosigkeit). Anarchie setzt sich aus einem alpha privativum und dem Wort ἀρχή zusammen. ἀρχή bedeutet Herrschaft. Somit ist die korrekte Übersetzung Herrschaftslosigkeit. Auch der Begriff Führerlosigkeit ist eine häufig genutzte Bezeichnung.
Anarchie wird auch als "Ordnung ohne Herrschaft" (urspr. Proudhon) oder "Freiheit und Ordnung ohne Gewalt" (urpsr. Kant) bezeichnet.

Gibt es in einer Anarchie eine Verwaltung und Organisation?

Ja, es gibt mehrere Möglichkeiten, sich zu organisieren, ohne auf Hierarchie zurückgreifen zu müssen. Unter anderem Räte, Syndikate, freiwillige Vereinigungen Gleichgesinnter oder spontane Zusammenschlüsse. Hauptsache ist, dass die Struktur von unten nach oben aufgebaut ist, das bedeutet, vom speziellen Fall zum allgemeinen, vom Individuum zur Kommune, zur Gemeinschaft der Kommunen.
Anarchie im größeren Maßstab (größer als eine überschaubare Gruppe von Menschen) funktioniert durch die Vernetzung von Gruppen (Kommunen) auf gleicher Ebene.

Gibt es verschiedene Richtungen?

Es gibt ungefähr so viele Richtungen, wie es Anarchisten gibt. Keine Theorie hat den Anspruch, der Weisheit letzter Schluss zu sein. Die bekanntesten Richtungen mit ihren Entwicklern sind: "Proudhonismus" (Pierre Joseph Proudhon), Egoismus/Individualanarchismus (Max Stirner), "Bakuninismus" (Mikhail Bakunin), Anarchokommunismus (Pjotr Kropotkin), religiöser Anarchismus (Lew Tolstoi) und Anarchosyndikalismus (?). Darüber hinaus gibt es noch haufenweise libertäre Philosophien, die sich jedoch nicht zum Anarchismus zählen. Zum Beispiel ursprünglicher Taoismus.

Wenn es so viele verschieden Richtungen gibt, welches System wird in einer Anarchie dann zur Verwendung kommen?
Vermutlich jedes. Da keine Gleichschaltung vorliegt, kann sich jede Kommune ihre Richtung selbst aussuchen.

Was passiert, wenn Leute Differenzen haben? Bürgerkrieg?

Differenzen werden im Konsens gelöst. Gewalt wird nicht mehr gefördert.

In Antwort auf:
"Eigentum ist Diebstahl"? Watt is' dat denn?


Zur Beantwortung dieser Frage, ist es nötig zwischen Eigentum und Besitz zu unterscheiden. Besitz ist Krams, den ich habe, weil ich ihn brauche, also den ich verwende. Eigentum ist Krams, den ich habe, weil er mir von höherer Stelle zugebilligt und im Konflikt von dieser höheren Stelle verteidigt wird. Eigentum ist dann insofern Diebstahl, als dass man das Eigentum auch dann behält, wenn andere es nötiger brauchen.
Als Beispiel: Ich bin ein Bauer, der acht Felder bewirtschaften kann, hab' aber zehn Felder. Zwei liegen also brach. Der Nachbarbauer kann drei Felder bestellen, hat aber nur eins. Als Besitzer der Felder geb ich ihm die beiden Felder, die ich nicht brauche, als Eigentümer kann er sehen wo er bleibt.
Diese Methode der Verteilung wird in den meisten Denkrichtungen nur für Produktionsmittel angewandt, nicht für Privatbesitz.


Ich führ das FAQ irgendwann noch weiter aus, aber für den Anfang sollte das reichen.

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Wer Sicherheit der Freiheit vorzieht ist zu Recht ein Sklave.
~Aristoteles

An die dumme Stirne gehört als Argument von Rechts wegen die geballte Faust.
~Friedrich Nietzsche, Menschliches I

Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 16.127

02.03.2007 20:47
#2 Eigentum ist Diebstahl antworten
Eigentum ist insofern Diebstahl, weil die Arbeiter die Werte schaffen, die der Kapitalist sich als sein Eigen aneignet. Mit Eigentum ist also der Produktionseinsatz gemeint, den wir gemeinhin "Kapital" nennen. Maschinen, Computer und so.
Jetzt könnte man sagen: "Ja, dann sollten doch die Arbeiter die Herrschaft über die Produktion übernehmen!" Dann stellen sich aber die Fragen:
a) Können die das denn? Kann jeder ein Unternehmen leiten? Hat der Belegschaftsneuling gleich die dicke Ahnung und die Fähigkeit dazu, Verantwortung zu tragen?
b) Sollte die Mehrheit der Arbeiter dazu berechtigt sein, die Produktion umzurüsten, auch wenn das der wirtschaftliche Ruin aller sein würde?
c) Ist es nicht uneffektiv, wenn sich alle Arbeiter um Führungsstile streiten. Und wollen sie nicht eher ihren wohlverdienten Feierabend, statt sich auf blöden Tagungen zu zerreiben?

Ist es daher nicht sinnvoller, dass der Staat Kontroll- und Steuerungsfunktionen übernimmt, so wie das ja schon jetzt der Fall ist? Wird so den Interessen der Arbeiter nicht eher Genüge getan, als wenn man jeden Betrieb einer syndikalistischen Räte-Organisation unterwirft?

Gysi
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"Ich bin vom Glauben zum Wissen konvertiert!" (Hamed Abdel-Samad)

A-Sign Offline

Libertärer Pastafari


Beiträge: 57

03.03.2007 11:51
#3 RE: Eigentum ist Diebstahl antworten

Das sollte eigentlich ein FAQ werden, keine Diskussion. Nun kann ich meinen Beitrag oben nicht mehr editieren. Kannbst du deinen Beitrag (und den hier gleich auch) in einen anderen Thread verschieben, damit ich hier weiter machen kann? Wär ja nicht so, als ob die Anzahl von möglichen Threads eng begrenzt wäre.

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Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 16.127

03.03.2007 12:39
#4 Eigentum ist Diebstahl antworten
In Antwort auf:
Das sollte eigentlich ein FAQ werden, keine Diskussion.
Und das hier sollte eigentlich ein Diskussionsforum sein und keine Kanzel der Church of Anarchy werden...

Gysi
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"Ich bin vom Glauben zum Wissen konvertiert!" (Hamed Abdel-Samad)

A-Sign Offline

Libertärer Pastafari


Beiträge: 57

03.03.2007 12:47
#5 RE: Eigentum ist Diebstahl antworten
Ich bin wirklich gerne bereit mit dir zu diskutieren (solltest du eigentlich gemerkt haben), nur wollte ich diesen Thread als FAQ, damit man sich schnell ein paar Fakten über Anarchie und Anarchismus durchlesen kann. Diskutieren dann in anderen Threads. Das ist meines Erachtens bequemerl weil ich dan nicht in jeder Diskussion die oben genannten Punkte anführen brauche.
Die Church of State ist aber ok?

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Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 16.127

03.03.2007 12:55
#6 Eigentum ist Diebstahl antworten
In Antwort auf:
nur wollte ich diesen Thread als FAQ, damit man sich schnell ein paar Fakten über Anarchie und Anarchismus durchlesen kann.
Und wir wollen keine ellenlangen Gebote-Pakete der verschiedenen Bekenntnisse. Du kannst aber gerne zu den deinen verlinken. Aber vergiss die selbst formulierten Beiträge nicht. Die scheinen mir für das Einbinden der Diskussionspartner in die Threads wichtiger zu sein...
In Antwort auf:
Die Church of State ist aber ok?
Was soll denn das sein? Wenn du die vom Volk gewählten - und alle paar Jahre abwählbaren - Delegationen in die politischen Machtzentren meinst: JA - die sind sogar sehr o.k.!

PS.: Is' bestimmt ein Horror für dich: Lies doch bitte mal die Forumsregeln durch. Sind auch gaaanz kurz verfasst.

Gysi
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A-Sign Offline

Libertärer Pastafari


Beiträge: 57

03.03.2007 14:07
#7 RE: Eigentum ist Diebstahl antworten

Hmmmm, wie definerst du Gebote? Sind reine Informationen (und nichts anderes ist diese FAQ ja) schon Gebote? Na gut, wenn du keine Informationen magst, kann ich das hie rauch sien lassen, wäre aber schade, um Mitglieder des Forums, die vielleicht ein Interesse daran haben, schnell an Informationen zu gelangen.

P.S.: Ich finde Vorurteile sehr erheiternd, nur weiter damit.

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Bruder Spaghettus ( gelöscht )
Beiträge:

03.03.2007 15:56
#8 RE: Eigentum ist Diebstahl antworten

Wer die Informationen wirklich sucht, findet sie auch, z.B. hier. Du hast auch schon einen Link gesetzt.

Wenn wir dir hier Raum geben würden, deine Weltanschauung einfach ohne Diskussion darzustellen, müssten wir das jeder WA und jedem Glaubensbekenntnis zubilligen.
Darstellung ist aber ganz klar nicht das Ziel dieses Forums, sondern Diskussion.

A-Sign Offline

Libertärer Pastafari


Beiträge: 57

03.03.2007 22:06
#9 RE: Eigentum ist Diebstahl antworten

OK, das ist doch mal vernünftig. Ich wollte nur verhindern, dass ich bei jeder Diskussion wieder von vorne mit erklären anfangen muss. Wenn sich jeder seine Erklärungen selsbt sucht, wird das wohl auch hinhauen.

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89 ( Gast )
Beiträge:

07.05.2007 19:47
#10 RE: Eigentum ist Diebstahl antworten
Zitat von Bruder Spaghettus

Darstellung ist aber ganz klar nicht das Ziel dieses Forums, sondern Diskussion.


In dem Bewusstsein, niemanden hinter dem Ofen vor zu locken, nachdem ich diesen Thread gelesen habe, stelle ich noch folgendes Zitat "dar":
" Der Anarchist glaubt nicht an Götter noch an Gespenster, nicht an Priestersprüche noch an die Behauptungen der Wissenschaftler, die er selbst nicht nach prüfen kann. Er fragt nicht nach dem Klatsch der Straße, noch nach der Mode in den Angelegenheiten der Kunst und der Weltanschauung. Er geht seinen Weg geradeaus, verantwortlich der Menschheit, die er eins weiß mit sich und seinem Gewissen. Er tut das Rechte, weil er weiß, was Recht ist. Denn Freiheit und Recht ist das gleiche, wie Gesellschaft und Persönlichkeit das gleiche ist. Aus dem Recht wächst die Gleichheit des Kommunismus, aus der Gleichheit die Freiheit der Anarchie."

Erich Mühsam
maleachi 89 ( Gast )
Beiträge:

12.12.2008 19:40
#11 RE: Eigentum ist Diebstahl antworten
Noam Chomsky wurde 80! lichen Glückwunsch!
'Bemerkungen zum Anarchismus' aus 'Die Verantwortlichleit der Intellektuellen' ist (wer sich für interessiert) zu empfehlen.

http://chomskyarchiv.de/artikel/anmerkungen-zum-anarchismus
https://www.jungewelt.de/beilage/art/1840
 Sprung  
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"Ich bin völlig anderer Meinung als Sie. Aber ich werde mein Leben dafür einsetzen,
dass Sie sie sagen dürfen!" (Voltaire)

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