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 Judentum
the swot ( Gast )
Beiträge:

27.03.2007 22:00
Letzter Rabbiner vor dem Holocaust antworten

Letzter Rabbiner vor dem Holocaust


Göttingen (ddp-nrd). Die Gestapo war damals stets dabei, wenn Zvi Hermon in Göttingen predigte. Von 1935 bis 1938 hatte Hermon als letzter Rabbiner vor dem Holocaust in der niedersächsischen Universitätsstadt gewirkt. Jetzt befinden sich die Predigtmanuskripte aus seinem Nachlass im Stadtarchiv. «Es ist unser erster jüdischer Nachlass aus dieser Zeit«, sagt Archivleiter Ernst Böhme. Die 600 Dokumente böten eine seltene Momentaufnahme von der Endphase eines funktionierenden jüdischen Gemeindelebens.

Hermon, der bis 1951 Hermann Ostfeld hieß, kam 1912 in Duisburg als Sohn eines Möbelhändlers zur Welt. Er absolvierte an der liberalen Hochschule für die Wissenschaft des Judentums in Berlin ein Studium zum Rabbiner. Dies unterbrach er für ein Jahr, um in Würzburg im Fach Geschichte zu promovieren.

Der Geistliche habe 1935 in Göttingen seine erste Stelle als Rabbiner angetreten. Mit 23 sei er Seelsorger einer verängstigten, in ihrer Existenz bedrohten Gemeinde geworden, sagt Böhme. Hermon sei außerdem als Bezirksrabbiner für zehn Landgemeinden in Südniedersachsen zuständig gewesen.

Hermons Predigten seien voller Mahnungen, die Zeichen der Zeit richtig zu deuten, sagt Böhme. 1937 habe der Rabbiner hellsichtig von einem Verhängnis geschrieben, »dessen Größe und Folgen von uns nicht abgesehen werden kann». Heftig habe er «jüdische Menschen» kritisiert, die resignierend von einer «Auserwählung zum Leid» sprachen. Er habe die Gemeindemitglieder aufgefordert, für die «jüdische Freiheit» zu kämpfen.

Offen bekannte sich Hermon zum Zionismus. Er träumte von einem jüdischen Staat im damals britischen Mandatsgebiet Palästina. 1938 kündigte der 26-Jährige seine Stelle, um selbst nach Palästina zu gehen. Kaum war er dort eingetroffen, kam es in Deutschland zum Novemberpogrom. Nazis brannten das Gotteshaus nieder, in dem der Rabbiner noch wenige Tage zuvor gepredigt hatte. Hermon bekennt in seiner Autobiographie sein schlechtes Gewissen, die Gemeinde in so schwerer Zeit alleine gelassen zu haben.

In Palästina arbeitete er noch eine zeitlang nebenberuflich als Rabbiner. Er machte eine Ausbildung zum Sozialfürsorger und engagierte sich für die Liberalisierung des Strafvollzugs. 1952 stieg Hermon zum Direktor der israelischen Gefängnisverwaltung auf. Von 1968 bis 1973 lehrte er an Universitäten in Deutschland, Kanada und den USA Kriminologie. Zurück in Israel betreute er als Zivilangestellter der Armee traumatisierte Soldaten des Jom-Kippur-Krieges von 1973.

Der Göttinger Historiker Ulrich Popplow suchte in den 80er Jahren den Kontakt zu Hermon. Er bat den ihn, seine Erinnerungen aufzuschreiben. Dessen Autobiographie «Vom Seelsorger zum Kriminologen» erschien 1990 bei einem Göttinger Verlag. Der Autor stellte das Buch persönlich in Göttingen vor.

Hermons Sohn stellte nun den Nachlass seines Vaters dem Stadtarchiv zur Verfügung. Kopien erhielten das Leo Baeck-Institut in Berlin und die Jüdische Gemeinde Göttingen.

Der Göttinger Gemeindevorsitzende, Harald Jüttner, zeigt sich sehr bewegt. Wie Hermon bekennt sich die 1994 wiederbelebte Gemeinde zum liberalen Judentum. Dieses hat in den vergangenen Jahren in Deutschland gegenüber dem orthodoxen und konservativen Judentum an Gewicht gewonnen.

(ddp)

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