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Dieses Thema hat 7 Antworten
und wurde 456 mal aufgerufen
 Philosophie und Wissenschaft
Don't Panic Offline




Beiträge: 438

14.03.2007 15:23
Gedanken zur Entstehung des Gottesbegriffs antworten
Einleiten möchte ich diesen Thread mit einer Überlegung meines Lieblings-Philosophen Douglas Adams.
Ich weiß, dass ellenlange Texte hier nicht gern gesehen werden, aber ich hab keine vernünftige Verlinkung gefunden. Er ist es aber definitiv wert, gelesen zu werden!

"Stellen Sie sich nun einen Frühzeitmenschen vor, der sich nach einem Tag fröhlicher Werkzeugarbeit in seiner Umwelt umsieht. Er schaut sich um und sieht eine Welt, die ihm wahnsinnig gut gefällt: Hinter ihm liegen Berge mit Höhlen darin - Berge sind toll, weil man sich in den Höhlen verstecken kann und nicht im Regen herumlaufen muss, und die Bären kriegen einen nicht; vor ihm liegt der Wald - darin gibt's Nüsse und Beeren und andere Leckereien; ein Bach fließt vorbei, gefüllt mit Wasser - köstlich zu trinken, man kann die Boote darin zum Schwimmen bringen und überhaupt alles mögliche damit anstellen. Und da ist ja auch Vetter Ug, der hat gerade ein Mammut gefangen -Mammuts sind toll, man kann sie essen, man kann ihre Felle tragen, man kann aus ihren Knochen Waffen herstellen, um andere Mammuts zu fangen. Echt, diese
Welt ist großartig, sie ist phantastisch. Aber unser Mensch hat einen Augenblick Zeit nachzudenken, und er denkt sich: »Also, das ist wirklich eine interessante Welt, in der ich lebe«, und dann stellt er sich eine sehr tückische Frage, eine Frage, die völlig bedeutungslos und trügerisch ist, sich aber nur aufgrund des Wesens seiner Persönlichkeit stellt, der Persönlichkeit, zu der er sich entwickelt hat und die erfolgreich ist, weil er so denkt. Der Mensch als Macher betrachtet seine Welt und sagt: »Wer hat das alles gemacht?« Wer hat das gemacht? - Sie merken, warum das eine tückische Frage ist. Der Frühzeitmensch denkt: »Weil es nur ein Lebewesen gibt, das ich kenne, das Dinge herstellt, muss derjenige, egal wer es ist, der all dies gemacht hat, viel größer, viel mächtiger und zwangsläufig unsichtbar sein; einer wie ich, und weil ich meist der Starke bin, der alles macht, ist er wahrscheinlich ein Mann.« So sind wir zur Gottesidee gelangt. Weil wir aber, wenn wir Dinge herstellen, auch vorhaben, etwas mit ihnen anzustellen, fragt sich der Mensch der Frühzeit: »Wenn er es gemacht hat, wozu hat er es gemacht?« Und jetzt schlägt die Falle zu, denn der Frühzeitmensch denkt: »Diese Welt passt sehr gut zu mir. Es gibt all diese Dinge, die mir helfen, mich ernähren und auf mich aufpassen; ja, diese Welt ist wie für mich geschaffen«, und er kommt zur unausweichlichen Schlussfolgerung, dass, wer auch immer die Welt gemacht hat, sie für ihn geschaffen hat. Das ist etwa so, als wachte eine Pfütze eines Morgens auf und denkt: »Das ist eine interessante Welt, in der ich mich befinde - ein interessantes Loch, in dem ich liege - passt doch ganz prima zu mir, oder? Ja, es passt so ungeheuer gut zu mir, dass es eigens für mich geschaffen worden sein muss.« Das ist eine so packende Idee, dass die Pfütze, als die Sonne am Himmel höher steigt und die Luft sich erhitzt und sie immer kleiner und kleiner wird, sich immer noch verzweifelt an die Vorstellung klammert, dass alles schließlich wieder ins Lot kommen wird, weil diese Welt für sie erdacht, für sie erschaffen wurde; und so kommt für sie der Moment ziemlich überraschend, in dem sie verschwindet. Ich glaube, vor etwas in der Art müssten auch wir auf der Hut sein." (Douglas Adams)
Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 16.127

14.03.2007 18:27
#2  Gedanken zur Entstehung des Gottesbegriffs antworten
Sehe ich in etwa auch so wie der Douglas Adams.
Der Mensch ist in der Lage, Funktionszusammenhänge zu erkennen. Und er macht eine Erfahrung, die er auf seine Umwelt extrapoliert: Er produziert und schafft Dinge außer der Naturproduktion, für die er sich als einzig und alleiniger Schöpfer verantwortlich sieht. So stellt er sich die Frage: Und wer erschuf die Natur, wer mich? Wie ein kleines Kind setzte er (der zu erkennen beginnende Mensch) das Verhältnis des Über-Schöpfers zu sich und der Natur zu dem Verhältnis seiner kleinen Person zum Faustkeil und Mammutfell-Mantel. Das Mysterium der Religion ist nichts anderes, als das Mysterium des Erkenntniswesens Mensch, aus seiner Unkenntnis und schmalen Erfahrung heraus ein Weltbild zu erklären, erklären zu wollen, vielleicht auch erklären zu müssen. Wer Lust dazu hat, ein Artikel zu dem Thema von mir zu lesen - bidde sehr => http://www.wogeheichhin.de/zuflucht.html (Ist nicht lang.)

Gysi

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"Ich bin vom Glauben zum Wissen konvertiert!" (Hamed Abdel-Samad)

Don't Panic Offline




Beiträge: 438

15.03.2007 09:02
#3 RE: Gedanken zur Entstehung des Gottesbegriffs antworten

Ich hab dein Online-Buch selbstverständlich gelesen und bin, was das meiste betrifft, absolut einer Meinung mit dir.
Adams konnte seine Überzeugungen immer mit einem phantastischen Humor darlegen! Ein Jammer, dass er so früh sterben musste.

Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 16.127

15.03.2007 18:30
#4 Gedanken zur Entstehung des Gottesbegriffs antworten

In Antwort auf:
Ich hab dein Online-Buch selbstverständlich gelesen
Was?? Das ganze? So langsam strebt die Anzahl der Leser so gen 5...

Gysi

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"Ich bin vom Glauben zum Wissen konvertiert!" (Hamed Abdel-Samad)

the swot ( Gast )
Beiträge:

15.03.2007 18:34
#5 RE: Gedanken zur Entstehung des Gottesbegriffs antworten

Ich hab mal reingeschnuppert.

Don't Panic Offline




Beiträge: 438

15.03.2007 18:43
#6 RE: Gedanken zur Entstehung des Gottesbegriffs antworten

In Antwort auf:
Was?? Das ganze?

Naja, wenn ich ehrlich bin nur bis einschließlich "Die polymorphe Moral" . Aber ich hab schon vor es noch fertig zu lesen. So lag ist es ja nun auch wieder nicht.
In Antwort auf:
So langsam strebt die Anzahl der Leser so gen 5...

So wenige? Eigentlich schade...

SnookerRI Offline

Soul-Societist


Beiträge: 5.475

15.03.2007 21:55
#7 RE: Gedanken zur Entstehung des Gottesbegriffs antworten

In Antwort auf:
So wenige? Eigentlich schade...



Also ich denke wirklich, dass das schon ein paar mehr sind... nur die posten es hier nicht gleich unbedingt rein.


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Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 16.127

16.03.2007 08:11
#8  Gedanken zur Entstehung des Gottesbegriffs antworten

In Antwort auf:
Aber ich hab schon vor es noch fertig zu lesen.
Sehr löblich.
In Antwort auf:
So lag ist es ja nun auch wieder nicht.
Eben.

Gysi

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